Berlin-Women: Unica Zürn, Surrealistin (06.07.1916-19.10.1970)

Berlin-Women

Unica Zürn, Bildquelle: https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=31781145
Unica Zürn, Bildquelle: https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=31781145

Die Berlin-Woman, Unica Zürn, mit bürgerlichem Namen: Nora Berta Ruth Zürn (06.07.1916-19.10.1970) ist eine deutsche Schriftstellerin und Grafikerin. Ihr Werk zählt zum Surrealismus. Die Künstlerin ist eine der ganz wenigen deutschsprachigen Surrealistinnen. Als solche muss sie noch tüchtig gewürdigt werden. Am 06.07. jährte sich Zürns Geburtstag zum 100. Mal.

Unica Zürn wurde in Berlin geboren. Nach der Schule war sie bei der UFA tätig, wo sie sich 1934-42 von der Sekretärin, über die Cutterin zur Dramaturgin von Werbefilmen hocharbeitete. 1942 heiratete sie und gründete eine Familie. Doch die Ehe mit Erich Laupenmühlen zerbrach, die Scheidung folgte 1949. Unica Zürn hatte sich für ein künstlerisches Leben entschieden. Zunächst wandte sie sich der schriftstellerischen Arbeit zu und veröffentlichte Hörspiele und belieferte Berliner Zeitungen mit Märchen und Geschichten. In dieser Zeit unterhielt sie Kontakt zum Berliner Künstlerkabarett „die Badewanne“ und hatte eine Liebesbeziehung mit dem Maler Alexander Camaro.

1953 kam es auf einer Vernissage in der Galerie Rudolf Springer zur schicksalhaften Begegnung mit dem surrealistischen Künstler Hans Bellmer. Das Paar zog zusammen, lebte abgeschieden in einem Pariser Hotel und focht 17 Jahre lang eine Beziehung aus, die von psychischen Erkrankungen und einer exzentrisch-besessenen Kunsttätigkeit bestimmt war.

Unter dem Einfluss der Surrealisten und Avantgardisten entdeckte Unica Zürn die Ecriture automatique. Sie begann zu zeichnen, Anagramme zu verfassen und ihre Werke auszustellen. 1954 erschienen ihre ersten Anagramm-Gedichte unter dem Titel: Hexentexte. Derweil arbeitete Hans Bellmer mit Puppen, die er deformierte und dekonstruierte, um sie zeichnerisch, fotografisch und in Collagen umzusetzen. Ebenso schnürte, forotgrafierte und malte er Unica Zürn.

Das Unterbewusste, Verrückte war Thema der Surrealisten, mit denen das Paar im Austausch stand. Hier konnte es seine psychisch-kreativen Grenzüberschreitungen ausleben und  in eine künstlerische Form bringen. Zeit ihres Lebens war Unica Zürn zwischen der eigenen Kunst und der Rolle als Partnerin eines Extremkünstlers hin- und hergerissen. 1959 stellte sie ihre Arbeiten auf der documenta in Kassel vor, 1967 hatte das Paar eine große Ausstellung in Hannover.

In den 1960er wurde bei der Künstlerin eine paranoide Schizophrenie diagnostiert, die sie immer wieder zu Krankenhaus-Aufenthalten zwang. Als sich Bellmer von Zürn trennen wollte, beging diese Selbstmord.

Zürns literarisches Werk, darunter: Der Mann im Jasmin, Eindrücke aus einer Geisteskrankheit, Notizen einer Blutarmen, Erdachte Briefe, ist autobiografisch geprägt und fragmentarisch. Es zirkuliert um ihre Liebesbeziehungen und ihre Krankheit und ist wie aus Traumtänzereien und grausamen Visionen gewebt. Noch ist die Künstlerin nicht als Vollblut-Surrealistin, die sie tatsächlicg war, anerkannt. Einen Schritt hat in diesem Jahr die Camaro-Stiftung getan und Arbeiten aus den 1940er bis 60er Jahren von Unica Zürn in der Dreierkonstellation mit Hans Bellmer und Alexander Camaro gezeigt. Berlin-WoMan hofft auf Fortsetzungen!

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.