Das geht ja wirklich gut weiter: „Les Sauteurs, Those who jump“. Berlin-WoMan auf der Berlinale (11.-21.02.2016)

Berlinale: Those who Jump

Berlin-Woman auf der Berlinale
Abou Bakar Sibidé auf der Berlinale. ©Berlin-Woman

 

Der Berg Gurugu in Marokko liegt bei der spanischen Enklave Melilla. Eine Stadt direkt am Mittelmeer, die seit dem 15. Jahrhundert im spanischen Besitz ist. Auf dem Berg lagern hunderte junge afrikanische Migranten, bereit über den Zaun zu springen, der Europa von Afrika trennt. Der Lehrer Abou Bakar Sibidé aus Mali ist einer von ihnen. Er hat seine Flucht gefilmt, Moritz Sibert und Estephan Wagner haben daraus einen Film gemacht.

Sie campen auf dem Berg, kochen, spielen, hören Musik. Sie machen Sport und waschen sich hinter den Ohren. Man möchte meinen, Gurugu wäre ein Ferienlager für afrikanische Auswandererjungs. Doch die dokumentarischen Handyaufnahmen des Lehrers Abou Bakar Sibidé führen uns hinter die Kulissen und in die wahre Welt der Flüchtlinge. Sie sind voll organisiert, die Ländergruppen bleiben unter sich – Verräter werden verjagt oder offenbar auch getötet. Sie halten sich mit Brettspielen und Sport fit, sie holen sich Essen aus dem Müll des marokkanischen Teils von Melilla, sie haben Hunde, Esel, Handys und Geld dabei. Sie sind voller Hoffnung und voller Angst.

Abou bekam die Handykamera von den beiden Filmemachern Moritz Sibert und Estephan Wagner. Einen Moment dachte er daran, sie zu verkaufen. Dann hat er begonnen zu filmen. Er hat den jungen Afrikaner aufgenommen, der stolz ein eigenes Lied von seiner Flucht und den Schrecken von Gurugu vor der Kamera rappt. Das Fußballspiel der Migranten von der Elfenbeinküste gegen die Migranten aus Mali, das leidenschaftlich wie ein World Cup ausgefochten wird. Selbstbewusst mimen einige die Trainer, die Coaches und die Sportreporter. Abou filmte den sehnsuchtsvollen Blick auf die nächtliche Stadt und das Meer: Europa. Und die vor Kraft und Mut überbordenen Männer mit ihren Träumen von einem Leben hinter dem Zaun. Als Afrikaner in Europa, selbst wenn sie dort nicht mit Kusshand empfangen werden. Das wissen sie!

Nein, es ist kein Camp schwarzer Greenhorns, es ist das Lager derjenigen, die es bis hierher geschafft haben. Mit einem richtigen Beruf, weg von Zuhause durch die Wüste, durch mehrere Länder und Kriege, Unruhen, Krisen und ja, auch die lähmende Armut hinter sich lassend. Nun müssen sie den Zaun überwinden, sich Zutritt verschaffen zur Neuen Welt Europa. Ein mühsames Unterfangen.

Geschickt basteln sie sich aus Schrauben Spikes für die Turnschuhe und biegen Kletterhaken aus Metallbolzen. Recycling haben sie in ihren Ländern gelernt. In Abständen versuchen sie, über den meterhohen Zaun zu klettern. Die spanische Guardia Civil auf der anderen Seite drängt die jungen Männer wieder zurück in marokkanisches Gebiet, schießen darf sie nicht. Nur wenige schaffen den Sprung, die anderen kehren zurück auf den Berg Gurugu. 

Seit 2005 hat sich Melilla in eine Hochsicherheitszone verwandelt. Die spanische Stadt wird mit Bewegungsmeldern, Nachtsichtgeräten und Kameras bewacht. Wiederholt sehen wir Aufnahmen von einer dieser Nachtsichtkameras. Es ist die Außensicht – auch unsere – auf die Migranten als kleine leuchtende Punkte oder hunderte schwarze Striche, die sich auf den Zaun zubewegen. Sie mischt sich mit Abous Nahsicht zu einer total spannenden Filmerzählung.

Plötzlich: Abou hat es auf die spanische Seite geschafft, die Sauteurs feiern sich!

Nach der Filmvorführung kommen die Filmemacher auf die Bühne. Man sieht Abou Bakar Sidibé an, was er durchgemacht hat. Vor und hinter dem Zaun. 

Les Sauteurs, Those who jump, Dänemark 2016, 80 min. Französisch, Bambara, Abou Bakar Sidibé, Estephan Wagner, Moritz Siebert

nächste Vorstellungen:

Fr 19.02. 16:45 Uhr, Akademie der Künste

So 21.02. 22:00 Uhr, CinemaxX

Berlinale Info und Trailer

 

Ein Gedanke zu „Das geht ja wirklich gut weiter: „Les Sauteurs, Those who jump“. Berlin-WoMan auf der Berlinale (11.-21.02.2016)

  1. Ja, das Thema Flucht steht dieses Jahr hoch im Kurs der Berlinale. So viele unterschiedliche Geschichten, diese ist auf jeden Fall eine der bewegendsten. Das Kino hat mal wieder den Perspektivwechsel ermöglicht, danke!

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