SATTisfaction in der SATT-Zentrale, 48 Stunden Neukölln, 24.-26.06.2016 mit Bildstrecke

Ausstellung

SATT Zentrale, 48 Stunden Neukölln 2016
SATT Zentrale, 48 Stunden Neukölln 2016 ©Berlin-Woman

Wer das VOLLGUTLAGER auf dem Gelände der ehem. Kindlbrauerei entdeckt, kann zur Zeit eine große, schicke Halle mit 30 künstlerischen Positionen zum Thema SATT besuchen. SATTisfaktion heisst die zentrale Ausstellung des diesjährigen Kunstfestivals 48 Stunden Neukölln, das jetzt und bis Sonntag stattfindet. Präsentiert wird die Ausstellung von der Wohnbauten GmbH STADT UND LAND. Sie bezieht alternative Wohn- und Arbeitsformen in ihre Hauskonzepte mit ein, denn sie hat kapiert: Eine/r in der Familie gehört immer zu den Kreativen und Künstler.innen. Und die sehen die Dinge halt anders!

Bildstrecke: Barbara Duisberg: Tafel. Frauenmuseum e.V.: Konkurrenz. Margret Holz: Sattsam mit Performance. Transstruktura: Dom. Christina Paetsch: Kühlturm. Uli Westphal: Supernatural. Carolin Koch: Hirn meldet Hunger. Susanne Platte: Welches Essen haben wir satt. ©Berlin-Woman

Das Thema des Kunstfestivals 48 Stunden Neukölln „Satt“ und seiner Hauptausstellung „SATTisfaction“ im Vollgutlager der ehem. Kindlbrauerei trägt so einiges dazu bei. Es erzeugt ein Gefühl der Fülle und des „Genugs“: 

Mitten drin in im Vollgutlager ein golden gedeckter Tisch von Barbara Duisberg. Auf der „Tafel“ steht feines, Alltags- und Pappgeschirr und -besteck. Einladend überzogen mit einer Goldschicht, aber leer. Etwa schon gegessen? Hinter dem schönen Schein steckt der Name der gemeinnützigen Organisation, die unsere abgelaufenen und weggeworfenen Nahrungsmittel an Bedürftige weitergibt.

Richtig satt essen kann man sich beim Frauenmuseum e.V. Die Künstlerinnen Carolin Armand, Andrea Golla, Rachel Kohn, Annette Selle, Anja Sonnenburg und Regina Weiss haben Worte, die wir „satt haben“ in eine essbare Form gebracht. Da gibt es den DAX in weißer und schwarzer Schokolade, die DROHNE als brausegefülltes Ufo, das ZEITNAH als tic tac auf Mürbeteig, die KINDERARBEIT als Kaffeebohnen in Schokolade. Die NAZIS als Lakritz- und Erdbeerschnüre gehen sofort weg. Und TTIP als Schaumzuckertiere, lecker! Mit diesem Genuss werden uns diese durch Politik, Wirtschaft und Medien lancierten Negativbegriffe noch einmal bewusst in den Mund gelegt. Mehr davon!

Sattsam ist ein Spaltungswort. Die Bildhauerin Margret Holz hat es als Druck und Projektion in ihre minimalistische Installation integriert, die einen Raum aus dünnen Metallträgern bildet. Es ist sattsam bekannt, dass es Vorurteile gegenüber Flüchtlingen gibt, lautet der Satz ihres dreidimensionalen Manuskripts. Ihm widmet sie ihre Performance, bei der sie weißschwarze Stäbe in den Innenraum der Skulptur plaziert. Es kommen wohl noch mehr hinzu, denn das unbekannte Manuskript, wie Margret Holz ihre plastische Arbeit nennt, ist nimmersatt.

Transstruktura, die Architektengruppe mit Andreas Heim, Viktor Hoffmann, Wiebke Lemme, Nataliya Sukhova, Anna Tscherch lädt uns in einen Dom ein. Der besteht aus ineinandergebauten begehbaren Flaschencontainern. Der reine und nicht sonderlich schöne Nutzgegenstand wird zum Schutzraum, zur temporären Unterkunft, zum Spiel- und Rückzugsort. Licht fällt durch die Einwurflöcher und verwandelt den Abfallcontainer in einen sakralen Wunderraum. Leergut sei Dank!

Von ähnlicher Schönheit, aber mit schaurigem Inhalt ist der Kühlturm von Christina Paetsch. Die dazu aufgebauten, offenen Kühlschränke beinhalten normierte Nahrung, von Schokoküssen über Würstchen, Fertigtorten, normiertes Gemüse und Obst bis hin zu Geflügel und Sahne. Da kann einem schon mal schlecht werden. 1/3 der nicht angepassten Nahrungsprodukte landet nicht in unseren Mägen, sondern auf dem Müll. Und der Rest ist plastik- und pestizidverseucht und und konserviert. Danke, ich bin schon satt!

Diese Scheinwelt der Nahrungsmittelindustrie ist auch Thema bei Uli Westphal. Der Künstler hat Verpackungsmotive der deutschen und amerikanischen Lebensmitteldiscounter kopiert, gespiegelt und ineinandergesetzt. Das Ergebnis sind Mandalas utopischer, ja absurder Landschaften, in denen doch nichts mehr richtig satt machen kann.

In Neonorange erklärt Carolin Koch mit Hirn meldet Hunger die einzelnen Schritte, die die Nahrung vom ersten Bissen bis zur Ausscheidung zu gehen hat. Da ist ganz schön was los, bis wir satt sind. Carolin hätte gerne auch noch was auf der Toilette installiert, erzählte sie. Was wir Schauderhaftes in uns hineinstopfen und welche Jobs wir damit schaffen, zeigen die großformatigen Gemälde von Susanne Platte in wunderbarer Malerei und poppigen Farben.

Hm, da weiß man doch nicht, soll man kotzen oder sich sattsehen?

SATTisfaction, Satt Zentrale, „48 Stunden Neukölln“, Vollgutlager der ehem. Kindl-Brauerei, Rollbergstr. 26, 12053 Berlin-Neukölln, 24.-26.06.2016, Öffnungszeiten: Sa 11:00-So 02:00 Uhr, So 11:00-19:00 Uhr.

48 Stunden Neukölln 2016 auf Berlin-Woman

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