La Casa Entrada Nr. 2: Käthe Münzer-Neumann, verfolgte Malerin und Grafikerin (1877-1959)

La Casa entrada

Käthe Münzer-Neumann auf Berlin-Woman
Käthe Münzer-Neumann, Bildquelle: inselgalerie-berlin.de

In unserer neuen Serie stellen wir heute die jüdische Malerin Käthe Münzer-Neumann vor.

Eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm vor der Stadtsilhouette von Paris. Hände und Gesichtszüge sind in ihrer ganzen Zartheit festgehalten. Die Ernsthaftigkeit der Frau spiegelt sich auch im Ausdruck des Säuglings wider. Kein glückliches Mutter-Kindbild, sondern das Portraitdokument einer jüdischen Mutter zur Zeit der deutschen Besatzung in Paris. Schöpferin des Gemäldes ist die Malerin Käthe Münzer-Neumann (1877-1959). Die jüdisch stämmige Künstlerin überlebte in Paris im Untergrund. Danach fasste sie In Frankreich noch einmal Fuß, in Deutschland wurde die einst Erfolgreiche komplett vergessen.

Seit 1904 war Käthe Neumann auf dem internationalen Kunstmarkt präsent. Sie stellte auf der Großen Berliner Kunstausstellung, der Berliner Secession, den Kunstschauen des Vereins der Berliner Künstlerinnen und des Lyceum-Clubs aus. 1907 war sie mit 50 europäischen Künstler.innen auf der Ausstellung der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Kunst vertreten. Sie schuf Porträts, Landschaften, Stillleben und Genremotive, entwarf Plakate und zeichnete Karikaturen.

Mit ihrem modernen Naturalismus gehörte Käthe Münzer-Neumann zu den fortschrittlichen Vertreter.innen der deutschen Kunstszene. Die Impulse dazu hatte sie von ihren Lehrern, den Secessionisten Franz Skarbina und Max Uth an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen erhalten. Hier studierte sie um 1900, wie viele andere Künstlerinnen, die sich an der Vereinsschule das Rüstzeug für eine professionelle Karriere holten. Bis 1919 waren Frauen nicht zum Kunststudium an der Akademie zugelassen und von daher auf Alternativangebote wie das des Vereins der Berliner Künstlerinnen angewiesen. Dieser war übrigens der erste deutsche Berufsverband für Künstlerinnen und ein großartiges Netzwerk für professionell kunsttätige Frauen.

Von dort aus ging es für Käthe Münzer, die Dr. Jakob Neumann geheiratet hatte und nun einen Doppelnamen führte, nach Paris. Die Kunstmetropole war die Stadt der Künstlerinnen. Sie studierten seit Ende des 19. Jahrhunderts an den zahlreichen von modernen Künstlern geleiteten privaten Kunstschulen. Marie Bashkirtseff, Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz hatten es vorgemacht, Paris wurde Wegweiser für ihre großartigen Kunstkarrieren. So plante es wohl auch Käthe Münzer-Neumann, die sich zum Studium an der renommierten „Académie Julian“ bei Ernest Joseph Laurent und Edmond François Aman-Jean einschrieb.

Auf Studienreisen nach Warschau, St. Petersburg und Kopenhagen bildete sie sich weiter. Bislang ist noch nicht erforscht, wo sie mit ihrem Mann bis 1929 lebte. Im genannten Jahr war die Künstlerin wieder in Berlin ansässig und führte neben der freien Kunst Illustrations- und Karikaturaufträge für die Kunst- und Kulturzeitschriften: die Lustigen Blätter, die Jugend, das Narrenschiff und der Ulk aus. Dieser weitere Karriereschritt wurde mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 gestoppt. Um sich vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung zu schützen, emigrierte die Malerin nach Paris.

Doch auch hier fielen die Nationalsozialisten ein, besetzten Paris und zwangen die jüdisch Gläubigen, den sog. Judenstern zu tragen. Davon erzählt das bewegende Bildnis, das Käthe Münzer-Neumann um 1944 von der jungen Mutter mit ihrem Baby malte. In der gesamten Haltung der Portraitierten spiegeln sich Angst, Sorgen und Kummer, denn ihre Zukunft ist völlig ungewiss. Die Künstlerin muss diese Gefühle gekannt haben, sie überlebte die Besatzungszeit im Untergrund.

Nach 1945 schloss sich Käthe Münzer-Neumann den Netzwerken der Societé des Artistes Francais, der Societé Nationale des Beaux Arts,  des Salon d’Automne, des Salon des Indépendants und des Salon des Humoristes an und machte sich in Frankreich einen Namen. Deutschland hingegen vergaß ihre Kunst: Stadtansichten, Freilichtmalereien und Portraits, die nun auf Auktionen und in Privatbesitz zu entdecken sind. Die Rehabilitation dieser hervorragenden Malerin ist überfällig.

Das Bildnis von Käthe Münzer-Neumann wird in der Ausstellung „Fortsetzung folgt! 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen“, Camaro-Stiftung Berlin, 25.11.2016-24.03.2017 zu sehen sein. 

das Portrait auf der Website der Inselgalerie Berlin

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