Holbein in Berlin oder: Männer, die ihr Wort halten. Bodemuseum, bis 08.05.2016

Holbein in Berlin

Hans Holbein d.J., Darmstädter Schutzmantelmadonna, Öl/Pinienholz, 146.5 x 102 cm, Sammlung Würth https://commons.wikimedia.org
Hans Holbein d.J., Darmstädter Schutzmantelmadonna, Öl/Pinienholz, 146.5 x 102 cm, Sammlung Würth https://commons.wikimedia.org

Eine kleine Ausstellung im Dämmerlicht mitten in den Prachträumen des Berliner Bodemuseums. Aber eine, die es in sich hat. Hier sehen wir Menschen- und vorrangig Männerbilder, gemalte und gezeichnete Portraits und Altartafeln aus der Zeit der deutschen Renaissance. Vor einem halben Jahrtausend haben die Künstler Hans Holbein der Ältere und Hans Holbein der Jüngere sie angefertigt. Es ist pure Magie:

Allein die feinen Silberstiftportraits von Hans Holbein d. Ä. (1465-1524). Deutlich wie Fotografien, doch viel feiner und seelenvoller ist z.B. das Doppelbildnis der Holbein-Söhne Hans und Ambrosius. Für den Moment gedacht und nun schon 500 Jahre in der Timeline. Holbein d.Ä. hatte in Augsburg und am Oberrhein gelernt und sich in Augsburg und Isenheim/Elsass niedergelassen. Er arbeitete für große Auftraggeber, Kaiser Maximilian befreite ihn von den Steuern. Sein Werk besteht aus farbenprächtigen, figurenreichen Altar- und Andachtsbildern, Portraits und Glasgemälden. Holbein war ein hervorragender Zeichner. Aus Hans, seinem Sohn, machte er den bedeutendsten Maler der deutschen Renaissance.

In der Ausstellung ist eine Auswahl Portraits von hochrangigen Hanse-Kaufleuten zu sehen, die Hans Holbein d.J. als Hofmaler Heinrichs VIII. im Londoner Stalhof angefertigt hatte. Die Portraitierten posieren in prachtvollen Kleidern. Ihre eleganten dunklen Joppen mit Seidenkragen kombiniert mit Seidenhemden in Aprikosen- und Rottönen sprechen für einen auserlesenen Geschmack. Ihre Kopfbedeckungen sind in ganz unterschiedlichem Design gehalten. Mann hatte die besten Schneider oder handelte wie Vos van Steenwijk selbst mit Stoffen.

Nicht nur die Kleidung, die gesamte Erscheinung, wie von Anthon der Gute von Lothringen oder dem wunderbaren Kaufmann Georg Gize, macht echt was her. Die Herren waren gebildet und belesen. Sie konnten schreiben, rechnen und waren in den allerbesten Business- und Regierungskreisen unterwegs. Sie brauchten nicht anzugeben, ernst und ihrer beruflichen Verantwortung bewusst schauen sie aus ihren Portraits heraus. Das Gelehrten-Image steht ihnen gut, ja sie versprechen und halten viel mehr, als die EU- Schnittchen futternden TTIP-Kommerzler in ihren billigen Lobbyisten-Anzügen heute.

Hans Holbein d.J. startete seine Karriere in der Buchdruckerstadt Basel. Hier malte er seine ersten großen Madonnenbilder, die legendären Portraits des Gelehrten Erasmus von Rotterdam und 1528 das erste Familienportrait eines Künstlers in der Geschichte der Kunst – das Bild seiner Ehefrau mit den beiden ältesten Kindern. Dazu gehört auch die Darmstädter Schutzmantelmadonna aus der Sammlung Würth von 1526/28, die im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht. Die Kunsthistoriker haben lange herumgerätselt, bis sie das Altarbild als Familienbild des Basler Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen entschlüsseln konnten. Umrahmt vom Mantel der bildschönen und blutjungen Maria kniet der Stifter mit allen Familienmitgliedern, auch seiner verstorbenen ersten Ehefrau und dem verstorbenen Sohn nieder. Ein rührenderes Memento Mori gibt es wohl kaum.

Links vom Bild noch etwas Kulturgeschichte. Zwei anatolische Webteppiche aus dem 16. Jahrhundert verdeutlichen, mit welcher Präzision Holbein gearbeitet hat. Muster und Farben sind auf dem Altargemälde exakt wiedergegeben.

500 Jahre Holbein – 500 Jahre Männer, die ihr Wort halten!

Holbein in Berlin, Bode-Museum, Am Kupfergraben, 10117 Berlin, Di, Mi, Fr-So 10:00-18:00 Uhr, Do 10:00-20:00 Uhr, 12/6 €, 21.01.2016-08.05.2016

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