Ostertipp: Lee Miller – Fotografien, Martin-Gropius-Bau, Haus der Berliner Festspiele

Lee Miller – Fotogafien

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Lee Miller, das ist die Schöne in Hitlers Badewanne, die Muse des berühmten Surrealisten Man Ray, die Bildberichterstatterin von der Befreiung der KZs Buchenwald und Dachau. Um die Kunst-, Mode-, Portrait- und Kriegsfotografin ranken sich so einige spektakuläre Geschichten. Lee Miller hinterließ ein großes Oeuvre mit surrealistischen Fotografien und Fotodokumenten von den dramatischsten Schauplätzen des Zweiten Weltkriegs. Jetzt zeigt der Martin Gropius Bau die Ausstellung: Lee Miller – Fotografien.

Lee Miller (23.04.1907-21.07.1977) trifft Man Ray 1929 in Paris und geht eine 3jährige Liebes- und Arbeitsgemeinschaft ein. Als Muse und Modell des 20 Jahre älteren Surrealisten hat sie es nicht leicht. Doch lernt sie von und mit ihm, experimentiert mit der surrealistischen Fotokunst, u.a. der Solarisation, der Umkehrung von Schwarzweiß-Werten durch extreme Überbelichtung. Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt eine Auswahl ihrer so verfremdeten Akte, Portraits, Selbstportraits und Pariser Stadtansichten. In diesen Aufnahmen schwingt stets etwas Übersteigertes, Grausames mit. Wie bei dem Bild einer amputierten Brust, die die junge Frau von einem Spital erhalten und wie zum Diner inszeniert hat. Diese krasse Sichtweise verwundert gar nicht, wenn man weiss, dass Lee Miller als Kind ein schweres Mißbrauchstrauma erlebt hatte.

Nach der Trennung von Man Ray und einem zweijährigen Aufenthalt in New York mit eigenem Fotostudio heiratet Lee Miller den ägyptischen Geschäftsmann Aziz Eloui Bey. 1935 geht es nach Kairo, nun bestimmen ägyptische Kulturstätten und die karge surreale Wüstenlandschaft ihre Fotografie. Der Ausblick auf die Wüstenlandschaft „Portrait of Space“ von 1937 erzählt von der Spannung zwischen Innen und Außen und lässt auf die Lebensräume der Fotografin als arabische Ehefrau schließen. Kaum verwunderlich zerbricht diese Ehe 1938. Lee Miller tut sich mit dem britischen Künstler Roland Penrose zusammen, das Paar geht auf Reisen. Zwischen Athen und Bukarest entsteht das surrealistische Künstlerbuch: The Road is Wider than Long mit Gedichten und Fotografien von Penrose und Miller – ebenfalls in der Ausstellung präsentiert.

1940 ihr Engagement bei der britischen Vogue. Noch sind Millers Modefotos in den Ruinen des Londoner Blitzkriegs stark vom Surrealismus geprägt. Der Kontrast zwischen den schönen Frauen und Kleidern und den zerstörten Gebäuden ist Albtraumhaft. Doch schon zeichnet sich Millers Wechsel zur Fotodokumentation ab. 1942 wird sie eine von fünf Kriegsberichterstatterinnen. Sie arbeitet für die Time-Life und die Vogue und tut sich mit dem Fotografen David E. Scherman zusammen. Mit dem sie auch eine kurze Liaison hat. An vorderster Front fotografiert sie die Schlacht um Saint Malo, die Befreiung von Paris, die Schlacht bei Torgau zwischen den Amerikanern und den Sowjetrussen und die Einnahme von Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden. In einer Fotoserie directly aus Hitlers Privatwohnung in München posiert Miller für Schermans Kamera in Hitlers Mobiliar. Ihr Bad in Hitlers Badewanne wird zu einer hochironischen Inkunabel der Kriegsfotografie.

Dann ist Lee Miller bei der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau dabei. Krass richtet sie ihre Kamera auf die ausgemergelten KZ-Häftlinge, die Leichenberge, die Krematorien, die zusammengeschlagenen SS-Wachleute und den stellvertretenden Bürgermeister Leipzigs, der an seinem Schreibtisch Selbstmord begangen hat. Fotos, die die amerikanische Vogue in vollem Umfang, die britische jedoch nur in kleinem Ausschnitt bringt. Später gehen die schockierenden Bilder in die Geschichtsbücher der gesamten Welt ein. Wer nichts davon weiss, ist definitiv nicht zur Schule gegangen!

Im besetzte Wien, ihrer letzten Station, hält Miller die irritierte Bevölkerung in den Alliierten-Distrikten und den Ruinen der historischen Sehenswürdigkeiten fest. Unerbittlich entlarvt sie den Mythos von Österreich als dem „ersten Opfer“ der nationalsozialistischen Machtergreifung.

1948 zieht sich Lee Miller nach England zurrück, heiratet Roland Penrose, bekommt einen Sohn und legt ihre Fotoaktivitäten nieder. Krankheit und Depression aufgrund des Erlebten holen sie ein. Als sie 1977 an einer Krebserkrankung stirbt,  wird ihre Asche im Kräutergarten ihres Anwesens, dem Farley Farm House in Chiddingly verstreut. Das Haus ist heute ihr Museum.

Lee Miller – Fotografien, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin, Mi-Mo 10:00-19:00 Uhr, 7/5 €, bis zum 12.06.2016

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