Magic Places of Berlin-WoMen: das Brückemuseum mit Karl Schmidt-Rottluff „Bild und Selbstbild“

Ausstellung

Karl Schmidt Rottluff auf Berlin-WoMan

Magische Orte der Berlin-WoMen: Das Brückemuseum liegt umgeben von Kiefern und Birken in Berlin-Dahlem. Es wurde 1967 auf Anregung des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff erbaut. Seitdem bietet es Raum für die Werke einer der wichtigsten Künstlergruppen des 20. Jahrhunderts überhaupt: die Brücke. Hier befinden sich die weltweit größte Kunstsammlung der Brücke-Künstler und der wichtigste Bestand an Arbeiten von Schmidt-Rottluff. Wir haben das Brückemuseum und die aktuelle Ausstellung „Karl Schmidt-Rottluff. Bild und Selbstbild“ besucht.

 

Allein das Brückemuseum ist den Besuch wert! Das bungalowartige Gebäude schmiegt sich in die grünen Ausläufer des Grunewalds. Und kontrastiert dazu mit seinen klaren weißen Formen. Die Außen- und Innengestaltung wirkt In ihrer Schlichtheit asiatisch. Die vier offenen, weiß gehaltenen Räume des Ausstellungsbereichs und das Foyer sind um einen Innenhof gruppiert. Die würfelförmigen Sitzmöbel mit dunklem Lederpolster erinnern an die selbstgeschnitzten Möbel der Brücke-Künstler in ihren Wohnateliers.

Karl Schmidt-Rottluff (01.12.1884-10.08.1976) ist einer der Gründer der Brücke, neben dem blauen Reiter, die wichtigste expressionistische Künstlervereinigung des frühen 20. Jahrhunderts. 1905 in Dresden gegründet und bald zu einer Art Kunstverein mit 68 Passivmitgliedern herangewachsen, existierte sie bis 1913. Die Brückemaler arbeiteten in leerstehenden Ladenlokalen, sie lasen Nietzsche und Walt Whitman und wandten sich gegen die akademische Kunst- und Lebensauffassung des Wilhelminischen Kaiserreichs. Mit ihren knallige Farben, eckige Formen, schrägen und vereinfachten Perspektiven von Szenen und Portraits aus gesellschaftlichen Randgruppen machten sie endgültig Schluss mit dem idealisierten Menschenbild.

Karl Schmidt-Rottluff gehörte zu den konsequentesten unter ihnen. Vorrangig in abgeschiedenen Gegenden an der Ostsee und in Dangast an der Nordsee entwickelte er einen eigenen, kraftvollen Stil. Farbenprächtige, flächige und stark konturierte Landschaften, Akte und Portraits entstanden. Der Maler schloss sich weiteren wichtigen Künstlergruppen, wie dem „blauen Reiter“, dem „Sturm“ oder der „Aktion“ an. 1911 zog er nach Berlin und wurde 1931 Mitglied der Akademie der Künste. Dann der grausame Eingriff in sein Schaffen durch die Nationalsozialisten mit Ausstellungs- und Malverbot, Beschlagnahmung von über 600 seiner Arbeiten in öffentlichen Sammlungen und der Zurschaustellung seiner Kunst in der Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937. Schmidt-Rottluff zog sich zurück, arbeitete im Geheimen weiter und wurde nach 1945 in der BRD rehabilitiert. Es folgten eine Professur an der HdK (jetzt: UdK) Berlin, Ehrungen und Preise.

In der aktuellen Ausstellung „Karl Schmidt-Rottluff. Bild und Selbstbild“ im Brückemuseum sehen wir, was expressionistische Malerei alles sein kann. Sie beginnt mit dem Selbstbildnis aus der Zeit der Brückegründung, 1906, das in sprühenden, pastos aufgetragenen Farben brilliert. Die Augenbrauen sind türkisblau, die Haut mit grünblauen Schatten versehen. Sie mündet in Schmidt Rottluffs Selbstbildnis im Atelier von 1950. Sein Bart ist hellblau, Haar und Augen sind gelb gehalten und die Stirn lila verschattet. Diese freie, plakative Farbigkeit erinnert doch glatt an die Pop Art, die damals noch gar nicht erfunden war. Die Bilder der Ausstellung sind wie Stationen von Rottluffs bewegter (Kunst)Geschichte. Da ist die Kunsthistorikerin Rosa Schapire auf ihrem expressiven Portrait von 1911. Schapire hatte die Brücke-Künstler maßgeblich unterstützt, was man der resoluten bunten Dame mit großem Blumenhut sofort abnimmt. Wildfarbige Portraits aus den 1920er Jahren zeigen die „neuen Frauen“ mit modischen Bubiköpfen, Topfhüten und Shawls. Emy, die Ehefrau des Malers ist ebenfalls darunter, sie sollte sein meistgemaltes Modell werden. Sehr berührend schließlich „das offene Fenster“ von 1937, dem Jahr der Verfehmung. Ein Windstoß hat das grün gerahmte Fenster aufgestoßen, rosa und zartblau flattern die Gardinen, ein Blumenstock mit tiefroten Blüten schlängelt sich empor. Das Bild ist surrealistisch, romantisch, expressiv und kubistisch, es eint alle Stilrichtungen der Moderne in sich. Und es scheint zu sagen: Die Malerei lebt, egal, was passiert!

Karl Schmidt-Rottluff, Bild und Selbstbild, Brücke-Museum Berlin, Bussardsteig 9, 14195 Berlin, Mi-Mo 11-17:00 Uhr, 6/4 €, bis 26.06.2016

 

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