Geheimnis, Gruppenausstellung im Kunstverein Kunsthaus Potsdam, bis zum 29.05.2016

Ausstellungen

Martin Assig, Mirakel,  Enkaustik/Holz, 114 x 134 cm, 2009. © courtesy Diehl, Foto: Gunter Lepkowski. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.  Quelle: http://www.kunstverein-kunsthaus-potsdam.de/
Martin Assig, Mirakel, Enkaustik/Holz, 114 x 134 cm, 2009. © courtesy Diehl, Foto: Gunter Lepkowski. © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Quelle: http://www.kunstverein-kunsthaus-potsdam.de/

Das Geheimnis ist „eine der größten Errungenschaften der Menschheit“ sagte der berühmte Soziologe Georg Simmel Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf welchen Ebenen es sich abspielt, wieviele Betrachtungs- und Deutungsmöglichkeiten es hat, zeigen 20 künstlerische Positionen: Zeichnungen, Objekte, Skulpturen, Malerei und Fotografien in der aktuellen Gruppenausstellung „Geheimnis“. Zu sehen im ehemaligen Pferdelazarett Potsdam und heutigen Kunstverein Kunsthaus Potsdam, bis zum 29.05.

Aber muss ein Geheimnis immer gelöst sein? Mitten im Ausstellungsraum des Kunstvereins Kunsthaus Potsdam befindet sich ein weißer Kubus. Er ist mannshoch, und durch die leicht geöffnete Tür dringt Licht. Was versteckt sich dahinter? Bevor wir es herausfinden, indem wir durch den Türspalt linsen, schließt sich die Tür knarrend. Ein Bewegungsmelder ist uns zuvorgekommen, und nun stehen wir vor dem „scheuen Raum“ der Künstlerin Jenny Brockmann, zurückgeworfen auf unsere eigene Neugierde und Fantasie.

Geheimnisse sind eben jenseits der Realität: 1997 wurde das Arbeitszimmer von Bertolt Brecht in der Berliner Gedenkstätte, Chausseestraße 125 rekonstruiert. Alles an seinem Platz, die Bücher, die Vasen, die Tischchen und Lampen. Oder auch nicht, denn auf der Hochfrequenzfotografie hat sich der Raum entladen und eine andere Form angenommen. Nina Fischer & Maroan el Sani recherchieren die Aura an historischen Orten. Sie zeigen den realen Raum und die jeweilige Hochfrequenzaufnahme, deren Technik aus den 1930er Jahren stammt. Aus Brechts Arbeitsraum ist eine tierkopfartige Erscheinung geworden.Hat sich hier etwa Brechts Gelächter manifestiert, als er sagte, dass er kein Museum haben wollte?

Das wäre ja was für die Codemaschine von Peter Vogel, die ununterbrochen sechsstellige Buchstaben und Zahlen anzeigt. Die Installation „Geheime Botschaft“ fängt über ein Mikrofon unsere Geräusche, unser Lachen ein und verwandelt sie in einen kybernetischen Text. Wie ein Stromzähler ändert sich der Code fortlaufend und schnell, wenn der Geräuschpegel hoch ist. Er gibt das Regelwerk hinter unseren Tönen und Geräuschen  preis und verrät uns damit etwas neues, anderes.

Wie komplex der Geheimnisverrat ist, zeigt uns das Gemälde von Gregor Cuerten. Das  Bild im Bild offenbart uns das Portrait des größten Geheimnisverräters unserer Zeit: Edward Snowden, schräg in den grauen Bildraum angelegt. Oben links ein Computer-Zahlencode aus Nullen und Einsen, der die Tragik und Banalität dieses historischen Hochverrats offenlegt. Unsere Webdaten sind uns entwendet, wir sind zu Zahlen und Chiffren geworden. Dank Snowden wissen wir das zumindest und haben uns an das alltägliche Ausspionieren via Computer gewöhnt. Können wir noch hoffen?

Ja, denn im Geheimnis verbergen sich auch Wunder: Auf Martin Assigs Enkaustik-Gemälde „Miracle“ erstrahlen vier rotgepunktete Lichtkreise auf einem geblümten Tapetenuntergrund. In schwarz-weißen Lettern umschreibt eine Textzeile den Zustand der buchstäblich geistigen Erhellung beim Anblick dieses „Mandalas“. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wie überhaupt die Gruppenausstellung „Geheimnis“ im Kunstverein Kunsthaus Potsdam. Sie stellt geheimnisvolle Fragen und gibt geheimnisumwitterte Antworten. Die Schau wurde in Kooperation mit der Stiftung Willms Neuhaus für Zufall und Gestaltung realisiert.

Der Zufall und das Geheimnis sind übrigens Geschwister!

Die beteiligten Künstler.innen sind Martin Assig, Carlo Battisti, Silvia Beck, Roland Boden, Jenny Brockmann, Gregor Cuerten, Nina Fischer & Maroan el Sani, Peter Freitag, Anette Haas, Ute Hoffritz, Florian Neufeldt, Friederike von Rauch, Tatjana Schu?lke, Teresa Mazuela Sequeira, Susanne Specht, Henrik Strömberg, Friederike Tebbe, Peter Vogel, Renate Wiedemann

Geheimnis, Ausstellung im Kunstverein Kunsthaus Potsdam. Ulanenweg 9, 14469 Potsdam, Di 11-15 Uhr, Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa/So 12-17 Uhr. Eintritt frei,  bis 29.05.2016

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