Paula Modersohn-Becker in der Galerie Michael Haas, bis zum 28.05.2016

Künstlerinnen

Paula Modersohn-Becker, liegender weiblicher Akt, Öl/Lw., 71,5 x 113 cm, 1905-6, Galerie Michael Haas. Fotoaufnahme aus der Ausstellung "Paula Modersohn-Becker", Galerie Michael Haas Berlin. ©Berlin-Woman
Paula Modersohn-Becker, liegender weiblicher Akt, Öl/Lw., 71,5 x 113 cm, 1905-6, Galerie Michael Haas. Fotoaufnahme aus der Ausstellung „Paula Modersohn-Becker“, Galerie Michael Haas Berlin. ©Berlin-Woman

Paula Modersohn-Becker ist eine der ganz Großen! Das ist nun endgültig bewiesen, dank der unermüdlichen Vermittlungs- und Forschungsarbeit seit dem frühen Tod der Malerin 1907. Immer wieder zog es die Künstlerin nach Paris, wo der Fauvismus seine ausdrucksvolle Farbenpracht und Formensprache verbreitete. Die deutschen Modernen waren Paula zu wenig avantgardistisch. Sie fand ihren eigenen den Expressionismus vorausgreifenden Stil. Derzeit gibt es in Paris eine große Schau. Doch auch in Berlin kommt man auf seine Kosten. Berlin-WoMan hat die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker“ in der Galerie Michael Haas besucht:

Die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker“ in der Galerie Michael Haas ist eine kleine Sensation. Denn hier finden sich Bilder der gefeierten Malerin, die nicht immer zu sehen sind. Das gesamte Motivrepertoire ist vertreten: Kinder- und Frauenportraits, Landschaften, ein Selbstbildnis, Akte und ein Stillleben. Stets richtete die Malerin den Fokus auf das Einzelne: das Brustbild eines Mädchen vor einem gelben Feld, das Profil einer Bäuerin, ein Apfelbaum vor hellem Himmel. Diese Arbeiten haben noch die klare Linie des Jugendstils.

Doch dann zog es die Künstlerin immer wieder nach Paris, damals das Zentrum der modernen Kunst. Insgesamt 4 Mal: 1900, 1903, 1905 und 6 war sie dort. Im Louvre studierte sie die altägyptische Kunst, in den Galerien lernte sie die Ästhetik des japanischen Holzschnitts und die Meisterwerke von Gauguin, Cézanne, Rodin und der Nabis kennen. So gelangte sie zu ihrer expressiven, formenstarken und farblich konzentrierten Malerei. Ihre Landschaften faszinieren durch Einfachheit und Klarheit: Ein weißer Birkenstamm durchschneidet den Vordergrund der Bildfläche vor der Weite der Worpsweder dunkelgrünen, lila und braunen Heidelandschaft, darüber ein zartblauer Himmel (Birkenstamm vor Heidelandschaft, Öltempera/Holz, 1901). Genauso Büntjes Garten um 1902 (Öl/Malpappe), der Hof, auf dem Paula Modersohn-Becker ihr Worpsweder Atelier hatte. Der Rasen, eine Hecke, ein paar Birkenstämme und Wolken in Grün und Weiß.

Verschmitzt lugt Paula Modersohn-Becker aus ihrem Pastell-Selbstbildnis von 1903 heraus. Die gedeckten Farben: rotbraun, braun, beige lassen das Bild dennoch leuchten. Wir sehen eine junge Frau, die weiß, was sie will: Sie möchte malen! Dazu hatte sie nur 14 Jahre Zeit, in der 750 Bilder, 1.000 Zeichnungen und 13 Radierungen entstanden.

In Worpswede saßen ihr die Bauersfrauen und -kinder Modell. Die Mädchen tragen Schürzen und Kittelchen und auf dem Kopf witzige Hüte. Sie halten Blumen und Früchte in der Hand. Oft lehnen sie an einem Birkenstamm vor der torffarbigen Worpsweder Landschaft, geduldig und offenbar sehr angetan davon, auf einem dieser fantastischen Freilichtportraits verewigt zu werden.

Auch im Akt, zu Modersohn-Beckers Zeiten ein heikles Thema für Frauen, bewies die Malerin Genie. Bei den badenden Jungen von 1901 erkennen wir noch das professionelle Aktstudium, das Paula 1896/97 an der Mal- und Zeichenschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen absolvierte. Dann aber der liegende weibliche Akt von 1905/6, der eine üppige junge Nackte zeigt. Meisterhaft erfasst die ganz unterschiedlichen hellen Farbtöne an den Beinen, der Brust und im Gesicht des Modells. Das großformatige Gemälde knüpft an die Aktkunst der französischen Modernen an. An die ganz Großen, wie Manet, Renoir, Degas, und genau hier gehört Paula Modersohn-Becker auch hin!

Ihre Individualität, ihr Drang zu einem ganz eigenen Weg ist bis heute beispielhaft für Künstlerinnen und Kreative, die von vorgefertigten Karrierewegen nichts halten und haben. Wer diesbezüglich auftanken möchte, kann das bis zum 28.05.2016 in der Galerie Michael Haas tun. An die Ausstellung von Paula Modersohn-Becker ist eine Präsentation mit Mädchenportraits der japanisch-schweizerischen Künstlerin Leiko Ikemura angegliedert. Ein Bild ist unter die Portaits von Paula Modersohn-Becker geraten. Wer findet es?

Paula Modersohn-Becker, Galerie Michael Haas, Niebuhrstr. 5, 10629 Berlin, bis 28.05.2016.

Bildstrecke der Galerie

Paula Modersohn auf Berlin-Woman

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.