#Guckstu Nr. 10: Peter Paul Rubens, der Raub der Töchter des Leukippos, 1617/18

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Peter Paul Rubens, der Raub der Töchter des Leukippos. Bildquelle: de.wikipedia.org
Peter Paul Rubens, der Raub der Töchter des Leukippos. Bildquelle: de.wikipedia.org

Als etabliertes, anerkanntes, beliebtes und längst mal zu prämierendes Berlin-Magazin haben wir seit einiger Zeit eine Kolumne. Darin wirft die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers mit ihrem ungezügelten Wissen umher, also Achtung und in Deckung gehen. Hurra, hier kommt wieder #Guckstu, die satirische Minivorlesung zu je einem Meisterwerk der Kunstgeschichte. Gedacht für Leute, die zum Lachen NICHT in den Keller gehen. Welcome zu Nr. 10: Peter Paul Rubens, der Raub der Töchter des Leukippos. #Guckstu, übernehmen Sie!

Guten Tag allerseits und heißahopsa hier kommt der Frühling. Dass der bei manchen seltsame Gefühle verursacht, zeigt uns

Peter Paul Rubens, der Raub der Töchter des Leukippos, Öl/Lw, 2,24 x 2,11 m, 1617-1618, Alte Pinakothek München

Lock up your daughters, hier kommt Peter Paul Rubens. Er ist TNT. Achtung, diese Vorlesung ist für Jugendliche unter 14 Jahren nicht geeignet:

„Ey, haste die Hilaeira und Phoibe gesehen?“ „Jo Mann ey. Geile T* (pips) und geiler A*(pips). Komm, die schnappen wir uns.“ So oder ähnlich werden sich Castor und Pollux, die antiken Zwillinge abgesprochen haben, bevor sie sich an die Töchter des Leukippos, König von Theassalien, rangemacht haben. Kaum zu glauben, die beiden Kerle sind göttlich, denn ihre Mama ist Leda, ihr Papa Zeus. Falsch, eigentlich sind sie eine Patchworkfamilie, denn Kastors Papa ist der Mann von Leda, der Tyndareos. Stellt euch vor, diese Schlampe p*(pips) mit zwei Männern in einer Nacht. Die Belohnung kam dann nach 9 Monaten: zwei asoziale Zwillingsjungen. Die kloppten sich durch die halbe griechische Mythologie, was die Spartaner auch noch gut fanden. Aber was will man von DENEN schon erwarten? Ich kann ja verstehen, dass der Kastor durch seinen göttlichen Bruder traumatisiert war, aber muss der deshalb gleich die schwarzglänzende Metalljoppe mit rotem Flatterschal auf Rubens Riesenschinken „der Raub der Töchter des Leukippos“ anziehen?

„Boa ey, seh ich g* (pips) aus“, findet er. „Bist du schw* (pips) oder was?“ findet sein Bruder. Egal, bei dem feigen Überfall auf die beiden blonden Leukipidas, den wir auf Rubens Bild sehen, tun sich beide nix. Mit aller Kraft versuchen sie, die propren Damen auf ihre Pferde zu hieven, wobei eine ziemliche Verknotung von Armen, Beinen, Tüchern, Mensch und Tier entsteht. Darin war der Maler Peter Paul Rubens ein Meister. Er wirbelte die Körper so durcheinander, dass sie immer „von ihrer besten Seite“ zu sehen sind.

Also im Barock, das war vor 397 Jahren, fand man die fülligen Frauen mit dem silbrig schimmernden Inkarnat (ein kunsthistorisches Wort für Haut, wenn ihr mal mit eurem Wissen angeben wollt) und den goldenen Haarsträhnen schick. Aber eigentlich ist es eine hundsgemeine Szene, auch wenn keine Hunde drin vorkommen. Denn die beiden Miss Piggys sind bereits mit ihren Cousins verlobt. Deshalb gibt es auch noch eine Keilerei zwischen den Apharetiden (das heißt wohl auf griechisch: Cousin) und den Zwillingen, die Dioskuren heissen. Das müsst ihr euch dann hinter dem Bild vorstellen. Aus der Assel-Szene, die Rubens uns hier zumutet, ist der Brauch des Brautraubs geworden. Bräute, nehmt die Füße in die Hand, Castor und Pollux kommen.

Übrigens, privat hatten die voll den Stress an der Backe, sie mussten je einen Tag in der Unterwelt und den Tag danach im Olymp verbringen. Warum, das führt hier zu weit, aber allein die Reisekosten und der Klimawechsel!

Schnell noch zu Rubens selbst. Peter Paul Rubens (1577-1640) reiste nach einer Malerausbildung in Antwerpen nach Italien. Mantua, mit Abstechern nach Madrid, Rom, Genua, Mailand. Er ließ keinen Kunst begeisterten Fürstenhof aus und machte sich dort überall bekannt. Zurück in Antwerpen ging es mit seiner Karriere weiter steil bergauf. Jetzt wurde der Künstler nach Paris, Madrid und London gerufen, wo er für die allergrößten Machthaber pinselte. Seine Spezialität: nackte Weiber und Kerle, propper verpackt in eine eigens von ihm entwickelte allegorische Bildsprache. Seine Quelle: die Metamorphosen von Ovid aus der Zeit um Christus herum geschrieben. Darin geht es um nichts anderes, als Sex & Drugs & Rock´n Roll auf antik. Das erkannte Rubens und wurde ein großartiger Meister der Erotik und Pornographie. Seine Werke hängen in allen großen Museen. Oft ist dienstags freier Eintritt. Also, nix wie hin. ©Berlin-Woman

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