Berlin-Women: Renate Berger (Neuerscheinung: „Tanz auf dem Vulkan. Gustaf Gründgens und Klaus Mann“)

Berlin-Women

Foto: Enno Kaufhold
Foto: Enno Kaufhold

Wer sich mit dem Thema Künstlerinnen befasst, stößt unweigerlich auf Renate Berger. In ihrer Untersuchung „Malerinnen auf dem Weg ins 20. Jahrhundert“ betrieb sie kulturwissenschaftliche Kunstgeschichte. Und das, als die Mehrzahl ihrer Kunstgeschichts-Kolleg.innen noch „Falten zählten“. Diese  Eigenständigkeit ist der Wissenschaftlerin, Autorin, Kuratorin und Professorin zueigen geblieben, während sie sich auf die Medien Literatur, Film und jetzt auch Theatergeschichte konzentriert hat. Jetzt erscheint ihr neustes Buch „Tanz auf dem Vulkan. Gustaf Gründgens und Klaus Mann“. Hier erfahrt ihr mehr über Renate Berger. Eine Buchbesprechung folgt.

Renate Berger (01.01.1947) studierte Kunstwissenschaft, Klassischen Archäologie, Psychologie und Soziologie an der Universität Hamburg, promovierte dort über die Sozialgeschichte der Künstlerinnen und hatte damit gleich ihren ersten Bestseller: Malerinnen auf dem Weg ins 20. Jahrhundert (1983) verfasst. Die darauffolgende wissenschaftliche Assistenz 1983-85 an der literaturwissenschaftlichen Fakultät gaben der Kunstwissenschaftlerin weitere wichtige Impulse. Renate Berger arbeitete zum Thema Krankheitsdarstellungen, die Puppe als Sinnbild für die Frau, der Handschuh als Fetisch, Gewaltdarstellungen in der Kunst, Maler und Modell und autobiografische Texte von Künstlerinnen.

Künstlerinnen der Goethezeit und der Jahrhundertwende um 1900 rückten in ihren Fokus, den sie vorzugsweise auf Turning Points, auf Zeitenwandel und -veränderungen richtete und bis heute richtet. Die Thematik des Künstlerpaares, allen voran Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn sowie Rainer Maria Rilke und Clara Rilke Westhoff fesselte die Wissenschaftlerin. In sprachlich fein ziselierten Bildern ermittelte sie die Konstellationen der beiden Paare, die sich aus Liebe, Kreativität, künstlerischem Wettstreit und Austausch zur Zeit der historisch und gesellschaftlich wild bewegten Zeit um 1900 zusammenfügte (Liebe Macht Kunst, 2000).

Dann ein für die Leserschaft verblüffender Themenwechsel. Über ihre Forschungen zu Tänzerinnen der 1920er Jahre stieß Renate Berger auf Natasha Rambova und entdeckte in ihr den Part eines berühmten Künstlerpaares. Rambova war die Partnerin und Imageberaterin von Rudolfo Valentino, dem ersten Latin Lover auf Zelluloid. Renate Berger forschte in Archiven in New York, London, Amsterdam und Paris und beschrieb das spannende Lebensbild des ersten männlichen Sessymbols, das ein weibliches Publikum in die Kinos locken sollte (Rudolfo Valentino. Männlichkeit als Passion, 2003). Rudolfo Valentino spielte nur für die Frauen!

Noch einmal beschäftigte sich die Autorin mit Paula Modersohn-Becker und ihre Pariser Zeit, in der sie sich von ihrem Mann befreite – von der Enge der Künstlerkolonie Worpswede und von den Einschränkungen als Frau die doch nur eines wollte: malen! Zum Jubiläum der großartigen modernen Künstlerin erschien die Monographie: Paula Modersohn-Becker: Paris – Leben wie im Rausch (2007).

Und nun ihre Doppelbiographie über ein hochbrisantes Freundschaftspaar der deutschen Theatergeschichte in den zwanziger Jahren und der Zeit des Nationalsozialismus: Gustaf Gründgens und Klaus Mann, der den Partner in „Mephisto“ portraitierte und karikierte. Beide gerieten in das Visier der Nazis und mussten mit Zensur und Kontrolle leben. Wie und wie unterschiedlich stellt Renate Berger in ihrem neusten Buch „Tanz auf dem Vulkan. Gustaf Gründgens und Klaus Mann“ dar. Eine Besprechung folgt.

Tanz auf dem Vulkan, WBG Neuerscheinungen

Renate Berger

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