Neue Themen, neue Serie. Berlin-WoMen: Felix Nussbaum (1904-1944 ermordet in Auschwitz)

Berlin-WoMen

Felix Nussbaum: Selbstbildnis mit Judenpass, um 1943, Felix-Nussbaum-Haus. http://www.osnabrueck.de/fnh/felix-nussbaum.html
Felix Nussbaum: Selbstbildnis mit Judenpass, um 1943, Felix-Nussbaum-Haus. http://www.osnabrueck.de/fnh/felix-nussbaum.html

Orlando, Nizza, Süddeutschland, die Türkei, die Geflohenen … die Ereignisse der letzten Monate und insbesondere Wochen haben uns sprachlos gemacht. Wie und was sollen wir in einer Welt berichten, in der die Werte wie Menschenwürde, Sicherheit, Gerechtigkeit und Demokratie dermaßen ins Wanken geraten sind. Was können wir dazu sagen? Aus diesem Grund haben wir uns zu einer Relaunch entschieden und unsere Themen noch einmal justiert. Wir schauen nun verstärkt auf Kunst- und Kulturveranstaltungen, die sich explizit mit den aktuellen Ereignissen befassen. Wir rücken die gesellschaftlichen Themen: Flüchtlinge, Geflohene und Migrant.innen in den Vordergrund. Daran anknüpfend wird unsere Serie Berlin-WoMen vorrangig betroffene Persönlichkeiten aus der Geschichte und Gegenwart vorstellen. Weiterhin werden wir die Politik der Geschlechtergerechtigkeit und der Freihandelsabkommen TTIP und CETA unter die Lupe nehmen. Und über Aktuelles für kreative und künstlerische Unternehmen berichten. Berlin-WoMan sagt: hold on und jetzt erst recht! Wir starten mit dem Berlin-WoMan Felix Nussbaum:

Felix Nussbaum (11.12.1904-ermodet ca. 20.09.1944 im KZ Auschwitz-Birkenau) ist ein großartiger Maler der Neuen Sachlichkeit in Deutschland. Der Lebensweg des jüdisch stämmigen Künstlers ist von Verfolgung durch die Nationalsozialisten, Migration, Flucht und Deportation geprägt. Der Erfolg des Künstlers bricht mit der Machtergreifung der Nazis ab, doch Nussbaum ist bis zur seiner Deportation nach Auschwitz schöpferisch tätig und malt Bilder von großer Ausdrucks- und Aussagekraft.

Felix Nussbaum stammt aus einer reformierten jüdischen Kaufmanns-Familie. Seine Eltern zeigen sich der künstlerischen Begabung ihres Sohnes sehr aufgeschlossen. Schon als Junge besitzt Felix Nussbaum ein eigenes Atelier im Elternhaus in Osnabrück. 1922/23 studiert er an der Hamburger Kunstgewerbeschule und 1923-1930 an der Lewin-Funke-Schule sowie der Kunstakademie Berlin. Seinen Meisterschüler macht er bei Hans Meid. Er lernt die polnische Malerin Felka Plaket kennen, das Paar zieht zusammen und wird auf der Flucht in Belgien 1937 heiraten.

Ende der 1920er Jahre kommt der Erfolg. Nussbaum hat Einzelausstellungen in der Galerie Casper, der Galerie Goldschmidt, der Galerie Wertheim, im Haus der Juryfreien in Berlin u.a. Auch stellt er in der Berliner Secession aus. Nach einer Studienreise nach Frankreich, wo er sich vor allem mit Van Gogh befasst, eröffnet er ein eigenes Atelier. 1931 dann der Durchbruch mit dem Gemälde „der tolle Pariser Platz“, auf dem er die schwarz gekleideten Kunsthonoratioren der Berliner Akademie gegen sich und seine Avantgardekollegen aufmarschieren lässt. Ein Jahr später werden 150 seiner Arbeiten durch ein Feuer zerstört. Nussbaum begibt sich als Stipendiat der Villa Massimo nach Rom und entwirft Titelblätter für das Magazin „der Querschnitt“. Infolge eines Streits verliert er das Stipendium vorzeitig.

Nussbaum kehrt nach Berlin zurück, doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten treibt ihn aus dem Land. Er lebt in Alassio (Italien), Frankreich und ab 1937 in Brüssel. Hier arbeitet er als freier Künstler, Handwerker, Glasmaler und Illustrator. Er stellt in Ostende und Amsterdam aus. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wird Felix Nussbaum 1940 von den belgischen Behörden in das südfranzösische Internierungslager Sait-Cyprien gebracht. Er kann fliehen und taucht mit seiner Frau in Brüssel bei einem Kunsthändler unter. 1944 wird er denunziert und am 02.08. nach Auschwitz deportiert. Dort stirbt er vermutlich um den 20.09. desselben Jahres.

Sein Hauptwerk entsteht in Brüssel. In meisterhafter neusachlicher Manier verleiht er seinen schrecklichen Erfahrungen ein Gesicht. Man sieht ihn als Gefangenen, als Verfolgten und als Künstler mit Judenpass. Große Kompositionen geben Szenen aus dem Lagerleben, den Triumphzug des Todes u.a. Schreckensszenarien wider. Surreal und doch so wahr! Nussbaums Gesamtwerk umfasst 456 Werke. 1998 wurde das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück eröffnet, das eine Sammlung von 200 Arbeiten beherbergt. Die Felix-Nussbaum-Gesellschaft e. V. in Osnabrück fördert die Erforschung und Bekanntmachung des Oeuvres dieses großartigen Künstlers, dessen Werke so gegenwärtig sind.

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