Frauen in Kultur und Medien, eine Studie des deutschen Kulturrats

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Auch wenn es für das 21. Jahrhundert seltsam klingt: Die Gleichberechtigung oder nun Geschlechtergleichheit hat sich immer noch nicht durchgesetzt. Davon betroffen ist z.B. der Kulturbereich, wie aktuell eine Studie im Auftrag des deutschen Kulturrats und der Kulturstaatsministerin Monika Grütters offenlegt. In Kultur und Medien verdienen Frauen 24 % weniger als ihre männlichen Kollegen und erlangen deutlich seltener Führungspositionen.  Gabi Helmchen und Carola Muysers haben nachgeschaut:

1,2 Mio Personen, also 3 % aller Berufstätigen in Deutschland arbeiten im Kultursektor. 40 % davon sind selbständig. Und man möchte meinen, dass gerade hier die Frauen gleichgestellt sind. Doch die Realität zeigt etwas anderes.

Das belegt die aktuelle Studie zur Geschlechtergleichheit, die den programmatischen Titel Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge trägt. Die hierfür getätigten Untersuchungen umfassen einen Zeitraum von 20 Jahren (1994-2014). Auf 500 Seiten wird festgestellt, dass sich die Situation der Frauen in Kultur und Medien zwar in einigen wenigen Bereichen, vor allem in der Ausbildung an den Universitäten verbessert hat. Doch insgesamt zeigt das Ergebnis, wie tief die patriarchalen Strukturen in der Berufspraxis verankert sind:

Sowohl der Verdienst als auch die Postenverteilung entspricht der gesamtgesellschaftlichen Situation: ¼ der in Galerien ausgestellten Werke stammen von einer Künstlerin. In den deutschen Kunstmuseen sind es 10-15 % Künstlerinnen. 85 % der Kino- und Fernsehfilme werden von Männern inszeniert, 73 % der Orchestermusiker sind männlich. An den Kunsthochschulen lehren 25,5 % Professorinnen Insgesamt verdienen die Frauen in der Kultur und Medienbranche durchschnittlich 24% weniger als Männer. In vielen Bereichen sind sie zwar in der Ausbildung und der Forschung tätig, aber nur wenige sitzen in Leitungsfunktionen und Gremien als Entscheidungsträgerinnen.

Die Studie schließt mit konkreten Vorschlägen, wie mehr Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden kann. Daran sollen sich alle beteiligen: Politik, Verwaltung, Kultureinrichtungen, Rundfunkanstalten, Fördereinrichtungen und Kulturverbände. Kulturstaatsministerin Grütters will einen „Runden Tisch“ ins Leben rufen, der die Chancengleichheit für Frauen vorantreiben soll. Eine wie auch immer geartete Quotenregelung wird es offenbar nicht geben. Spannend ist die Frage, wie sich der „Runde Tische“ mit dem Titel „Frauen in Kultur und Medien“ zusammensetzt: 50% Frauen und 50% Männer oder ganz innovativ 80 % Frauen und 20 % Männer.

Schlussbemerkung: Geschlechtergleichheit ist übrigens nicht etwas, das Männer den Frauen zugestehen, sondern das in der Verfassung verankert ist: Frauen und Männer sind gleichberechtigt!

Berlin-Woman wird den Fortschritt der angestrebten Geschlechtergleichheit weiter beobachten und darüber berichten.

Kulturrat

Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge von Gabriele Schulz, Carolin Ries, Olaf Zimmermann, Theresa Brüheim, Barbara Haack, Ruth Sandforth, Friederike Wapler,  ISBN 978-393-486841-0, 491 Seiten, 24,80 €, Berlin 2016

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