Das geht ja wirklich gut aus! Die Berlinale 2016 in der Rückschau von Sabeene, Teil 1

Berlinale 2016

Sabeene auf der Berlinale ©Berlin-Woman
Sabeene auf der Berlinale ©Berlin-Woman

Die Berlinale 2016 ist vorbei, der italiensche Flüchtlingsfilm: Fuocoammare, die Satire aus Sarajewo: Death in Sarajewo und der philippinische Historienfilm: A Lullaby to the Sorrowful Mystery aus dem Wettbewerb haben gewonnen. Wir fragten unsere Kinoexpertin Sabeene, wie sie das Filmfestival fand, was sie sich angeschaut hat, was gut, was nicht gut war und wie sie die vielen Traum- und Albtraumstunden überstanden hat. Sabeene berichtet uns in 2 Teilen, hier ist Teil 1:

Liebe Sabeene, was war dein roter Faden bei der Berlinale?

Für mich war es die Berlinale der Flüchtlingsfilme, guter und auch nicht so guter. Mir zeigt das, dass dieses Thema nicht erst seit einem halben Jahr nach dem Motto „Wir schaffen das!“ aktuell ist, sondern mindestens schon 3 Jahre und länger. So lang braucht ja ein Film in der Regel von der Idee zur Umsetzung bis zur Fertigstellung.

Wieviele Filme standen auf deiner Agenda?

So ein gutes Dutzend vielleicht. Ich gehe überwiegend zum Forum und zum Panorama, suche da nach meinen Vorlieben aus und kann auch nur dafür sprechen. Mich interessiert vor allem, welche Fragen weltweit gestellt werden: Wie gestalte ich mein Leben im Alter, was ist Familie heute, wer sorgt wann für wen, wie unterschiedlich gehen Männer und Frauen mit dieser Situation um?

Wie hälst du dich wach und was ist dein Lieblingskino?

Ich habe Thermoskanne und Thermobecher im Einsatz, ausreichend Kaffee muß sein, und ein bisschen Schokolade dazu, Obst und Nüsse. Daneben ist aber auch genügend Beinfreiheit wichtig, um sich ab und zu bewegen zu können. Deshalb bin ich gerne im Zoopalast und meide den Friedrichstadtpalast. Die Palastsitze sind eine Zumutung. Mein Lieblingskino ist das International, eine Augenweide. Ich komme meist etwas früher, um die Lobby zu genießen, die Decke gefällt mir und der Vorhang: cremefarben mit ordentlich Glitter, daraus ein Kleid für den roten Teppich bitte.

Gab es Highlights?

Ich habe wieder tolle „Frauenfilme“ gesehen und gelernt, was an ganz anderen Ecken der Welt passiert – zum Beispiel in Korea. „The Bacchus Lady“ von E J-Yong zeigt eine ältere Frau, die sich mit der verbotenen Prostitution über Wasser hält. Aber nicht nur das: Sie kümmert sich um einen kleine Jungen, dessen Mutter im Gefängnis ist, und spannt gleichzeitig ihre Nachbarn mit ein. Der Transvestit, der in einer Bar auftritt, der junge Mann mit dem amputierten Bein … es ist eine solidarische Gemeinschaft von denen, die am Rande der Gesellschaft leben. Mit welchen Tricks die Hauptdarstellerin ihr Leben meistert, lässt einen bisweilen den Atem stocken. Schließlich hilft sie älteren einsamen Männern, ihr Leben zu beenden; was nur eine Zeitlang gut geht. „The Bacchus Lady“ wünsche ich einen guten Filmverleih!

Dann gab es „Verfluchte Liebe deutscher Film“, ein kurzweiliger Abriss über die (west-)deutsche Filmgeschichte nach 1945 bis ca. 1975. Eine Fortsetzung sei geplant, erzählte Johannes Sievert, einer der Regisseure. Ich hätte mir längere Ausschnitte aus den zitierten Filmen gewünscht, das hätte jedoch den zeitlichen Rahmen gesprengt.

Wie war das Publikum?

Ich wundere mich, wie viele Leute im Kino schlafen und anschließend begeistert klatschen. Was feiern sie da, die Entspannungsquote des Filmes etwa? Gar nicht geht heftiges Einparfümieren. „Nein, ich bin das nicht“, kommt noch die doofe Replik. Leute, wenn ihr ins Kino geht, wascht euch, aber lasst die Finger vom Duftwasser.

Fortsetzung folgt morgen.

Noch ein Tipp von Sabeene: Bis zum 29.2. wiederholt das Kino Arsenal jeweils um 19 Uhr täglich einen Forum-Film, es lohnt sich!

66. Internationale Filmfestspiele Berlin

Berlinale auf Berlin-Woman

2 Gedanken zu „Das geht ja wirklich gut aus! Die Berlinale 2016 in der Rückschau von Sabeene, Teil 1

  1. Ich hatte leider in diesem Jahr keine Zeit selbst hinzugehen. Deshalb vielen Dank für diese Kurzeinschätzung.
    Und wann kommt Teil 2? Ich bn schon gespannt.

    Macht weiter so – ich habe immer viel Freude an Euren Artikeln.

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