Berlin-Women: Rita Preuss, Malerin 31.10.1924-11.06.2016

Berlin-Women

Rita Preuss, Selbstportrait 1958, Bildquelle: http://www.kuenstlersonderbund.de/mitgl_preuss.htm
Rita Preuss, Selbstportrait 1958, Bildquelle: http://www.kuenstlersonderbund.de/mitgl_preuss.htm

Die Künstlerin Rita Preuss (31.10.1924-11.06.2016) ist eine echte Berlin-Woman. Sie malte Portraits, Selbstportraits, Landschaften, Stillleben, Interieurs, sie zeichnete und schuf zahlreiche Kunst am Bau-Werke. Rita Preuss könnte man als Realistin bezeichnen, doch entdecken wir ebenso surrealistische und kubistische Elemente in ihrer Kunst. Sie wirken ungezwungen und keinem Dogma sondern nur dem eigenen Stil verpflichtet. Jetzt ist die Malerin, die Meisterschülerin von Max Pechstein war, im Alter von 91 Jahren gestorben. Sie hinterlässt ein umfangreiches Werk, Arbeiten von ihr befinden sich u.a. in der Berlinischen Galerie und im Berlin Museum.

Rita Preuss gehört zu der Künstlerinnengeneration, deren Karriere nicht gerade durch die historischen Umstände begünstigt wurde. In der Nazizeit machte sie eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin bei Siemens, um parallel dazu Zeichenunterricht im Atelierhaus Klosterstraße bei Max Stopp zu nehmen. 1946-52 studierte sie dann an der HdK Berlin (heute UdK) bei Maximilian Debus, Ernst Fritsch, Robert Huth und machte ihre Meisterschülerin beim berühmten Brückemaler Max Pechstein. Damals waren Frauen an der Kunstakademie eine Rarität. Rita Preuss hingegen ging gleich auch noch eine Ateliergemeinschaft mit dem Künstler Ernst Schroeder am Bundesplatz ein.

1956 wurde sie Mitglied im BBK Berlin, 1958 Mitglied der Künstlergruppe „der Ring“. Stipendien und weitere Mitgliedschaften, u.a. in der GEDOK, der Künstlergilde Esslingen und dem Künstlersonderbund folgten. Und ein zweites künstlerisches Geschäftsfeld: die Kunst am Bau, von der Wandgemälde, Reliefs und Mosaiken vor allem im Berliner öffentlichen Raum zeugen. Ein Highlight ist der Eingangsbereich der Synagoge in der Herbartstraße in Berlin-Charlottenburg.

Frei entstanden Landschaften, Stillleben und Portraits, darunter die bemerkenswerte Figurengruppe der „Dienstagskreis“ von 1959, die in farbiger, collageartiger Flächigkeit das regelmäßige Treffen ehemaliger Kommilitonen der HdK Berlin bei der Malerin zuhause dokumentiert. Der Boden mit dem Teppich ist hochgeklappt und schiebt den gesamten Raum in die Fläche – ein spannend komponiertes Figurenbild am Beginn der Moderne nach 1945! Rita Preuss wählte ungewöhnliche Modelle: Punks, Hausbesetzer und ihren Mann Bruno Wellmann auf dem Sterbebett als sehr eindrückliche Serie zum Thema Krankheit und Tod.

Auch sich selbst stellte sie in vielen Variationen und unverhohlen dar: In ihrer Dreierrolle als Ehefrau, Malerin und angewandte Künstlerin, als Kranke mit Atemgerät, als Witwe und als Künstlerin in der dritten Lebensphase, die sich den Kochtopf wie viele ihrer Hüte auf den Kopf setzt und sich mit der Hauptsache: den Pinseln zum Malen umgibt. In Ihren Stillleben kombiniert sie anachronistische Dinge: Ein Autowrack mit darin nistenden Küken, schönen und abscheulichen Trödel, Dinge in einer Abstellkammer, Pelze vom aufgelösten Geschäft ihres Ehepartners, ein Arbeiterfrühstück mit Stullen und Metermaß. Prachtvoll gemalte Pyramiden, gebildet aus Obst und Blumen, aus Stoffen, Kleidern, Accessoires und Hüten sind die Reminiszenz der Künstlerin an Genuss und Luxus.

1985 wurde Rita Preuss Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen (VdBK 1867 e.V.), seit 1990 wirkte sie im Vorstand mit. 2000 erhielt sie den Hannah Höch-Preis für ihr Lebenswerk, stellte in der Berlinischen Galerie, im Schloss Babelsberg, im Museum Nicolaikirche und im Willy Brandt-Haus aus.

„Ich wollte eine Form finden, in der sich das Abstrakte mit dem Realistischen verbindet. Insofern hat der Kubismus für den Kompositionsaufbau eine Rolle für mich gespielt. Ich fange sehr realistisch an, und dann dezimiere ich. Und dann merke ich plötzlich: Da musst du hin“ beschrieb die Künstlerin ihren Ansatz (in einem Gespräch mit Dominik Bartmann). In dieser Konsequenz hat Rita Preuss eine Künstlerinnenkarriere mitsamt einem bemerkenswerten Oeuvre an Auftrags- und freier Kunst gemeistert.

Der Verein der Berliner Künstlerinnen e.V. wird 2017 sein 150-jähriges Jubiläum begehen und veranstaltet dazu eine Ausstellungsserie zu seinen historischen und heutigen Mitgliedern.

weitere Bilder auf der Website von Rita Preuss

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