Berlin-Women: Hanne Darboven, Hauptvertreterin der Konzept- und Minimal Art

Berlin-Women

Ausschnitt der Arbeit von Hanne Darboven, 12 Monate, Europa-Arbeit" im Reichstag. 384 Einzelblätter zum Jahr 1997 ©Berlin-Woman
Ausschnitt der Arbeit
von Hanne Darboven, 12 Monate, Europa-Arbeit“ im Reichstag. 384 Einzelblätter zum Jahr 1997 ©Berlin-Woman

Hanne Darboven (29.04.1941-09.03.2009) rechnete, zeichnete, konstruierte und erinnerte sich. Das tat sie systematisch und leidenschaftlich. Ihre Konzepte übertrug sie in komplexe Zahlen- und Schreibwerke, die von großer Ästhetik sind. Die Hauptvertreterin der Konzept- und Minimal Art durchbrach die Grenzen zwischen Kunst und Schreiben. Am 29.04. wäre Hanne Darboven 75 Jahre alt geworden. Berlin-WoMan gratuliert und berichtet:

Hanne Darboven stammt aus der bekannten Hamburger Kaufmannsfamilie Darboven. Sie studierte 1962-65 an der HfbK Hamburg und ging dann für zwei Jahre nach New York. Hier begann sie mit seriellen Zeichnungen auf Millimeterpapier: Berechnungen und Ziffern ausgehend von Kalenderdaten und der Ziffern 1 bis 9. Sie kam in Kontakt mit den Künstlern der Konzept- und Minimal-Art, vor allem mit den Protagonist.innen Sol LeWitt, Carl Andre und Lucy Lippard. 1967 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der Galerie „Konrad Fischer“ in Düsseldorf, 1973 stellte sie bei Leo Castelli in New York aus.

Nach ihrer Rückkehr nach Hamburg 1969 schrieb sie Gedichte unter eigenen Indizes ab. Daraus entwickelte sie 1975 das „Schreibwerk“, ein System aus Schreibzeichnungen, Zahlenoperationen, Daten-, Ziffern- und Linienausschreibungen. Ihr Grundtenor wurde die Sichtbarmachung von Zeit und zeitgeschichtlichen, politischen Strukturen.

Nun kombinierte Hanne Darboven ihre Rechenprozesse mit hundertfachen Bildwiederholungen und Reproduktionen ihrer hand- und maschinengeschriebenen Notizen zur Zeit- und Kulturgeschichte sowie politischen und gesellschaftlichen Tagesereignissen. Die wandfüllenden Arbeiten erzeugen eine einzigartige Spannung zwischen gleichförmig und individuell erlebbaren Anschauungsmomenten. Sie sind Kunst, Zeitchronik, Archiv und Literatur in einem. Ab 1980 ließ die Künstlerin ihr Zahlensystem auch in die Musik übertragen. Es entstanden eigenwillige, teils wunderschöne Kompositionen, die an klassische Orgelimprovisationen erinnern.

Die Preisgekrönte, 1987 wurde sie u.a. Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, 2000 Ehrenprofessorin der Hamburger HfbK, war auf großen internationalen Ausstellungen, wie der documenta und den Biennalen in Sydney, Sao Paulo und Venedig vertreten. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen: ARCO Foundation Madrid, Centre Pompidou Paris, Hamburger Bahnhof Berlin, Bundestag Berlin, Hamburger Kunsthalle, Ludwig Forum für internationale Kunst Aachen, Museum für Moderne Kunst Frankfurt/M., Bundeskunstsammlung Bonn und Schaulager Bern.

Die Künstlerin lebte zurückgezogen im Gutshaus ihrer Familie in Hamburg-Rönneburg. Hier befindet sich die Hanne Darboven-Stiftung.

Zur Zeit zeigt die Galerie Crone die raumfüllende Arbeit „Evolution Leipzig“, Rudi Dutschke Str. 26, 10969 Berlin, bis 18.062016.

Ein Gedanke zu „Berlin-Women: Hanne Darboven, Hauptvertreterin der Konzept- und Minimal Art

  1. Immer wieder danke für die Infos. Die Künstler Sol Lewitt und Carl Andre konnte ich gerade in dem Doku-film über die Malerin „Eva Hesse“ sehen, den ich unbedingt empfehlen kann, wenn man sich für die amerikanische Szene um 1960/70 interessiert.

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