Music with Berlin-WoMan: Die Scheenen Jodlerinnen, Konzert am 12.03.2016

Music with Berlin-WoMan

Die Scheenen Jodlerinnen, 12.03.2016 ©Berlin-Woman
Die Scheenen Jodlerinnen, 12.03.2016 ©Berlin-Woman

Jodelaiti! Auf der Bühne der Nikodemus-Kirche stehen 14 Frauen im Dirndl, Punk-Outfit, Hippie-Look. Was tun sie? Sie jodeln uns eins und das mit voller Begeisterung. Wir sind beim Jodelkonzert der Scheenen Jodlerinnen von Ursula Scribano. Eine mitreißende Musik-Veranstaltung, bei der wir das ganze Universum der Jodelkunst kennenlernen und auch selbst ein bisschen jodeln.

Jodeln ist ein Singen mit Lautsilben. Gesungen wird zwischen Brust und Nase, so erklärt es uns Ursula Scribano, die Jodelkönigin von Berlin. Kennzeichen sind die großen Intervallsprünge, die man recht schnell erlernen kann. Damit ist man zwar noch kein.e Meister.in, aber es reicht, um eine hübsche kleine Jodelmelodie vorzutragen. Das tun wir dann auch auf der Mitte des Konzerts und unter Ursulas Anleitung. Wir jodeln und lachen, was das Zeug hält.

Davor und danach erfreuen uns die Scheenen Jodlerinnen mit total unterschiedlichen Stücken und in ganz unterschiedlichen Formationen. Sie singen mal komplett im Chor, mal in der Vierergruppe, mal im Duett. Es gibt derbe, lustige, melancholische und verliebte Stücke. Die kleinen Texteinlagen sind auf deutsch und englisch. Denn ja, die bayerischen, österreichischen und italienischen Auswanderer ins Gelobte Land Amerika und nach Downunder Australien schufen mit ihrer Jodelkunst eine neue Musikrichtung: die Countrymusic. Davon gibt es auch ein paar Kostproben.

Das Jodeln ist eine Kommunikationsform, die es seit der Vorzeit gibt. Ursprünglich diente es dazu, große Distanzen akustisch zu überbrücken. Die Technik stammt vermutlich aus dem Alpenraum, wo sich Hirten, Alm- und Waldarbeiter, Köhler und Sammler Signale zusandten. Grüße, Warnungen, Viehrufe oder einfach nur ein vollbrünstiges Jubilieren. Letzteres hat der Theologe Augustinus von Hippo als: „wortloses Ausströmen einer Freude, die so groß ist, dass sie alle Worte zerbricht“, beschrieben. Man jodelt in Afrika, im Kaukasus, China, Ostasien, Spanien, Lappland und in ganz Osteuropa.

Wie uns das bombige Konzert, das Ursula Scribano auf Spendenbasis veranstaltet hat, zeigt. Jodeln gibt es nicht nur als Volksmusik sondern auch als Punk-, Country-, Hillbillie-, Blues- und Jazzvariation. Die Sängerinnen, die aus allen Generationen stammen, entfalten ihr ganzes Können. Sie jodeln witzig, parodistisch, anmutig und kraftvoll. Gegen Ende nimmt eine der Chorkünstlerinnen eine Zitter zur Hand. Mit Harfen gleichen Tönen begleitet sie ihren Falsettgesang, der direkt von den Engeln zu stammen scheint. Unsere Mitbloggerin Sabine Schneiderlein, die uns zum Konzert eingeladen hat, erzählt, dass dieser Vortrag total schwierig ist. Die Sängerin probt seit Jahren. Es hat sich gelohnt.

Am Konzertende krönt der Chor seine ambitionierte Leiterin zur unumschränkten Jodelkönigin von Berlin. Das unterschreiben wir! Ursula Scribano stammt aus Linz/AU und hat Literaturwissenschaften, Französisch und Schauspiel studiert. Danach ließ sie sich zur Sängerin ausbilden. 2010 lernte sie das Jodeln und dessen befreiende Wirkung. Seitdem gibt sie Jodelworkshops und -konzerte.

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