Mut, liebe Julie! Moritz Rugendas und die Malerin Julie Hagen Schwarz, Wißner Verlag, Augsburg 2016

Künstlerinnen

Julie Hagen Schwarz auf Berlin-Woman

Julie Wilhelmine Hagen-Schwarz (15.10.1824-07.10.1902) war eine mutige Frau! Die  Portrait-, Genre- und Landschaftsmalerin machte eine beispiellose Karriere. Da sie als Frau nicht an der Kunstakademie studieren konnte, bildete sie sich im Privatstudium bei ihrem Vater, dem Maler August Matthias Hagen, in Dresden und in München aus. Ein Stipendium des Zaren führte sie nach Rom. Mit ihrem Mann, dem Astronom Ludwig Schwarz ließ sie sich im estländischen Tartu nieder. 1858 wurde sie als zweite Frau Mitglied der St. Petersburger Akademie. Anlässlich der aktuellen Ausstellung „Mut, liebe Julie! – Moritz Rugendas und die Malerin Julie Hagen Schwarz“ im Schaezlerpalais und Grafischen Kabinett Augsburg ist der gleichnamige Katalog erschienen, den unsere Gastbloggerin Franziska Butze-Rios für uns rezensiert hat.

 

„Mut, liebe Julie!“ schrieb Moritz Rugendas seiner Freundin Julie Hagen Schwarz im Dezember 1854. So lautet auch der Titel der aktuellen Ausstellung in den Kunstsammlungen und Museen Augsburg und des dazugehörigen Katalogs. Thema ist die Förderung und Freundschaft von Julie Hagen Schwarz und Moritz Rugendas. „Mut“ brauchte eine Künstlerin Mitte des 19. Jahrhunderts – neben Talent, Willen und Unterstützung!

Herausgegeben ist die Publikation von Christin Conrad, Kuratorin der Ausstellung, und Christof Trepesch, leitender Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Den Beiträgen von Christin Conrad, Gerd-Helge Vogel, Bärbel Kovalevski, Lena Elashmawy, Ulrich Schulte-Wülwer und Pablo Diener schließen sich ein Werkkatalog, Biografien der im Katalog erwähnten Künstler.innen, ausgewählte Briefe von Julie Hagen und Moritz Rugendas, sowie relevante Literaturangaben an.

Ausgangspunkt der Katalogbeiträge ist Hagens schriftlicher Nachlass – über 1000 Briefseiten der Künstlerin aus der Münchener Zeit 1847-1851 sind erhalten. Die aus dem heutigen Estland gebürtige Julie Hagen war jung, ambitioniert, talentiert und lebte und lernte seit einem Jahr in München, als sie 1848 den erst ein Jahr zuvor aus Südamerika zurückgekehrten, fortschrittlich eingestellten Künstler Moritz Rugendas kennenlernte. Mit Rugendas‘ Hilfe gelang es Hagen, sich in München als Genre- und Portraitmalerin durchzusetzen und in zahlreichen Ausstellungen in München und Augsburg präsent zu sein. Dank seiner Mithilfe schaffte sie es auch, 1851 nach Rom zu gehen und sich dort einen Namen zu machen. Sie führte zahlreiche Porträtaufträge aus und erhielt 1853 ein Stipendium des russischen Zaren.

Zwischen den Künstlern entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die bis 1855 andauerte. Von einer Liebesbeziehung berichten die Briefe nicht. Im Jahr 1854 kehrte Julie Hagen ins Baltikum zurück und heiratete den Astronomen Ludwig Schwarz, was Rugendas befürchten ließ, dass sie die Kunst aufgeben würde. Das tat sie aber nicht, im Gegenteil wurde sie 1858 als zweite Frau in der Geschichte der St. Petersburger Kunstakademie zum Mitglied ernannt und blieb bis zu ihrem Tode 1902 äußerst produktiv.

Die Katalogbeiträge beleuchten unter ganz verschiedenen Aspekten die Ausbildung und Karriere Julie Hagens im Speziellen und von Künstlerinnen in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen. Das liest sich durchweg spannend! Besonders regten mich die Beiträge von Kovalevski (Frauenkunststudium in München um 1850) und Elashmawy (die Malerinnen Lina List und Helisena Girl) zum Weiterlesen und Recherchieren an. Auch die Darstellung der Weltoffenheit und Mobilität der Protagonist.innen (Russland, Baltikum, Sibirien, Deutschland, Schweiz, Italien, Südamerika) und die internationalen Verbindungen weckten meine Neugier an zusätzlicher Lektüre. Eine wirklich gelungene Mischung aus Fakten und gelegentlichen Trivalia, versteckt in den zitierten und transkribierten Briefen.

Der Werdegang und die Bilder von Julie Hagen waren bis heute unbekannt. Jetzt werden sie wiederentdeckt, und der Katalog ist ein wichtiger Schritt dazu.

„Mut, liebe Julie!“, Moritz Rugendas und die Malerin Julie Hagen Schwarz, hrsg. von Christin Conrad M.A.; Dr. Christof Trepesch, Wißner-Verlag Augsburg 2016

 

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