World-Women: Gabriele Münter

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Gabriele Münter, Buch

 

Gabriele Münter (19.02.1877-19.05.1962) ist eine Hauptvertreterin des Expressionismus. Sie malte, zeichnete, druckte und erstellte Hinterglasgemälde. 14 Jahre lang war sie mit Wassily Kandinsky liiert und unterstützte seine Karriere als einer der ersten abstrakten Maler in der Geschichte der Kunst. Maßgeblich war sie auch an der Gründung der weltberühmten Avantgardegruppe der Blaue Reiter beteiligt. Und ihr ist es zu verdanken, dass uns die Bilder der Blauen Reiter-Künstler erhalten geblieben sind. Am 19.02. jährte sich ihr Geburtstag zum 139. Mal.

Gabriele Münter stammt aus einer aufgeschlossenen deutsch-amerikanischen Zahnarztfamilie, die in Berlin ansässig war. Schon als Jugendliche zeigte sich ihr großes künstlerisches Talent. Mit 20 Jahren besuchte sie die Damenkunstschule von Willy Spatz in Düsseldorf. Sie erbte und reiste dann 1898 und 99 mit ihrer Schwester durch die USA . Dabei entstanden zahlreiche Fotografien und erste Portraitzeichnungen.

1901 zog Gabriele Münter nach München, wo sie an der Damenakademie des Künstlerinnenvereins bildende Kunst studierte. Ein regulärer Akademiebesuch war ihr als Frau verwehrt. Sie lernte bei Maximilian Dasio und Angelo Jank. Dann wechselte sie zur Kunstschule „Phalanx“, begegnete ihrem Lehrer Wassily Kandinsky und übte sich in der Freilichtmalerei. Der damals verheiratete Kandinsky verlobte sich mit der jungen Malerin und wurde ihr Lebensabschnittsgefährte.

Gemeinsam bereisten sie Tunesien, Italien, Frankreich und die Niederlande. 1906/7 hielten sie sich in Paris auf und Münter schuf unter dem Eindruck von Matisse und den Fauves ihre  spätimpressionistischen Bilder und Grafiken. Sommer 1908 dann das schicksalhafte Zusammentreffen mit Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky in Murnau am Staffelsee. Hier fand Münter zum Expressionismus, Kandinsky zur Abstraktion. Münter entdeckte ihre leuchtenden expressiven Farben und die typische markante schwarze Umrandung der Bildobjekte. Auch beschäftigte sie sich mit der Hinterglasmalerei.

Die Avantgardistin erwarb ein Haus in Murnau, wo das Paar bis 1914 die Sommermonate verbrachte. Im „Russenhaus“ empfing man die Creme del la Creme der avantgardistischen Künstler.innen: August Macke, Arnold Schönberg, Franz Marc, Werefkin und Jawlensky. Maßgeblich wirkte Münter an der Gründung des „Blauen Reiters“ mit. Mit dem Jahrbuch und einer fulminanten ersten Ausstellung in der Münchner Galerie Thannhäuser mit 50 Werken von fast 20 Avantgardist.innen im Jahr 1911 stellte der „Blaue Reiter“ die Weichen für die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Im Ersten Weltkrieg musste der Russe Kandinsky Deutschland verlassen, das Paar emigrierte in die Schweiz, der Maler reist nach Russland weiter. Um ihm nah zu sein, ließ sich Münter 1915-20 in Stockholm nieder. Doch die Liebe zerbrach, noch vor der Trennung im Jahr 1917 heiratete Kandinsky Nina Andreevskaja. Schwer getroffen kehrte Münter nach Deutschland und 1925 nach Berlin zurück. Zwei Jahre später traf sie ihren Lebensgefährten, den Philosophen und Kunsthistoriker Johannes Eichner. Mit ihm unternahm sie Reisen, und nach einem Parisaufenthalt 1929/30 zog das Paar nach Murnau. Münter schuf zahlreiche expressionistische und abstrakte Arbeiten.

1937 erteilten ihr die Nazis ein Ausstellungsverbot, 1949 wurde die mittlerweile 72-jährige Avantgardistin, Expressionistin und Pionierin der modernen Kunst rehabilitiert. Ihre Arbeiten wurden im Kontext des Blauen Reiters ausgestellt, sie hatte Retrospektiven, und 1955 nahm sie an der documente 1 in Kassel teil.

Zu Lebzeiten übergab Gabriele Münter der Stadt München und dem Lenbachhaus ihren Nachlass und ihre exklusive Sammlung mit Arbeiten von Wassilij Kandinsky und anderen Künstlern des Blauen Reiters. Das machte das Museum weltberühmt. 1966 wurde die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung ins Leben gerufen, zu der auch das Münter-Haus in Murnau gehört.

Werke von Gabriele Münter befinden sich in Museumssammlungen in Augsburg, Hagen, Munrau, Hannover, München, Wuppertal, Chicago, New York, Washington, San Diego, Madrid u.a.

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