Berlin-Women: Lee Miller

Berlin-Women

©Berlin-Woman
©Berlin-Woman

Elizabeth „Lee“ Miller, Lady Penrose (23.04.1907-21.07.1977) ist eine US-amerikanische Künstlerin, surrealistische Fotografin und Fotojournalistin. Lebensabschnittsgefährtin des Surrealisten Man Ray, eine der wenigen weiblichen Kriegsberichterstatter des Zweiten Weltkriegs, Fotografin des „London Blitz“, der Alliierten-Invasion in der Normandie sowie der Befreiung der KZs Buchenwald und Dachau. Lee Miller lebte „viele Leben“. Wir haben die Stationen der Künstlerin zusammengetragen, die derzeit  eine Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau hat.

Mit 7 Jahren wurde Lee Miller von einem Verwandten der Familie sexuell mißbraucht. Als junge Frau diente sie ihrem Vater als Aktmodell für seine Fotos. Diese schrecklichen Erfahrungen trieben die Künstlerin, die von einer engelhaften Schönheit war, in ein unstetes Liebes- und Arbeitsleben.

1926 studierte sie Bühnenbild und Beleuchtung an der Art Students League in New York und wurde vom Herausgeber der Vanity Fair und der Vogue entdeckt. Vor der Kamera arbeitete Miller mit den Fotografenberühmtheiten, wie Edward Steichen und George Hoyningen-Huene zusammen. Doch das reichte ihr nicht, sie macht sich 1929 nach Paris auf, um sich dem Surrealismus anzuschließen.

Hier lernte sie sogleich einen der surrealistischen Hauptvertreter, Man Ray kennen, mit dem sie eine Liebes- und Arbeitsgemeinschaft einging. Auch ihm diente sie als Model für zahlreiche Portraits und Aktaufnahmen und für Auftragsarbeiten, wie die Serie „Eléctricité“ (1931) für die Pariser Elektrizitätswerke CPDE. Beide Künstler experimentieren mit der Solarisation, der Umkehrung der Schwarzweiß-Werte durch starke Doppelbelichtung. Bis heute ist nicht geklärt, wieviel Ideen von Lee Miller in den Arbeiten des gefeierten Surrealisten stecken. Kunst- und Fotohistoriker, es ist an der Zeit, das zu erforschen!

1931 löste sich Lee vom 20 Jahre älteren Partner. Sie etablierte sich als Portrait- und Modefotografin und widmete sich weiterhin ihren surrealistischen Stadtansichten, Frauenbildern und -akten. Über ihr New Yorker Fotostudio lernte sie den ägyptischen Geschäftsmann Aziz Eloui Bey kennen und zog 1935 als seine frisch gebackene Ehefrau nach Kairo. Die altägyptischen Kultstätten und die karge Wüstenlandschaft inspirierten sie. Sie erklomm die Cheops-Pyramide in Gizeh, um sie fotografisch zu ergründen. Doch das Dasein als arabische Gattin bdrückte sie, 1937 machte sie sich mit dem Künstler und Dichter Roland Penrose auf den Weg durch Europa. Wieder eine kreative Partnerschaft, in dessem Rahmen das surrealistische Künstlerbuch The Road is Wider than Long entstand. Das Paar traf Picasso, der die Schöne portraitierte.

1939 gab Miller ihre Ehe auf, wollte sich mit Penrose in London niederlassen, aber der Zweite Weltkrieg verhinderte ihr Glück. Miller kehrte als Modefotografin der Vogue nach New York zurück. 1940 fotografierte sie während des Blitzkriegs in London und plazierte ihre Models in den Ruinen der deutschen Bombenangriffe. Es zog sie zur Kriegsberichterstattung. 1942 rekrutierte sie in Kooperation mit David E. Scherman für Time-Life und die Vogue. 1944 begleitete sie die amerikanischen Truppen, an vorderster Front dokumentierte sie 11 Monate lang die Invasion an der Küste der Normandie, die Befreiung von Paris und die Verbrennung von Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg. Nach der Einnahme Münchens ergriffen Scherman und sie von Hitlers Münchner Privatwohnung symbolisch Besitz. Auf einem ihrer legendären Fotos hat Miller in Hitlers Badewanne Platz genommen. Dann machte sie schockierende Bilder von der Befreiung der KZs Buchenwald und Dachau. Miller richtete unvermittelt das Objektiv auf Opfer und Täter, knallhart fangen ihre Fotos die Folgen der nationalsozialistischen Katastrophe ein.

1947 kam es zur Reunion mit Roland Penrose, das Paar heiratete, ließ sich in England nieder und bekam einen Sohn. 1949 bezog die Familie das Farley Farm House in Chiddingly, das heute als Museum des Künstlerpaares zu besichtigen ist. Die Kriegserfahren, die Bilder, die die Künstlerin sah und die Erlebnisse, in die sie involviert war, hinterließen Spuren. Lee Miller machte nur noch selten Aufnahmen, litt an Depression und einem Kriegstrauma. Lange Zeit hielt sie ihr Foto-Oeuvre, das aus 40.000 Aufnahmen und mehreren Fotobüchern besteht, unter Verschluß. Aber nun erschließt sich uns Lee Miller als eine wichtige Fotografinnenpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Aktuell zeigt der Martin-Gropius-Bau die Retrospektive, Lee Miller – Fotografien, die bis zum 12.06.2016 zu sehen ist.

Ausstellungsbsprechung auf Berlin-Woman

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.