Alle Beiträge von carola muysers

Das „Rezept“ der Berlin-Woman Masha Kaléko

Zum WE die versprochene Kostprobe eines Gedichts der Berlin-Woman Masha Kaléko (1907-1975):

Rezept

Jage die Ängste fort. Und die Angst vor den Ängsten.

Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen.

Das Brot im Kasten und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein. Es ist dir alles geliehen.

Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst.

Richte dich ein. Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muß, kommt.

Geh dem Leid nicht entgegen. Und ist es da,

sieh ihm still ins Gesicht. Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts. Und hüte besorgt dein Geheimnis.

Auch der Bruder verrät, geht es um dich oder ihn.

Den eignen Schatten nimm zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl. Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.

Flicke heiter den Zaun und auch die Glocke am Tor.

Die Wunde in dir halte wach unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder.

Sie sind lang schon verzeichnet im grossen Plan.

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Ausstellung: Ruth Hommelsheim, Versammlungen

Berlin-Mitte

Ruth Hommelsheim, aus: Versammlungen, Fotografie übermalt

Zwei nette kleine Kinder spielen mit ihrer Mutter Ball. Auf einem anderen Bild sitzen sie unter mütterlicher Aufsicht auf einem Dreirad.  Die Künstlerin Ruth Hommelsheim hat Fotomotive aus dem Familienalbum bearbeitet. Dabei sind hochinteressante Serien entstanden, die mit dem privaten Familienidyll der 1960er Jahre aufräumen.

Die Schwarzweiß- und Farbfotos, mit denen Ruth Hommelsheim in ihrer 3. großen Werkgruppe „Versammlungen“ gearbeitet hat, stammen größtenteils aus ihrem privaten Fundus. Doch das ist nicht unbedingt wichtig, erklärt die Künstlerin den Berlin Women, die ihre aktuelle Ausstellung besuchten. Die Umgebung auf den Fotos ist mit weißer Acrylfarbe bedeckt. Das hat den Effekt von Ikonenmalerei, bei der die Figuren scherenschnittartig hervortreten.  So wird sichtbar, wie sehr die kleinen Szenen komponiert sind und sogar auf Vorbilder aus der klassischen Kunstgeschichte zurückgehen.  Ein Stück Renaissance-, Barock- und Rokokomalerei ist drin, wenn sich die fünfköpfige Familie um den Hund schart, der kleine Junge vor seiner Mutter einen höflichen Diener macht oder die gesamte Sippschaft das Töchterchen zur Kommunion geleitet.  Neben diesen eher ernsten kulturellen Einblicken thematisiert Ruth Hommelsheim auch Komisches. Kinder scheinen beim Kopfsprung ins Nichts hineinzufliegen. Mit Wasser gefüllte Gummistiefel stehen in der Luft.  Röcke fälteln sich seltsam ohne nachweisbare Windböen. Wer sehen möchte, was alles in familiären Konstellationen stecken kann, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen. Ruth Hommelsheim hat in Darmstadt studiert, stellt im In- und Ausland und unterhält mit mehreren Künstlerkolleg/innen die Produzentengalerie LORIS.

Ruth Hommelsheim, Versammlungen, Loris – Galerie für zeitgenössische Kunst, Gartenstr. 114, 10115 Berlin, Mi-Fr 14:00-19:00 Uhr, Sa 12:00-17:00, bis 01.05.2011, mit Finissage. Audio Input von Christopher Dell: 19.04.2011. Gallery-Weekend, 30.04.2011: 12.00 – 19.00, 01.05.2011:, 12.00 – 19.00 Uhr. Von den Motiven stehen jeweils 5 Originale zum Verkauf.

Ruth Hommelsheim


Heute ist Girls´Day!

An jedem vierten Donnerstag im April, dieses Mal am 14.04.2011, öffnen vor allem technische Unternehmen, Betriebe mit technischen Abteilungen und Ausbildungen, Hochschulen und Forschungszentren in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der Klasse 5. Der Girls Day ist das größte Berufsorientierungsprojekt für junge XX. Seit dem Start 2001 gab es insgesamt über 1.000.000 Teilnehmerinnen. Die jungen XX verfügen über eine besonders gute Schulbildung und sind ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial für Betriebe, die qualifizierten Nachwuchs suchen. Es geht darum, die Öffentlichkeit und Wirtschaft auf die Stärken der jungen XX aufmerksam zu machen. Der Girls Day wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Girls Day

Berlin-Women: Masha Kaléko (1907-1975)

Masha Kaléko (Golda Malka Aufen) ist Dichterin und Vertreterin des Typus „Neue Frau“  der 1920er Jahre.  Ihre Schul-und Studienzeit verbrachte sie im jüdischen Scheunenviertel in Berlin. Nach einer Bürolehre besuchte sie Philosophie- und Psychologiekurse an der Lessing-Hochschule und der (heutigen) HU. 1928 heiratete sie den Hebräisch-Lehrer Saul Aaron Kaléko und nach ihrer Scheidung 1938 den Dirigenten Chemjo Vinaver.  Ihr Kontakt zur Avantgarde, sie lernte u.a. Erich Kästner, Else Lasker-Schüler und Joachim Ringelnatz kennen, wies ihr den Weg in die Großstadtlyrik.  1929 veröffentlichte Maska Kaléko die ersten Gedichte. 1933 kam ihr vielgelesenes „Lyrisches Stennogrammheft“ heraus, das noch im selben Jahr der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer fiel, aber 1935 wieder aufgelegt wurde. 1938 wanderte sie mit Mann und Sohn in die USA aus, wo sie als Werbetexterin und Journalistin tätig war.  1960 verweigerte Masha Kaléko den Fontane-Preis der Westberliner Akademie der Künste, da in der Jury das ehemalige SS-Mitglied Hans Egon Holthusen saß.  Im selben Jahr ging sie mit ihrem Mann ins Israelische Exil. Kalékos Gedichte sind ironisch-zärtlich und in einer zeitlos-direkten Sprache verfasst.  Kostprobe folgt.

Gedichte von Masha Kaléko

Kurzinfo auf Berlin-Woman: Monat der Stipendiat/innen 2011 in der Akademie der Künste Berlin

Berlin-Mitte

Bis zum 14.05.2011 stellen sich die Stipendiat/innen der Akademie der Künste Berlin vor.  Das sind die Veranstaltungen mit den Künstlerinnen der „jungen Akademie“:

  • bis 08.05.2011, Di-So 11:00-20:00 Uhr,  Ausstellung junge Akademie mit Tanja Kwaipil, Maria Mohr, Silvana Santamaria neben Anton Gonopolski, ADK, Black Box, Pariser Platz, Eintritt frei.
  • 04.05.2011, 19:00 Uhr,  Spielfim „Wüste/Außen/Tag“ von Mia Grau, Dokumentarfilm „Kandidaten“ von Ayla Gottschlich,  ADK, Black Box, Pariser Platz, Eintritt 5/3 Euro.
  • 05.05.2011, 10:40 und 14:00 Uhr,  Lesung von Mia Grau zum Spielfilm „Heilig Blut“ und Ayla Gottschlich zum Dokumentarfilm „Der Auftrag“, ADK, Plenarsaal, Pariser Platz, Eintritt frei.
  • 08.05.2011, 17:00 Finissage, ADK, Black Box, Pariser Platz, Eintritt frei.
  • 14.05.2011, 17:00, Villa Serpentara. Die Stipendiat/innen Annedore Dietze, Katja Pfeiffer neben Gerald Eckert stellen sich vor, Eintritt frei.

Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin

Vollständiges Programm der Jungen Akademie

5 Jahre Berliner Gründerinnenzentrale. Ein Interview mit der Projektleiterin Antje Ripking

Die Berliner Gründerinnenzentrale feiert in diesem Jahr ihr 5-jähriges Bestehen. Die Projektleiterin, Graphik-Designerin und Marketing-Fachfrau  Antje Ripking hat Berlin-Woman ausführlich informiert:

BW: Frau Ripking, wie kam es zur Gründerinnenzentrale, wer hatte die Idee?

AR: Die Genossenschaft „Weiberwirtschaft“ hat Frauen neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, dem Vermieten und Verwalten des größten Unternehmerinnenzentrums Deutschlands, stets ehrenamtlich beraten. Daraus entwickelte sie das Konzept der Gründerinnenzentrale und legte es dem Senat für Wirtschaft, Technologie und Frauen vor. Anfang 2006 startete das Förderprogramm. Seitdem ist es ein Projekt der Weiberwirtschaft mit engen personellen, räumlichen und Netzwerk-Verknüpfungen.

BW: Was ist das Programm der Gründerinnenzentrale?

AR: Mit unseren drei Standbeinen: Information, Unterstützung, Vernetzung von Frauen ist die Gründerinnenzentrale Erstanlaufstelle für Gründerinnen oder Interessentinnen, die sich über die Selbstständigkeit informieren wollen. Zu uns kommen jährlich 1.500 Frauen. 1 x im Monat veranstalten wir einen Stammtisch, bieten einen Fachvortrag an, organisieren Fachforen, 2 x im Jahr gibt es Netzwerktreffen, 3 x im Jahr die Auftaktveranstaltung zur Bildung von Erfolgsteams. Das ist ein Selbstcoachingansatz aus den USA nach Barbara Sher. Wir empfehlen Frauen-freundliche Stellen zur Weiterberatung, -bildung und -planung. Auch initiieren wir gemeinsam mit der Weiberwirtschaft ein jährliches Mentoring-Programm,

BW: Was ist das Motto der Gründerinnenzentrale in diesem Jahr?

AR: Es gibt empirische Untersuchungen über weibliche Angestellte, die nachweisbar 25 % weniger verdienen als die männlichen Kollegen. Bei den Selbständigen sind es sogar 34%.  Es bestehen große Defizite in Vermarktung, Akquise und Marketing. Deshalb lautet unser diesjähriges Motto: Frauen und Geld.

BW: Haben Sie einen Wunsch für die Gründerinnenzentrale?

AR: Mit unseren vier Teilzeitstellen sind wir an unsere Kapazitätsgrenzen gekommen. Schön wäre es, wenn wir unsere Projekte weiter ausbauen könnten. Ideen haben wir viele! Meine Zukunftsvision ist die, dass spezielle Angebote für Frauen nicht mehr notwendig sind, weil Frauen nicht mehr benachteiligt, sondern Männer und Frauen gleich behandelt und bezahlt werden.

Gründerinnenzentrale in der WeiberWirtschaft, Anklamer Straße 39/40, 10115 Berlin, 030-44 02 23 45, info@gruenderinnenzentrale.de

Theaterpreis Berlin 2011 an Almut Zilcher und das Gotscheff-Team

Der diesjährige Theaterpreis Berlin geht an die Schauspielerin Almut Zilcher und das Gotscheff-Team.

Der Berliner Theaterpreis wird seit 1988 alljährlich von der Preußischen Seehandlung gestiftet. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und zeichnet hervorragende Leistungen im deutschsprachigen Theater aus. Preisträgerinnen waren Jutta Lampe, Pina Bausch, Elfriede Jelinek, Anna Viebrock, Andrea Breth und Margit Bendokat. 2011 geht der Berliner Theaterpreis an die Schauspielerin Almut Zilcher (*1954) und das Team von Dimiter Gotscheff. Almut Zilcher hat am Mozarteum in Salzburg studiert und spielte am Volkstheater Wien, am Schauspielhaus Frankfurt/M., am Hamburger Thalia-Theater, am Schauspielhaus Bochum und aktuell am deutschen Theater Berlin und der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz.  Sie arbeitet eng mit ihrem Mann, dem Theaterregisseur Dimiter Gotscheff sowie mit Samuel Finzi und Wolfram Koch zusammen. Der Berliner Theaterpreis 2011 gilt dem Teamwork, der langjährigen gegenseitigen Inspiration und Bereicherung, und dem „Geben und Nehmen“ bei erfolgreichen Projekten.

Theaterpreis 2011