Berlin-Women: Anna Dorothea Therbusch (23.07.1721-09.11.1782)

Berlin-Women

 

Anna Dorothea Therbusch, Selbstportrait, 1761. Quelle: Franzes Borzello: Wie Frauen sich sehen - Selbstbildnisse aus fünf Jahrhunderten; S.72. File: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Anna_Dorothea_Therbusch_-_1761.jpg
Anna Dorothea Therbusch, Selbstportrait, 1761. Quelle: Franzes Borzello: Wie Frauen sich sehen – Selbstbildnisse aus fünf Jahrhunderten; S.72. File: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Anna_Dorothea_Therbusch_-_1761.jpg

Anna Dorothea Therbusch ist neben Angelika Kauffmann die berühmteste deutsche Rokokokünstlerin. Sie malte zahlreiche Herrscher- und Adeligenportraits, Selbstbildnisse und Allegorien, deren unprätentiöser Stil heraussticht. Therbuschs einzigartige Karriere entwickelte sich zwischen Berlin, Stuttgart, Paris und Wien. Gestern jährte sich ihr Geburtstag zum 295. Mal.

Anna Dorothea Therbusch, geborene Anna Dorothea Lisiewska (23.07.1721-09.11.1782) ist eine der bekanntesten Rokokomalerinnen und eine wirklich außergewöhnliche Künstlerin. Der künstlerische Werdegang war ihr in die Wiege gelegt. Therbusch stammt aus der polnischen Künstlerfamilie Lisiewski und erhielt wie ihre Schwester Anna Rosina und ihr Bruder Christoph Friedrich Unterricht – beides später erfolgreiche Künstler – beim Vater Georg Lisiewski.

Während ihrer Ehe, die sie 1742 mit dem Berliner Gastronom Ernst Friedrich Therbusch schloss und mit dem sie 7 Kinder haben sollte, blieb nicht viel Zeit für die Kunst. Doch dann wurde Dorothea Therbusch mit 40 Jahren an den Stuttgarter Hof berufen, um den Spiegelsaal des neu erbauten Schloss mit 18 dekorativen Motiven auszumalen. Aus dieser Zeit stammt ihr Selbstportrait mit Palette und Spitzen-Negligé, das ihr Talent zu ungewöhnlichen und eindrücklichen Darstellungen beweist. Das Thema hier: die Künstlerin als verführerische Hofdame und Hofmalerin. 1762 wurde sie als erste Frau zum Ehrenmitglied der Stuttgarter Académie des Arts ernannt, und 1764 folgte ihre Berufung zur Hofmalerin von Kurfürst Karl Theodor in Mannheim. Das Portrait, das Therbusch von ihm malte, kombiniert Status und deutlich erkennbare Charakterzüge zu einem neuen Bildnisstil.

In Mannheim erfuhr Dorothea Therbusch von der Pariser Académie des Beaux-Arts. Gepackt von der Idee, sich dort für eine Mitgliedschaft zu bewerben und die Vorteile als Akademiekünstlerin auszuschöpfen, reiste die Malerin nach Paris. Das Resultat war eine lange Auseinandersetzung mit der komplett männlich besetzten Akademiejury, die Therbusch die Autorschaft ihrer eingereichten Kunstwerke nicht zutrauten. Nach einigem Hin und Her wurde ihr prachtvolles Nachtstück Junger Mann mit einem Glas als Aufnahmestück akzeptiert. In Paris blieb der erwartete Ruhm aus. Die Malerin hatte sich mit dem berühmten Kunstschriftsteller und -kritiker Denise Diderot angefreundet. Er stand ihr für ein Aktbild Modell. Das war ein Skandal.

Dorothea Therbusch brach ihre Pariser Zelte ab und wandte sich an die Wiener Akademie. 1768 erhielt sie die Ehrenmitgliedschaft, ihr Aufnahmestück war das Portrait des Landschaftsmalers Jakob Philipp Hackert. Ein Jahr später ging es zurück nach Berlin. Nun etablierte sie sich als Portraitmalerin von Friedrich II., der russischen Zarin und des europäischen Adels. Gemeinsam mit ihrem Bruder führte sie ein Atelier auf der Hauptstraße Berlins: Unter den Linden.

Dorothea Therbusch starb im Alter von 61 Jahren, ihr Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Die Malerin hat 200 Werke hinterlassen. Darunter auch das Selbstportrait aus ihrem Sterbejahr, auf dem sie sich weise und unerschütterlich mit Buch und Augenglas präsentiert. Therbuschs Bilder befinden sich im Neuen Palais, im Schloss Sanssouci in Potsdam, in der Berliner Gemäldegalerie, im Staatlichen Museum Schwerin, in den Mannheimer Museen und im Düsseldorfer Schloß Benrath.

Happy birthday, Dorothea!

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