„Ona rabotajet – sie arbeitet. Das Bild der Frau heute in der Kunst“, Bildstrecke und Einladung zum Artist Talk am 13.05.2016

Ausstellung

ona rabotajet - sie arbeitet auf Berlin-WoMan
Jan Sobottka, die Schöpferin, Pigmentprint, 2016, credit: (c) jansobottka, 2016

Es ist Vernissage: Jan Sobottka rauschte kurz vor Beginn herein, trieb einen Nagel in die Wand und hängte unter den neugierigen Blicken der bereits anwesenden Gäste sein Kunstwerk „die Schöpferin“ auf. Dieser handwerkliche Auftritt passte perfekt zur Ausstellung „ona rabotajet – sie arbeitet. Das Bild der Frau heute in der Kunst“. Am Freitag, den 13.05.2016 ist ab 16:00 Uhr Empfang mit Führungen und ab 19:00 Uhr ARTIST TALK der beteiligten Künstlerinnen. Ihr seid herzlich eingeladen. Hier die Impressionen von der Vernissage in Text (Sandra Y. Mueller) und Bild:

Bildstrecke: Eva Weisse, Margret Holz, Frank V.D. Hülst, Jan Sobottka, Eva Gjaltema, Bettina Moras, Stefanie Nückel, Doreen Trittel ©Berlin-Woman, ©Kater Koscz, ©Jan Sobottka catonbed.de

„Die Schöpferin“ von Jan Sobottka ist einer der Fixpunkte der Schau und zeigt die erstaunlich kraftvoll wirkende Hand der 88-jährigen Bildhauerin Eva Weisse. Sie ist Ehrengast der Ausstellung, und auf der Vernissage hat sie persönlich dabei zugesehen, wie das ihr gewidmete großformatige Foto zwischen ihren beiden Bronzeskulpturen des „Mädchen ohne Zukunft“ und „Frau mit Narbe“ platziert wurde.

Die quicklebendige alte Dame präsentiert außerdem die Bronze der Sexarbeiterin „Madame Bijou“ sowie den Gipsentwurf der Plastik von Josefine Baker. Sie selbst begeisterte sich für das Selbstporträt „Tabula Rasa“, das ihren Arbeiten gegenüber hängt. „Ob die Malerin anwesend sei“ rief sie fragend in die Runde. Bettina Moras stand direkt vor ihr. Ein mächtiges Bild, sie fühle sich stilistisch an Max Beckmann erinnert, konstatierte Eva Weisse.

Viele Fragen wurden an Bettina Moras gerichtet. Ein Gast aus Syrien wollte wissen: Sind die gekreuzten Pinsel auf dem Selbstporträt Symbol für ein Eingeschlossensein hinter Gittern? Wir vermuten: die Künstlerin auf dem Bild steckt ihren kreativen Arbeitsbereich ab: die Farbpalette ist ihr Schild, die Pinsel – Riesenpinsel – ihre Bannmeile.

Bettina Moras hatte ihr Baby im Brustbeutel mitgebracht. Mit dem Thema Familienarbeit und  „deutsches Muttersein“ geht die Fotokünstlerin Eva Gjaltema ins Gericht, die ihre Motive von Schwangeren, Gebärenden und jungen Müttern (Fundstücke und Familienfotos) mit Berlin-Monumenten zusammenmontiert hat. Eine Mutter umklammert das Berliner Bärensymbol der berühmten Bildhauerin Renée Sintenis, derweil das frisch geborene und noch nicht abgenabelte Baby (die Künstlerin selbst) an ihrer Seite liegt.

Das „ewig Weibliche im Arbeitsprozess macht die Fotokünstlerin Doreen Trittel in ihrem Dyptichon kenntlich. Akten stapeln sich im Büro, die Frau verschwindet als Schatten am Fenster. Doch sie rebelliert, greift zur Kamera, wirft die Hülle ab. Sie ist sie. Eine Erfahrung, die vielen von uns bekannt ist und extra für diese Schau künstlerisch umgesetzt wurde.

Ähnlich das Gemälde „Into something“, auf dem eine gebeugte weibliche Rückenfigur eine schwarze Tüte durch eine Blütenlandschaft schleppt. Die Frau trägt ein zartes Negligé, aber es ist hinten offen. Ist es ein Patientenkittel? will ein Besucher wissen.

Eine spannende Frage war auch, welche/n der neun Künstlerinnen die Kuratorin Dr. Carola Muysers in ihrer Eröffnungsansprache diesmal vergessen würde. Es traf den Filmemacher Frank V. D. Hulst, der in seinen Filmstils zur „Eastside Gallery“ die beiden Mauerkünstlerinnen Birgit Kinder und Yvonne Matzat Onischke porträtiert hat.

Bis zum 27.05. ist die Gruppenschau „ona rabotajet – sie arbeitet“ hier zu sehen. Apropos sehen. Beim Betreten und Verlassen der Räumlichkeiten wird man beobachtet. Die Objekte „questioning eyes“ und „Medusa denkt“ stammen von Margret Holz und sind aus gleichnamigem Material gefertigt. Also: Zu Stein muss hier niemand erstarren.

  • 13.05.2016 ab 16:00 Uhr: Empfang mit Führungen, ab 19:00 Uhr ARTIST TALK mit den Künstler.innen. Margret Holz zeigt ihr Video „Im Iran habe ich als Maskenbildnerin gearbeitet“, 7.16 min, 2015.

Der Komet 29d ist ein Projektraum. Hier finden die Woche über Kunstberatungen und Seminare u. a. in Social Media statt. Ein guter Platz, um sich bei einer Tasse Kaffee im Ambiente wechselnder Ausstellungen über Kunst- und Kulturarbeit auszutauschen.

Projektraum „Komet Nr. 29d“, Rigaer Str. 29d, 10247 Berlin (Friedrichshain), Öffnungszeiten: Mo-Mi 15-17:00 Uhr und Fr 15-17:00 Uhr sowie auf Anfrage bei Dr. Carola Muysers, m@beesandbutterflies.de und 030 31568803. Ausstellungsdauer: 24.04.-27.05.2016. Finissage mit Lesungen am 27.05.2016

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