Frauen der Secession II, Liebermann-Villa am Wannsee. Verlängert bis 04.04.2016, mit Bildstrecke

Secessionistinnen

©Berlin-Woman
©Berlin-Woman

Avantgarde, das bedeutet die Speerspitze einer kämpferischen Bewegung! 1898 wurde die „Berliner Secession“ unter dem Vorsitz von Max Liebermann gegründet, einer der progressivsten Künstlerverbände in Deutschland. Mitglieder wurden die Vertreter des Impressionismus, Naturalismus und Fauvismus, darunter auch Frauen, was damals spektakulär war. Aktuell zeigt die Liebermann-Villa in Berlin-Wannsee die Ausstellung „Frauen der Secession II“. Im Unterschied zum ersten Abschnitt vor gut zwei Jahren ist die jetzige Schau ein Lichtblick!

Bildstrecke: Maria Slavona: Stadt und Parkansichten. Julie Wolfthorn: Parkansichten und Landschaften. Charlotte Berend-Corinth: Stillleben, Kinder- und Selbstportrait. Augusta von Zitzewitz: Renée Sintenis. Julie Wolfthorn: Akte. Die Liebermann-Villa: Vorderansicht, Garten mit Birkenwäldchen. ©Berlin-Woman (Manuela Plath)

Ein zartgrün hellschimmernder Parkweg im frühlingshaften Licht, man schaut auf die Rückenfigur einer Amme, die einen Kinderwagen schiebt (Ein Nachmittag im Düsseldorfer Hofgarten, 1910-1915). Sommer an der Oberhavel, weiße und ein rotes Segelboot gleiten über das pastellblaue Wasser, die weißen Kleider und Hüte der Spaziergängerinnen leuchten im Licht (Landungssteg an der Oberhavel um 1918). Die Secessionnistinnen Julie Wolfthorn und Maria Slavona malten Pleinair. Sie stellten sich in ihren langen Kleidern und Malkitteln draußen in der Straße und der Natur auf und legten los.

Die Ergebnisse sind in der Ausstellung „Frauen der Secession II“ zu sehen: herrliche Landschaften von Julie Wolfthorn und Stadtansichten von Maria Slavona, darunter die Ansicht einer Straße in Montmartre und rote Lübecker Backsteinhäuschen mit dem letzten Schnee unter kahlen Bäumen. Licht, Luft und Atmosphäre sind meisterhaft eingefangen, man erkennt sofort die Jahreszeit, in der die Motive entstanden sind.

Die Secessionistinnen, in der Ausstellung sind es auch noch die Malerinnen Charlotte Berend-Corinth und Augusta von Zitzewitz, ließen sich nicht auf eine typisch weibliche Kunst festschreiben. Neben der damals als „männlich“ geltenden Landschaftskunst malten sie starke Bildnisse, denen nichts weibliches anhaftet. Charlotte Berend-Corinth ist mit kraftvollen Frauenportraits, einem Selbstbildnis und einem großformatigen wunderschönen Mädchenbildnis vertreten. Die Malerin machte sich mit Portraits von Berliner Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturszene einen Namen und wurde nach dem Tod ihres Mannes Lovis Corinth auch in den USA bekannt. Ihr fast ebenbürtig Augusta von Zitzewitz, deren Bildnis der Renée Sintenis (ebenfalls eine Secessionistin) von 1950 zwar aus dem Zeitrahmen fällt. Doch trifft es die berühmte Berliner Bildhauerin mit Schoßhündchen und im Blumenkleid sehr genau.

Auch Akte, damals anrüchig für brave Künstlerinnen, sind mit den Zeichnungen von Julie Wolfthorn abgedeckt. Nein, die Secessionistinnen saßen nicht gehorsam zuhause herum. Sie bereisten die europäischen Kunstzentren, lebten zeitweise in Paris und besuchten anerkannte Malschulen und Damenakademien, da ihnen die Kunstakademien verschlossen waren. Sie stellten aus, scharten Auftraggeber, Sammler, Mäzene und Galeristen um sich. Das „vierblättrige Kleeblatt“, das bis zum 04.04. in der Liebermann Villa zu sehen ist, gehört mit Dora Hitz, Sabine Lepsius, Sophie Wolff, Ernestine Schultze-Naumburg, Käthe Kollwitz, Milly Steger, Renée Sintenis, Emy Roeder, Marie Laurencin und Marianne Werefkin zur Speerspitze der Künstlerinnen ihrer Zeit.

Die Gesamtschau aller Secessionistinnen wäre ein Traum! Bis dahin lohnt sich der Besuch der verlängerten Ausstellung in der Villa des Secessionsvorsitzenden Max Liebermann am Wannsee. Auch auf das Café und einen Gartenrundgang sollte man nicht verzichten.

Julie Wolfthorn

Charlotte Berend-Corinth

Augusta von Zitzewitz

Frauen der Secession I auf Berlin-WoMan 2013

Frauen der Secession II: Julie Wolfthorn, Charlotte Berend-Corinth, Maria Slavona, Augusta von Zitzewitz, Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, 14109 Berlin, Täglich außer dienstags 11:00–17:00, Do, So und feiertags 10:00–19:00 Uhr, 4/6/7 €, Kinder bis 14 Jahren: frei, bis 04.04.2016

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