Kunstfestival: Kunst am Spreeknie 2016, ein Resumée mit Bildstrecke

Ausstellung

Spreeknie auf Berlin-Woman

Am 8.-17.07.2016 fand das Festival: Kunst am Spreeknie in Berlin-Niederschöneweide statt. Zum 9. Mal und an vielen verschiedenen Standorten der historischen Elektropolis an der Spree. So unterschiedlich die Orte, u.a. auf dem Gelände der ehemaligen Rathenauhallen, so unterschiedlich fielen die Positionen und Ausrichtungen der Ausstellungen und der offenen Ateliers aus. Wer sich hier auf den Weg machte – Berlin WoMan legte 7 km zurück – konnte in Malerei, Installation, Skulptur, Grafik, Collage, Fotografie und Medienkunst schwelgen. Hier unser Rückblick mit Bildstrecke:

Bildstrecke: Sigrid Weise, Anett Münnich, Sabatino Cersosimo, Francesco Petruccelli, Claudia Shneider, Artvivors, Martin Heinig, Wolfram der Spyra 

Mit den Rathenauhallen und der Kunst ist es das so eine Sache. Man braucht Geduld, denn ganz so einfach sind die Standorte trotz Plan nicht zu finden. Nur Kenner des Festivals Kunst am Spreeknie wissen sofort, wo in den Industrie- und ehemaligen Fertigungshallen rund um die Wilhelminenhofstraße in Berlin-Schöneweide Kunst zu finden ist. Aber das Entdecken ist ja ein Teil des Kunstevents. Der andere ist die absehbare Verdrängung der Kreativszene, die das Stadtviertel und das Industriegelände vor einigen Jahren „urbar“ gemacht hat.

Diesem Thema widmete sich die Hauptausstellung in der Zentralstation unter dem symptomatischen Titel „das archimedische Prinzip“, also das mathematische Prinzip der Verdrängung. Arbeiten auf und mit Papier, Objektkunst aus Recyclingmaterial, neue und ungewöhnliche Bildträger herrschten vor. Landkarten kommen zum Einsatz, wie z.B. in der Collage mit einer Flüchtlingsgestalt von Sigrid Weise oder als Papierschnitt von Straßen, Trassen und Wegen bei Anett Münnich. Beide Varianten rufen Gefühle von Unterwegs-Sein, Mobilität, Entwurzelung und Um-Verortung hervor – wohin? Ist die berechtigte Frage. Vielleicht zu Veränderung und Wandel: Bei Sabatino Cersosimo rosten Ölportraits von schönen asiatischen Männern und Frauen auf einer behandelten Stahlplatte dahin, während sich bei Francesco Petruccelli bekannte Bildnisse aus der Geschichte der Kunst in abstrakte mixed media Strukturen auflösen. Verletzbarkeit und Verletzungen, sonst im Verborgenen, zeigen sich „in ihrer ganzen Pracht“.

Wandlung gab es in der Leuchtenfabrik in den angrenzenden Spreehöfen, Edison 63. Hier schwebt z.B. eine riesige rotweißblau karierte Plastikwolke an der Decke. Geformt ist sie aus den typischen überdimensionalen Plastiktaschen, die seit Jahrzehnten als internationale Shopping-Behälter dienen und die Claudia Shneider zum monströsen Symbol von Umweltverschmutzung und Konsum aufgeblasen hat. In Tagen wie diesen würden sie sich bestens für die Flucht eignen …

Ein krasses Recycling auch bei den Artvivors in der experimentellen Gemeinschaftsausstellung auf dem Rathenaugelände. Sie rückten gleich der ganzen Kunst auf den Leib. Hunderte von bemalten Leinwänden sind gestapelt, quer durch den Raum arrangiert und gruppiert und in Türmen aufeinander gepackt. Buchstäblich liegen die Motive am Boden oder stehen mit dem Gesicht zur Wand. Sie sind zu Raumakrobaten geworden.

Doch dann ruft die Werkschau von Martin Heinig die Malerei doch wieder auf den Plan. Riesenbildnisse von weißen und farbigen Wesen und Erscheinungen – eingebettet in pastose Farbstrukturen, versteckt unter Tattoos, Hautbemalung und -bleiche, eingesperrt in weiße Ballons. Verstörend prachtvolle Gegenbilder aus einer kürzlich vergangenen Zeit.

Mit Sound, Video und Neon forderte die Medienkunstausstellung im völlig abgedunkelten Club Weyde an der Spree noch mal andere Sinne heraus. Wer dorthin gefunden hat, konnte z.B. die Installation des international gefeierten Klangkünstlers Wolfram der Spyra erleben. Und sich klar machen, dass Sound, Licht, Materialien und Raumgestaltung ganz schön viel Kunst machen.

Wir, jedenfalls, freuen uns schon auf das 10. „Kunst am Spreeknie“.

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