Berlin-Women: Rahel Varnhagen von Ense (19.05.1771-07.03.1833)

Berlin-Women

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Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin (19.05.1771-07.03.1833) ist eine deutsche Intellektuelle, Schriftstellerin und die erste und bekannteste Salonnière Deutschlands. Ihre Ansichten waren von der Aufklärung und Romantik geprägt. Varnhagen setzte sich für die Emanzipation der jüdisch Gläubigen und Frauen ein. Das geschah vor allem in ihrem Salon, wo berühmte Künstler, Adelige, Wissenschaftler und Politiker miteinander diskutierten. Anfangs zu Tee und Schmalzstullen, in späteren Jahren zu etwas opulenteren Mahlzeiten. Heute hat die Großartige ihren 245. Jahrestag.

Die Tochter eines reichen jüdischen Bankiers und Juwelenhändlers aus Berlin wurde orthodox erzogen. Ihre Bildung erwarb sie vor allem im Selbststudium. Sie begeisterte sich für Literatur und Philosophie; Rousseau, Lessing, Shakespeare, Dante und Diderot gehörten zu ihrem Repertoire. Nach dem Tod des Vaters eröffnete Rahel Levin im Haus der Familie einen literarischen Salon. Da war sie grade mal 19 Jahre alt und bereits eine eloquente Gesprächspartnerin. Bis 1806 gingen nahmhafte Größen bei ihr in der Dachstube in der Jägerstraße 54-55 ein und aus, darunter Jean Paul, Ludwig Tieck, Friedrich von Gentz, Friedrich Schlegel, die Brüder Humboldt und Friedrich de la Motte Fouqué. „Mit welcher Freiheit und Grazie wußte sie um sich her anzuregen, zu erhellen, zu erwärmen! … Kolossale Sprüche hörte ich von ihr, wahre Inspirationen, oft in wenigen Worten, die wie Blitze durch die Luft fuhren, und das innerste Herz trafen«, beschrieb Graf Salm den Salonauftritt der Salonnière.

1795 fuhr sie nach Karlsbad, um Goethe zu treffen. Bevor sie 1808 dem 14 Jahre jüngeren Diplomaten, Historiker und Publizisten Karl August Varnhagen von Ense begegnete, machte sie 1795/96 mit dem Grafen Karl von Finckenstein, 1801/2 mit dem spanischen Legationssekretär Don Raphael d´Urquijo und 1809 mit Alexander von der Marwitz enttäuschende Liebeserfahrungen. Bei der Besetzung Berlins durch Napoleon verlor die Familie Lewin ihr Vermögen, es kam zum Konflikt Rahels mit ihren Brüdern und ihrer Mutter. Sie engagierte sich für die Verwundeten der Befreiungskriege und sammelte Spenden für deren Familien in Prag. Dann konvertierte sie zum Protestantismus, kehrte 1814 nach Berlin zurück und gab Varnhagen das Jawort. Damit warf sie die gesellschaftlichen Einschränkungen der jüdischen Herkunft ab und nannte sich von nun an Antonie Friederike Varnhagen von Ense.

Das Paar reiste zum Wiener Kongress, 1815 nach Frankfurt zu Goethe und 1816 nach Karlsruhe. 1819 ging es zurück nach Berlin. Rahel Varnhagen eröffnete in der Mauerstr. 36 ihren sog. „zweiten Salon“, wo sie die Mitglieder der berühmten jüdischen Familie Mendelssohn, Hegel, Börne, Fürst Hermann von Pückler-Muskau und Heinrich Heine empfing. Auch freundete sie sich mit Bettine von Arnim an.

Rahel Varnhagens Ausdrucksmittel waren Briefe, in denen sie sich mit prominenten Freund.innen brillant und weitsichtig über Kultur, Kunst und Politik austauschte. Rund 10.000 Briefe und Tagebucheintragungen haben sich überliefert, die sie  ab 1812 anonym in Literaturzeitschriften, wie Cottas Morgenblatt, zu publizieren begann. Ihr Ehemann und ihre Nichte Ludmilla Assing sorgten dann für eine umfassende posthume Veröffentlichung.

Rahel Varnhagen hat auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Keuzberg ein Ehrengrab (Feld 2).

Und hier zum online-Nachlesen im deutschen Textarchiv: Rahel Varnhagen von Ense. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde, Berlin 1833 und 1834

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