Berlin-Women: Renée Sintenis

Berlin-Women

Bildquelle: renee-sintenis.cidsnet.de
Renée Sintenis mit Selbstportrait. Bildquelle: renee-sintenis.cidsnet.de

Immer wenn man über Dreilinden nach Berlin hineinfährt, hat man es mit Renée Sintenis zu tun. Ihr lebensgroßer Berliner Bär, der übrigens auch Vorbild für den Berlinale-Bär ist, begrüßt uns mit erhobener Tatze. Sintenis war DIE Starbildhauerin im Berlin der 1920er Jahre. Ihre zauberhaften weiblichen Akte, ihre lebensechten Tierplastiken und ihre energiegeladenen Sportlerfiguren waren der Renner. Die Nazizeit bremste ihre Karriere aus, nach 1945 startete die Künstlerin noch einmal durch. Am 20.03. jährte sich ihr Geburtstag zum 128. Mal.

Mit Bubikopf und 180 cm Körpergröße war sie ein beliebtes Model für ihre Künstler- und Fotografenfreund.innen. Georg Kolbe, Frieda Riess und Sintenis´ Ehemann, der Grafiker und Maler Emil Rudolf Weiß portraitierten die aparte Renée Sintenis mehrfach.

Doch nicht nur optisch verkörperte sie den Frauentyp ihrer Zeit, den man „die neue Frau“ nannte. Die Bildhauerin und Grafikerin Renée (Renate, Alice) Sintenis (20.03.1888-22.04.1965) gehörte zur Berliner Avantgarde, zusammen mit Ernst Barlach, Asta Nielsen, Gottfried Benn, Rainer Maira Rilke, Joachim Ringelnatz und anderen Größen der Zeit. In expressiven Portraitbüsten und ganzfigurigen Kleinplastiken hielt Sintenis diese Stars fest, darunter den finnischen Läufer Paavo Nurmi und den Dichter André Gide.

Ein sehr lukratives Schaffensgebiet waren Sintenis´ kleine, lebensechte Plastiken von Fohlen, Rüden, jungen Eseln, Ziegenböcken und Rehen. Wie der Sport und der Tanz waren Tiere ein beliebtes Motiv in der Kunst der Weimarer Republik, und Renée Sintenis war eine der Hauptproduzent.innen.

Sintenis wuchs in Neuruppin und Berlin auf, wo sie ersten Zeichenunterricht erhielt. Da ihr als Frau die Kunstakademie nicht zugänglich war, studierte sie 1907-1910 an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums und besuchte die Meisterklasse für dekorative Plastik von Leo König. Dank der tatkräftigen Unterstützung durch die Galerie Wolfgang Gurlitt und ab 1920 durch die Galerie Alfred Flechtheim kam bald der internationale Erfolg. Ab 1915 beteiligte sich Sintenis regelmäßig an der Berliner Herbstausstellung, auch war sie auf den Ausstellungen der Berliner Secession und der Freien Secession, wo sie Mitglied war, präsent. Es folgten Schauen in der Nationalgalerie Berlin, in Paris, in der Londoner Tate Gallery, im Moma in New York, in Glasgow und Rotterdam. 1929 nahm sie an der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Köln teil.

1931 wurde Sintenis zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin berufen. Doch schon 1934, unter der Naziherrschaft, verlor die ¼ Jüdin den Titel wieder. Wie viele jüdisch stämmige Künstler.innen überlebte sie die Jahre der Hitlerherrschaft mit großen Entbehrungen. Zwar blieb sie Mitglied in der Reichskulturkammer. Doch wurde eines ihrer Selbstportraits in der Propagandaschau „Entartete Kunst“ gezeigt, ihre Werke in öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt und entfernt. Die Galerie Karl Buchholz sorgte für internationale Verkäufe, mit denen sich die Bildhauerin über Wasser hielt. 1942 verlor sie ihren Mann Emil Rudolf Weiß, mit dem sie seit 1917 verheiratet war. 1945 wurde sie ausgebombt, die Familie Max Pechstein nahm die Künstlerin zeitweise auf.

Nach dem Krieg dann die zweite Erfolgswelle: 1947 erhielt Sintenis eine Professur an der Berliner Kunstakademie (heute UdK Berlin), 1948 den ersten Großen Berliner Kunstpreis, 1952 den Orden pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst, 1953 das Bundesverdienstkreuz, und 1955 wurde sie erneut zum Mitglied in der Akademie der Künste Berlin ernannt. In den letzten Jahren hatte sie Magdalena Goldmann an ihrer Seite, die ihren Nachlass verwaltete.

Werke: Berliner Bären an der B 115 zwischen Dreilinden und Autobahnkreuz Zehlendorf, auf der Berliner Allee in Düsseldorf und auf der Bundesautobahn Anschlussstelle München-Fröttmaning-Süd. Plastiken im Georg-Kolbe-Museum, auf dem Renée Sintenis-Platz, vor der Renée-Sintenis-Grundschule in Berlin-Frohnau, im Düsseldorfer Hofgarten, in den Bürgergärten am Lübecker Behnhaus.

Berlin-WoMan sagt: danke Renée für Kunst und Rollenmodell!

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