Das geht ja wirklich gut aus! Die Berlinale 2016 in der Rückschau von Sabeene, Teil 2

Berlinale 2016

Berlinale Menue ©Berlin-Woman
Berlinale Menue ©Berlin-Woman

Die Berlinale 2016 ist vorbei, Der italiensche Flüchtlingsfilm: Fuocoammare, die Satire aus Sarajewo: Death in Sarajewo und der philippinische Historienfilm: A Lullaby to the Sorrowful Mystery aus dem Wettbewerb haben gewonnen. Wir fragten unsere Kinoexpertin Sabeene, wie sie das Filmfestival fand, was sie sich angeschaut hat, was gut, was nicht gut war und wie sie die vielen Traum- und Albtraumstunden überstanden hat. Sabeene berichtet uns in 2 Teilen, hier ist Teil 2:

Welcher Film hat dich am meisten bewegt?

Über die Geschichte der ostdeutschen DEFA konnte ich bei „Fräulein Schmetterling“ ganz viel lernen. Der 1965 gedrehte Streifen wurde nie fertiggestellt, da angeblich zu kritisch. Das traf in dem Jahr auf 12 von 20 Produktionen zu, also nichts besonderes, und war der kulturellen Eiszeit der Nach-Chrutschschow-Ära geschuldet. Dieser Film besticht durch tolles Doku-Material aus dem Ost-Berlin der Zeit, das allein macht ihn sehenswert. Aus 500 Filmdosen wurde montiert, so sehen wir manche Szenen zweimal, mal mit Sprache, mal ohne, das ist reizvoll. Die Geschichte handelt von zwei Schwestern, 18 und 12 Jahre, die gerade Waisen geworden sind. Die ältere Helene muss ihre Lebensträume (die in märchenhaften Sequenzen dargestellt werden) gegenüber dem Jugendamt, dem Arbeitsamt und der wenig ambitionierten Tante verteidigen. Klassisch, alle wollen das Beste und wissen, was das ist. Für seine 50 Jahre hat „Fräulein Schmetterling“, das Drehbuch ist von Christa und Gerhardt Wolf, eine erstaunliche Aktualität. Was neben dem Thema auch an der hervorragenden tschechischen Schauspielerin Melania Jakubiskovà liegt.

Was war ein Nogo der diesjährigen Berlinale?

Früher kommen musste man dieses Jahr, weil durch das Abscannen der Tickets der Einlass wesentlich länger dauerte. Kartenabreissen von Hand ist echt besser, und die Technik, die dabei Zeit erspart, muss noch erfunden werden. Übrigens mein erster Job mit 13: ich habe im Kino meines Heimatortes Karten abgerissen und den Leuten mit der Taschenlampe die Reihen ausgeleuchtet …ob das meine Kinoleidenschaft beeinflusst hat? Auf der Berlinale habe mir angewöhnt, gleich 2 Karten zu kaufen und zu zweit ins Kino zu gehen. Die gemeinsame Nachbetrachtung ist schön.

Welche Filme pichtst du für uns noch?

Wu Tu spielt in der VR China. Eine junge Familie wohnt am Rande einer Neubausiedlung und bewirtschaftet das Land. Sie ernten und verkaufen Gemüse. Der Film begleitet sie über mehrere Jahre, in denen sie gegen die Enteignung kämpfen, unter immer widrigeren Umständen leben, Wasser und Strom werden ihnen abgestellt, Schikanen zuhauf, sie geben nicht klein bei, bekommen stattdessen ein weiteres Kind.

Ebenfalls widrige Umstände gibt es bei Familie Velcu, die im Film „And-Ek Ghes…“ von Rumänien nach Deutschland übersiedelt. Von einem deutschen Filmemacher erhält der Familienvater eine Kamera und filmt tagebuchartig die diversen Versuche, heimisch zu werden, Arbeitsangeboten nachzureisen, die Kinder in die Schule zu schicken usw. Nach und nach bekommt man ein ganz gutes Gespür für die Lebensart der diversen Clanmitglieder, und als Highlight gipfeln die einzelnen Dokustränge in einem unerwartet professionellen Videoclip, der alle Träume zusammenfasst. Klüger als vorher habe ich das Kino verlassen. Kafka soll einmal gesagt haben: Ich war im Kino und habe geweint.

Frei nach Kafka: Ich war im Kino und habe gelernt!

Noch ein Tipp von Sabeene: Bis zum 29.2. wiederholt das Kino Arsenal jeweils um 19 Uhr täglich einen Forum-Film, es lohnt sich!

Teil 1

66. Internationale Filmfestspiele Berlin

Berlinale auf Berlin-Woman

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