World-Women: Eva Hesse (11.01.1936-29.05.1970)

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Eva Hesse (11.01.1936-29.05.1970) ist eine US-amerikanische Künstlerin mit deutsch-jüdischen Wurzeln. Sie gilt als Revolutionärin der Bildhauerei in den 1960er Jahren. Hesse arbeitete mit Polyester, Naturkautschuk und Schläuchen. Die Kunstgeschichte ordnet sie der Prozesskunst und der Arte Povera zu. Sie selbst meinte: „Ich habe Schnüre einfach aufgehängt, ich habe ihnen freien Lauf gelassen. Nicht geplant, nicht geometrisch, nicht Kunst. Nicht nichts.“ Eva Hesse steht im Mittelpunkt des aktuellen Dokufilms von Marcie Begleiter, den wir gerade besprochen haben. Heute erinnern wir noch einmal an die Künstlerin, die genau vor 46 Jahren an einem Gehirntumor starb.

 

Eva Hesse stammt aus einer jüdischen Rechtsanwaltsfamilie in Hamburg. Die Machtergreifung der Nazis 1933 bedeutete eine tiefe Zäsur für das Schicksal aller Familienangehörigen. Die Großeltern wurden deportiert und im KZ ermordet, die Eltern schickten die zweijährige Eva zusammen mit ihrer fünf Jahre alten Schwester Helen auf einen Kindertransport nach Holland. Sie kamen in einem katholischen Kinderheim in Rijswijk unter, 1939 gelang der Familie über England die Migration in die USA. 1945 ließen sich Hesses Eltern scheiden, 1946 beging die an Depression erkrankte Mutter, der das Sorgerecht aberkannt worden war, Selbstmord. Diese Traumata prägten Hesses Leben, und ihre unbändige kreative Arbeit versteht sich als Versuch, das Erlebte zu verarbeiten.

Eva Hesse studierte Ende der 1950er Jahre Malerei an der Cooper Union in New York und der Yale School of Art and Architecture. Sie wurde eine Lieblingsschülerin des Bauhauskünstlers Josef Albers. In abstrakten Zeichnungen und Gemälden erschloss sie sich die Dimensionen des freien Arbeitens, die sie kurze Zeit darauf in ihrer Bildhauerei vollends auslebte. 1961 heiratete sie den Bildhauer Tom Dolye, mit dem sie eine leidenschaftliche und Konkurrenz betonte Beziehung führte.

1964/1965 erhielten beide Künstler ein Artist-in-Residence-Stipendium beim Sammlerehepaar Friedrich Arnhard Scheidt in Essen-Kettwig an der Ruhr. In der Tuchfabrik des Fabrikanten fertigte die Malerin zunächst Konstruktionszeichnungen an, dann begann sie mit Metallresten und -drähten, Fiberglas und Latex zu experimentieren. Reliefs kündigten die dreidimensionale Arbeit an. Das Paar stellte im Kunstverein Düsseldorf aus, und Eva verkaufte erste Werke.

Zurück in New York wandte sie sich der Skulptur zu und verarbeitete Naturkautschuk, Glasfaser, Polyester, Schläuche und Schnüre. Während Hesses Partnerschaft unter dem Konkurrenzdruck zerbrach, wurde die New Yorker Kunstszene zunehmend auf ihr Werk aufmerksam. Zwischen der Pop Art von Rob Rauschenberg und Andy Warhol und ihrem Gegenpol, der Minimal Art von Donald Judd, Carl Andree, Richard Serra und Sol Lewitt behauptete sich ihre experimentierfreudige und raumgreifende Bildhauerei. So umwickelte sie für „Hang up“ (1966) einen Bilderrahmen ganz eng mit einem blauem Bettlaken und versah ihn mit einer verbogenen Eisenstange. Für „Repetition Nineteen“ (1968) formte sie mit der Hand Kuben aus Polyesterharz. In diesen absurd-schönen Werken revolutionierte sie ganz nebenbei die Auffassung von Skulptur und Bildhauerei. Und folgte damit dem Rat ihres guten Freunds Sol Lewitt, der gesagt hatte: “Just DO!”

Eva Hesse hatte nur wenige Jahre, in denen ein umfassendes Oeuvre entstand. Im Alter von 34 Jahren starb sie an einem Gehirntumor. 1972/73 hatte sie eine Retrospektive im Solomon Guggenheim Museum, sie war postum auf der Kasseler documenta 5 (1972) und 6 (1977) vertreten und wird seitdem auf angesehenen internationalen Kunstschauen präsentiert. Werke befinden sich u.a. im Moma, in der Tate Modern und im Guggenheim Museum.

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