Magic Places of Berlin-WoMen: das Russenhaus von Gabriele Münter, mit Bildstrecke

Künstler.innen

Das Münterhaus in Murnau ©Berlin-Woman
Das Münterhaus in Murnau ©Berlin-Woman

Magische Orte der Berlin-WoMen: Was braucht man zur Gründung einer revolutionären expressionistischen Kunstbewegung? Das Murnauer Moos, die aufsteigende Alpenkette, intensives Sommerlicht und das Russenhaus in Murnau am Staffelsee. 1908 bereiteten hier die beiden Künstlerpaare Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin dem legendären „Blauen Reiter“ den Weg. Der Berlin-Woman Gabriele Münter ist es zu verdanken, dass wir diese bedeutende Kunst in Museen und Sammlungen genießen können. Münter hatte das Russenhaus erworben und lebte dort mit Unterbrechungen bis zu ihrem Tod 1967. Wir haben das Münter-Haus besucht.

Bildstrecke: zum Münter-Haus in Murnau am Staffelsee,  das Russenhaus, die legendäre Sitzecke wo die Ideen des blauen Reiters entstanden sind (nach der Bildvorlage von Gabriele Münter), von Kandinsky bemaltes Buffet, ein Zimmer (nach der Bildvorlage von Gabiele Münter),  das „Bad“, die Malpaletten von Münter und Kandinsky, Gemälde von Münter aus der Zeit ab 1931, Gabriele Münter als 80jährige, Selbstbildnis Münter und Portrait Eichner aus dem Jahr 1934, von Kandinsky bemalte Treppe und Möbel, der Garten des Russenhaus ©Berlin-Woman

Gabriele Münter und Wassily Kandinsky waren 1906/7 aus Frankreich zurückgekehrt, wo sie sich mit der neusten französischen Malerei – Henri Matisse und die „Fauves“ – befasst hatten. In Oberbayern entdeckten sie den malerischen Ort Murnau und stürzten sich im Spätsommer 1908 mit Marianne Werefkin und Alexej Jawlensky in einen wahren Schaffensrausch. In expressiven, flächig aufgetragenen Farben, vereinfachten Formen bis hin zur Abstraktion hielten die vier Künstlerfreunde Ort und Umgebung fest. 1909 ging es weiter, nun widmeten sie sich der traditionellen Hinterglasmalerei, eine Spezialität der bayrischen Volkskunst, deren „Primitivismus“ vor allem Gabriele Münter zu eigenen Hinterglasbildern inspirierte.

Münter, die das Russenhaus 1909 gekauft hatte, malte und gestaltete es gemeinsam mit Kandinsky aus, bestellte den Garten und führte hier ein echtes alternatives Künstlerleben. Diese avantgardistische Atmosphäre ist auch heute noch zu erspüren: Die Treppe und Möbel, von Kandinsky mit fantasievollen Figuren, Vögeln und Blumen bemalt. Die Wände, der Flickenteppich und die legendäre Sitzecke aus dunklem Holz, wo die expressionistischen Ideen mit Freund.innen und Kolleg.innen ausgesponnen wurden. Arnold Schönberg, Franz Marc, August Macke, Erma Bossi saßen hier. Die Einrichtung ist weitestgehend erhalten bzw. nach Bildern von Gabriele Münter rekonstruiert.

Und noch etwas atmet das Haus: Münters Arbeiten, die hier gezeigt werden, stammen aus der Zeit nach 1931. Nach der Enttäuschung mit Kandinsky hatte sich die Malerin mit ihrem zweiten Lebensgefährten Johannes Eichner erneut im Russenhaus niedergelassen. In ihren Bildern lebt der avantgardistisch-expressive Ansatz fort, zu dem die Malerin 1909 gefunden hatte. „Immer mehr erfasste ich die Klarheit und Einfachheit der Welt,“ beschrieb sie ihn. Es verwundert gar nicht, dass sie auch in ihrem späteren Oeuvre eine Baustelle mit einem blauen Bagger, die Dorfstraße mit Automobil und die Spiegelung einer Raumecke aus dem Russenhaus als bildwürdig erachtete. Einfach, flächig und mit ausgesuchten Farbnuancen. Ebenso die Stillleben, die ornamentale Blumenformen und Gegenstände, wie einen kleinen gelben Holzvogel miteinander kombinieren.

Auf Wiki Art entdecken wir weitere, unbekanntere Werke von Gabriele Münter, sie stammen aus der Zeit um 1920. Auch sie sind stilistisch und motivisch äußerst modern. Gabriele Münter zeigt die moderne Frau, den modernen Mann, die moderne Umgebung und die moderne Technik ihrer Zeit. Es wäre doch schön, Gabriele Münter nicht nur als Fördererin des „blauen Reiters“ an der Seite Kandinskys zu sehen. Die Malerin ist eine Rvolutionärin der Kunst des 20. Jahrhunderts!

Gabriele Münter und Johannes Eichner, auf den zwei Portraits von 1934 im Russenhaus zu sehen, würden sich darüber freuen!

Das Münter-Haus in Murnau, Kottmüllerallee 6, 82418 Murnau, 08841/ 62 88 80, Di-So 14:00-17:00 Uhr, 3 € für Personen über 25 Jahre

Gabriele Münter auf Berlin-Woman

Gabriele Münter, Kunst auf Wiki Art

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