#Guckstu Nr. 12: Leonardo da Vinci, Mona Lisa, 1503-1506

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Bildquelle: Leonardo da Vinci, Mona Lisa, 77 x 53 cm, Öl/ Pappelholz, 1503-07, Louvre:. https://de.wikipedia.org/wiki/Mona_Lisa
Bildquelle: Leonardo da Vinci, Mona Lisa, 77 x 53 cm,
Öl/ Pappelholz, 1503-07, Louvre:. https://de.wikipedia.org/wiki/Mona_Lisa

Und hier ist wieder unsere Kolumne, geschrieben von der Rächerin der Kunst. Wenn ihr mal im Louvre seid und der Guide sagt: Bonjour, ich bin der Kunsthistoriker Soundso. Dann müsst ihr sofort erwidern: Non, non, das stimmt nicht. Ich kenne die einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers. Sie ist die Erfinderin von #Guckstu, den satirischen Minivorlesungen zu je einem Meisterwerk der Kunstgeschichte. Zur Übung deshalb Nr. 12: Leonardo da Vinci, Mona Lisa, 1503-1506. #Guckstu, übernehmen Sie!

Bonjour, bonjour. Ihr habt es gehört, also heute dreht sich alles um:

Leonardo da Vinci, Mona Lisa (La Gioconda), Öl/Holz, 77 x 53 cm, 1503-1506 (1502-1503), Louvre

Apollo (Apollo und Daphne von Tiepolo): Wo ist Mona? Christus (am Kreuz von Antonello de Messina): Hä, welche Mona, ich kenne nur ne Lisa. Und die ist doch immer da hinten. Zentaurus (Deineira und der Zentaurus Nessus von Guido Reni): Die ist zum Einwohnermeldeamt. Irgendwas mit nem anderen Namen. Baltassare (Castiglione von Raffael): Was schon wieder? Die war doch erst letztens da. Aus der wird niemand schlau. Selbst ihren genauen Vornamen kennt keiner. Und wie komisch die immer guckt.

Nein, wir sind nicht in den römischen Favelas und auch nicht in den Pariser Banlieues. Wir sind im Pariser Weltklasse-Museum, dem Louvre, in der Abteilung für italienische Malerei. Hinter Panzerglas hängt hier das berühmteste und meistkopierte Bild der Welt, die Mona Lisa. In Nachbarschaft von anderen herrlichen Gemälden der Zeit. Die Mona Lisa kennen wir alle, das ist die, die weder lacht noch weint, weder guckt noch wegguckt, weder schön noch hässlich, weder jung noch alt, weder Männlein noch Weiblein ist. Ihr Schöpfer ist Leonardo da Vinci, zumindest das ist sicher.

Bis heute weiss niemand, wer die Gemalte ist. Dennoch – oder gerade deshalb hören die kunsthysterischen Spekulationen nicht auf. Die einen halten sie für La Gioconda, die Frau von #FrancescodiBartolommeodiZanobidelGiocondo, die Monna Lisa Gherardini hieß. Die anderen für die Mutter von Giuliano II. de Medici. Wieder andere für Leonardos Schüler und Geliebten Salaj. Und die allerletzten sagen, das sei Isabella von Aragonien, nein Caterina Sforza, Quatsch Isabella d´Este.

Vier Jahre lang soll Leonardo an der Mona Lisa gepinselt haben. Und da er so viele Aufträge hatte, ist vielleicht was durcheinander gekommen und er hat alle Genannten in dem Portrait übereinandergeschichtet. So eine Art antikes Rendering. Die Mona Lisa hing eine Zeitlang im Schlafzimmer von Napoleon und gehört seit 1797 dem Louvre. Auch sonst hat sie so einiges mitgemacht, ich sag nur: Diebstahl, Säureattentat, Steinigung und Tournéen nach Amerika, China und Moskau.

Ihr Schöpfer, Leonardo da Vinci (15.04.1452-02.05.1519) war, wie sagt man: anders herum. Als uneheliches Kind eines erfolgreichen Notar und einer Bauerntochter ging er in die Lehre beim Florentiner Goldschmied und Künstler Andrea del Verrocchio. Da malte er bald einen tollen Engel und ein tolles Jesuslein. Schon mit 20 wurde er in die St. Lukas Gilde aufgenommen, was so was  ist wie der BBK, der Berufsverband Bildender Künstler Florenz. Dann ging es Schlag auf Schlag: die Verkündigung, die Anbetung der Könige, Marien-und Heiligenbilder, zwischendurch Ärger wegen Sodomie und ein Studium der Bildhauerei. Anschließend hatte Leonardo vom piefigen Florenz die Nase voll.

Er zog nach Mailand, wo er für Lodovico Sforza forschte, konstruierte, malte und bildhauerte. Er pinselte die Felsengrottenmadonna und das letzte Abendmahl und fing an, alles mal aufzukritzeln, was ihm so durch den Kopf ging. Das war eine ganze Menge. Im Krieg gegen Frankreich haute der Künstler ab nach Mantua, Venedig, Florenz und Parma, zeitweise war er auch wieder in Mailand anzutreffen. Dabei entstanden die Anna Selbdritt, das unvollendete Fresko im Palazzo della Signoria in Florenz, Portraits und eben die Mona Lisa. Leonardo erforschte Flugmaschinen, die Hydraulik, Botanik und Anatomie, machte Mathe und andere Naturwissenschaften.

Als ob das nicht schon genug wäre, dichten wir ihm heute allerhand Erfindungen an: das Flugzeug, das Auto, den Panzer und den Computer, es hätte Leonardo nur die Elektrizität gefehlt. Ich wag das zu bezweifeln, denn kurz vor der Rente wurde der Künstler Partyausstatter, sprich: Eventmanager von Franz I. in Frankreich. So was macht man doch nur, wenn man muss! Seine Bilder hat Leonardo mitgenommen, weshalb heute so viele im Louvre hängen. Jetzt wissen wir zwar immer noch nicht, warum die Mona Lisa so berühmt ist, aber wir sind wenigstens um ein Bild klüger.

P.S. Happy Birthday, Leonardo, von der Rächerin der Kunst!

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