#Guckstu Nr.15: Piet Mondrian, Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921

#Guckstu

Piet Mondrian, Piet Mondrian, Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921, Gemeentemuseum, Den Haag, http://www.gemeentemuseum.nl/collection/item/6496 http://www.lifeproof.fr/mon_weblog/2011/01/piet-mondrian-lartiste-qui-aimait-peindre-les-arbres-by-stefania.html
Piet Mondrian, Piet Mondrian, Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921, Gemeentemuseum, Den Haag, http://www.gemeentemuseum.nl/collection/item/6496 http://www.lifeproof.fr/mon_weblog/2011/01/piet-mondrian-lartiste-qui-aimait-peindre-les-arbres-by-stefania.html

Hier ist wieder unsere Kolumne , geschrieben von der Rächerin der Kunst und einzig wahren Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers. Sie ist die Erfinderin von #Guckstu, den satirischen Minivorlesungen zu je einem Meisterwerk der Kunstgeschichte. Für ein freies Lernen, denn über die Kunst kapieren wir am besten, wo´s lang geht. #Gukstu ist für alle, die keine Tomaten auf den Augen und keine Stöpsel in den Ohren haben wollen. Heute ist Nr. 15 dran: Piet Mondrian, Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, 1921. #Guckstu, übernehmen Sie!

Ja, dieses Mal passt unser Thema wie geschmiert zum politischen Tagesgeschehen. Rechts, links … Piet Mondrian hatte dafür eine ölglänzende Lösung:

Piet Mondrian, Komposition mit Rot, Gelb, Blau und Schwarz, Öl/Lw.,  59,5 x 59,5 cm, 1921, Gemeentemuseum, Den Haag

Impressonismus? Nein, das möchte ich nicht. Fauvismus? Nein, das möchte ich nicht. Kubismus? Nein, das möchte ich nicht. Nach Spanien möchte ich auch nicht, und die Verlobung mit Greet Heybroek möchte ich auch nicht. Und die Diagonale? Nein, um Gottes Willen.

Was möchtest du denn?

Piet Mondrian (1872-1944) war zwar nicht wie unsere Gisela mit Krüger-Kaffee (unvergesslich von Hape Kerkeling) zufrieden zu stellen. Piet wollte: den rechten Winkel! Von Gisela hat er sich allerdings abgeguckt, dass man mit einem deftigen „Nein“ seinen Willen durchsetzen kann! Oder vielleicht war es auch umgekehrt. Egal, der niederländische Maler wurde jedenfalls einer der Hauptvertreter der klassischen Moderne und Mitbegründer der abstrakten Malerei. Nachdem er sich durch das Dickicht der modernen Stilrichtungen geschlagen hatte, drehte er ab ca. 1920 seine eigenen Dinger: streng geometrische Gemälde. Obwohl, das ist ja auch Quatsch, denn er hat nix mehr verabscheut, als Kreise und Kringel in der Kunst.

Seine Bilder bestehen aus einem Raster strenger schwarzer Linien mit eingebundenen Flächen unterschiedlicher Größe und in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Wir kennen sie alle, denn die Muster sind aus der Mode, dem Design und der Architektur des 20. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Dahinter steckte die theosophische Idee, dass der rechte Winkel eine bessere Welt wäre. Also für Ritter Schokolade unterschreibe ich das sofort.

Für den kleinen Piet sah es erst mal gar nicht quadaratisch, praktisch, gut aus. Er kam aus einer verhunzten Großfamilie in einem holländischen Grachten-Kaff. Zeichnen lernte er beim Onkel und Vater und machte brav sein Zeichenlehrerdiplom. Dann ging es auch schon los mit dem: Zeichenlehrer? Das möchte isch nicht. 1892 besuchte er die Kunstakademie in Amsterdam, wo er bis 1897 blieb. Du, der hat sich kurze Zeit später schon auf den Prix de Rome, den größten Kunstpreis der Niederlande beworben. Aber das wollten DIE nicht.

Daraufhin wurde Piet total modern. So als Gegenreaktion, denn wenn der eine nicht will, will der andere auch nicht und umgekehrt. So funktioniert moderne Kunst. Der Künstler war 1906-1916 im Vorstand des Moderne Kunstkring und half besagte tüchtig verbreiten. 1911-1936 ging es nach Paris (mit Unterbrechungen). Hier lernte der Maler Diego Rivera (seinen Ateliernachbarn), Fernand Léger, Pablo Picasso und Georges Bracque kennen. Mittlerweile stellte Mondrian groß aus: 1912 beim Kölner Sonderbund, 1913 auf dem Berliner Ersten Deutschen Herbstsalon und im Pariser Salon des Indépendants.

1917 traf er dann ganz viele, die auch nicht wollten. Mit denen, darunter Vart van der Leck (was für ein Name), Theo van Doesburg (dito) und P.P.Oud  gründete er die de Stijl-Gruppe in Leiden. Nun glaubt mann nicht, dass da Friede, Freude, Eierkuchen herrschte. Du, die zankten sich, na worum schon, um das Quadrat! Von wegen: bessere Welt.

1924 hatte Piet die Schnauze voll, ging aus der Gruppe raus und in verschiedene andere abstrakte Gruppen rein. Auch machte er Innenarchitektur, wie die Bibliotheksausstattung von Ida Bienert in Dresden sowie Bühnenbilder. Was ich nicht ganz verstehe: Die Nazis wollten seine Bilder auch nicht und zeigten sie 1937 in der Propagandaschau „entartete Kunst“. Wenn nicht die, wer sonst war „rechtwinklig“, aber da passten wiederum Piets Quadrate nicht rein. Es gibt halt Rechts- und Linkswinklige.

Mondrian wanderte 1938 nach London aus und zwei Jahre später nach New York. Die Amis liebten ihn, er hatte viele Solo- und Gruppenshows. Leider starb er dann ziemlich bald. Machte aber vorher noch einige verspieltere Kompositionen, sogar mit Rosa drin. Hörtmal, sagte er zu seinen Bildern: ihr seid Landschaften. In die packte er in der New Yorker Zeit auch Musik rein, denn er war ein Jazzfreund und begeisterter Tänzer. 2009 erzielte das Gemälde „Composition avec bleu, rouge, jaune et noir“ aus dem Nachlass von Yves Saint-Laurent 21,5 Mio €.

Ja, das möchte ich!

#Guckstu Nr. 14: Michelangelo Buonarotti, David, Kolossalstatue 1504

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