Kino mit Sabeene: von drei schönen Filmen „Eva Hesse“, „A bigger Splash“ und „Junges Licht“

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Eva Hesse auf Berlin-Woman

Unsere Literatur- und Filmexpertin Sabeene hat sich viel in den Berliner Kinos herumgetrieben. Verrisse sind nicht ihre Art, sie empfiehlt lieber Streifen, die sich lohnen: Den Dokumentarfilm „Eva Hesse“ und die beiden Spielfilme: „A bigger Splash“ und „Junges Licht“. Sabeene übernehmen Sie!

Von drei schönen Filmen möchte ich berichten:

Nr.1 „Eva Hesse“, Dokumentarfilm.

Eva Hesse ist eine jüdische Künstlerin die als Kind aus Deutschland flüchten konnte, mit ihrer Schwester als einzige der Familie überlebt und in den USA in den 1950er Jahren sehr spannende Kunst gemacht hat. Obwohl sie bereits im Alter von 34 Jahren starb, hat sie ein beeindruckendes Oeuvre an Werken hinterlassen, welches sehr avantgardistisch wirkt. Das zeigt diese berührende Dokumentation mit Hilfe von Tagebuchaufzeichnungen der Künstlerin und vieler Zeitgenossen, die sehr wertschätzend von ihr sprechen. Mir half der Film, die New Yorker Kunstszene dieser Zeit Jahre ein bisschen besser zu verstehen. Der Film läuft schon eine ganze Weile in den Kinos, wer Interesse hat, soll sich beeilen. Aber er kommt ganz sicher auch ins Fernsehn, 3 SAT oder ARTE.

Nr. 2 „A bigger Splash“, Spielfilm.

Ich kennte das Vorbild „Swimmingpool“ von 1969 mit Romy Schneider und Alain Delon nicht, es interessiert mich nun aber. Das Remake mit Tilda Swinton ist wirklich SCHÖÖÖN, sehr artifiziell, alles perfekt (perfekte Menschen in perfekten Körpern bzw. Kleidern beim perfekten Nichtstun) von der Spielerei über die Musik bis hin zur wundervollen italienischen Landschaft, in der sich die High Society tummelt. Ich fand den Film etwas sehr glatt; doch Verrisse gibt’s bei mir nicht. Gefallen hat mir, dass er Fragen aufwirft…aber so richtig gepackt hat es mich nicht. Der Streifen ist mehr wie ein ästhetisches Bilderbuch, dazu ein Gläschen Weißwein (hatte mir meine Begleitung spendiert), und dann radelten wir beschwingt nach Hause.

Richtig begeistert hat mich Nr. 3 „Junges Licht“, Spielfilm.

Eine 1960er Jahre Ruhrpott-Studie von Adolf Winkelmann nach dem Roman von Ralf Rothmann. Den Roman kenne ich nicht. Das Ganze ist liebevoll inszeniert in wechselnden Schwarzweiß- und Farbbildern. Es geschieht nichts Weltbewegendes, viel Alltag, Zechenleben über und unter Tage. Mit den Augen des 12jährigen Sohnes – der übrigens ganz hervorragend von Oskar Brose gespielt wird – sehen wir das Kleine-Leute-Leben der BRD, aber auch die Imposanz der Kohle- und Stahlindustrie. Der Film plätschert so dahin und zeigt dabei sehr realistisch die Atmosphäre jener Zeit. Die Enge, die Tabus ebenso wie die kleinen Freuden, Streiche, die Versuche einzelner, ihre Freiheit zu definieren und ihre Selbstachtung zu wahren. Dabei bleibt er immer auf der Seite der sympathischen Figuren, die ihr Leben so gut meistern wie es ihnen möglich ist.

Mit am lustigsten fand ich eine Szene im Beichtstuhl, ob das seinerzeit wirklich so möglich war? Denkbar ist es und ein schönes Gegengewicht zu diesen ganzen Missbrauchsskandalen. Wer die 1960er Jahre liebt, darin aufgewachsen oder selbst ein Bergmannskind ist, sollte sich den Film unbedingt anschauen.

Eva Hesse,  95 min, Deutschland 2016, Regie: Marcie Begleiter, Trailer

A bigger Splash, 125 min, Italien/Frankreich/England 2015, Regie: Luca Guadagnino, in den Berliner Kinos

Junges Licht, 122 min, Deutschland 2016, Regie: Adolf Winkelmann, in den Berliner Kinos

 

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