Berlin-Women: Käthe Loewenthal, Landschaftsmalerin (27.03.1878-1942 deportiert und getötet)

Berlin-Women

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Käthe Loewenthal war eine begnadete Künstlerin, sie zählt zu den wichtigen Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit. Gefördert durch ihr jüdisch-liberales Elternhaus wurde sie bei bekannten Künstlern ausgebildet, sie gehörte zu den ersten Studentinnen der Stuttgarter Kunstakademie. Auch ihre beiden Schwestern folgten der künstlerischen Berufung. Käthe Loewenthal stellte in ganz Deutschland aus. Das machten die Nazis zunichte. Hier erfahrt ihr mehr von einem erschütternden Künstlerinnenschicksal, das kein Einzelfall gewesen ist. Never forget!

Käthe Frieda Rosa Loewenthal (27. März 1878-1942 Deportation nach Izbica/Polen; für tot erklärt) ist die älteste Tochter der Familie. Ihr Vater Wilhelm Loewenthal, ein international bekannter Berliner Augenarzt und Hygieniker, nimmt sie und die beiden Schwestern oft auf Dienstreisen mit. Sie lernt Frankreich, die Schweiz und Argentinien kennen. Mit 12 Jahren besucht Käthe Loewenthal sie ihre ersten Malkurse, mit ca. 16 Jahren sieht sie bei einem Schweizaufenthalt die symbolistische Kunst Ferdinand Hodlers. Ein Jahr später nimmt sie ein Studium bei ihm auf und entdeckt für sich die Landschaftsmalerei.

Sie strebt eine umfassende Ausbildung und Weiterbildung an, besucht um 1900 das Malatelier von Leo von König in Berlin und 1905 die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins. Als die Kunstakademie Stuttgart ihre Türen für Frauen öffnet, ist Käthe Loewenthal unter den ersten offiziellen Studentinnen. Sie studiert 1910-1014 beim Haupvertreter der abstrakten Kunst, Adolf Hölzl. Bis 1911 hat sie eine Atelierwohnung im Haus des Württembergischen Künstlerinnenvereins, wo sie auch Mitglied ist. Dann bezieht sie bis 1934 ein städtisches Atelier in Stuttgart. Studienreisen führen sie in die Schweiz, nach Italien und nach Hiddensee, es entstehen zahlreiche Landschaften. Mit ihrer Flächenmalerei und den reduzierten Formen greift sie den damals neuen und vielfach rezipierten Japonismus auf. Während ihre Kollegen den Ersten Weltkrieg als Befreiung vom Wilhelmismus begrüßen, bleibt sie verhalten. Sie schließt sich den Anthroposophen an und engagiert sich für die Gleichberechtigung.

Käthe Loewenthal macht Karriere, sie ist auf großen Ausstellungen zu sehen, z.B. in der Stuttgarter Secession, im Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, im Frauen-Kunstverband, der Großen schwäbischen Kunstschau des Künstlerbunds und im Württembergischen Malerinnenverein. In den genannten Vereinen ist sie auch Mitglied.

Seit 1902 hat sie eine Partnerschaft mit der Malerin Erna Raabe Freiin von Holzhausen, mit der sie ab 1909 zusammenlebt. 1934 kommt die Zensur, die Nazis erteilen der jüdisch stämmigen Künstlerin Malverbot. Sie wird in eine sog. „Judenwohnung“ in Stuttgart-Kaltental eingewiesen. Käthe Loewenthal pflegt ihre schwerkranke Partnerin, versteckt ihre Bilder und hält Kontakt zu anderen verfehmten Kollegen. Dann wird sie in ein Lager im Württembergischen Weissensee inhaftiert, 1942 ins Konzentrationslager Izbica verlagert und im selben Jahr für tot erklärt.

Auch ihre Schwestern sind Opfer der Naziverfolgung. Die Fotografin Agnes Schaefer, geb. Loewenthal (08.04.1882-13.10.1933 vermisst in den Bergen Griechenlands) arbeitet für Lendvai-Dircksen und Eduard von Wasow und das Athener Fotostudio von Nikos Zographos. 1933 flieht sie vor den Nazis in die griechischen Berge, wo sich ihre Spur verliert.

Susanne Ritscher, geb. Loewenthal (30.01.1886-1975) tritt in die Fußstapfen der älteren Schwester und wird ebenfalls freischaffende Malerin in Hiddensee und Berlin. 1944 taucht sie in der Schwäbischen Alp unter, flüchtet nach München und wird im Febr. 1945 ins Lager: Berg am Laim interniert. Sie überlebt, nimmt 1950 ihre Malerei wieder auf und stirbt als einzige der drei Schwestern eines natürlichen Todes.

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