#Guckstu Nr. 9: Das Zeltdach des Olympiaparks München von Frei Paul Otto, 1972

#Guckstu

Frei Otto und seine Zeltdachkonstruktion. Bild: http://www.quer-magazin.at/home/16-2015/frei-otto
Frei Otto und seine Zeltdachkonstruktion. Bild: http://www.quer-magazin.at/home/16-2015/frei-otto

Wir sind die einzige tägliche Wochenzeitung Berlins und wissen auch nicht, was das ist. Aber das Netz weiß es. Unsere Kolumne haben wir der Rächerin der Kunst und einzig wahren Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers übergeben! Sie schmeisst mit ihrem ungezügelten Kunstwissen um sich, also Achtung und in Deckung gehen. Denn hier kommt #Guckstu, die satirischen Minivorlesungen für Leute, die zum Lachen NICHT in den Keller gehen. Welcome zu Nr. 9: Frei Paul Otto, Zeltdachkonstruktion des Olympiaparks in München. #Guckstu, übernehmen Sie!

Hallöchen! Na, habt ihr schon die Tomaten von den Augen, die Blätter vom Mund und die Stöpseln aus den Ohren genommen? Gut so, denn heute gucken wir mal nach oben und zwar auf:

Frei Paul Otto, Zeltdachkonstruktion des Olympiaparks in München-Oberwiesenfeld, Plexiglas und Acrylglasplatten, Stahlmasten, Seile 1972

Bildquellen der Bildstrecke: bahn.de, architektourist.de.

Sie: Wo sind meine Seidenstrümpfe, Otto, äh ich meine Frei??? (denkt: jetzt sind wir schon 15 Jahre verheiratet und ich kann mich immer noch nicht an diesen bekloppten Namen gewöhnen. Wer heisst denn Frei Otto, Otto Frei wäre richtig!)

Er (aus dem Hobbykeller): Moment, Otto, äh ich meine Ingrid. Ich hab´s gleich (denkt: jetzt sind wir schon 15 Jahre verheiratet und ich kann mich immer noch nicht an diesen bekloppten Namen gewöhnen. Wer heisst denn Ingrid Otto, Ingrid Frei wäre richtig. Ich meine Frei Ingrid, äh Otto Ingrid. Hach, diese Frau macht mich ganz durcheinander!)

Zugegeben, Otto Frei, äh ich meinte Frei Otto hatte ALLE Seidenstrümpfe von Ingrid Otto Frei oder wie sie auch immer hieß, entwendet. Nein, nein, nicht für das, was ihr jetzt denkt. Der Architekt spannte sie auf Drahtnetze und untersuchte ihre Formenvielfalt. Eigentlich durfte er nur die KAPUTTEN nehmen. Doch die waren längst aufgebraucht. Wir zählen das Jahr 1968 und Frei Otto entwickelte für das Olympiadorf in München eine fantastische Zeltdachkonstruktion. Das Architekturbüro Behnisch & Partner hatte den Wettbewerb gewonnen und den Spezialisten für innovative Zeltdächer Frei Otto mit ins Boot geholt.

Gottseidank hieß Benisch Günther und nicht Otto. Sonst wäre das 74.800 m² große, auf 58 Stahlmasten hängende Plexiglaswunder vor lauter namentlichen Missverständnissen nicht fertig geworden. Letztendlich entstand hier eines der wichtigsten deutschen Baudenkmäler des 20. Jahrhunderts. Und ganz ehrlich, das Dach ist eine Sensation, was Optik und Statik betrifft! Mich erinnert es an Wasser: Gläserne Wellen überspannen das Olympiastadion, die Olympiahalle und die Olympia-Schwimmhalle. München wollte damals ein temporär aufgespanntes textiles Zeltdach, das spektakulär preiswert gewesen wäre. Die BRD hingegen wollte eine spektakuläre Konstruktion. Die hat sie dann auch für 115 Mio DM gekriegt. Somit konnte Frei Otto seiner Ingrid den hohen Feinstrumpfhosen-Verschleiß ausgleichen.

Frei Otto (31.05.1925-09.03.2015) ist einer der führenden Vertreter der organischen Architektur. Er studierte an der TU Berlin und ging für einen Studienaufenthalt in die USA, wo er sich die moderne Architektur von Erich Mendelssohn, Frank Lloydt Wright und Mies van der Rohe #anguckte. In seinem 1952 eröffneten Berliner Büro entwickelte er eine Leichtbauweise auf Basis natürlicher Konstruktionsprinzipien. Er gründete verschiedene innovative Foschungseinrichtungen, wie die Entwicklungsstätte für den Leichtbau (1957), die Forschungsgruppe Biologie und Bauen an der TU Berlin (1961) und das Institut für Leichte Flächentragwerke an der TU Stuttgart (1964).

Das Zeltdach wurde sein Spezialgebiet, und die Überdachung des Olympiastadions in München machte ihn weltberühmt. Er baute das Bühnenbild für Pink Floyd und realisierte zahlreiche Zeltdachkonstruktionen im islamischen Raum. Nach dem Terrorangriff auf das World Trade Centers schlug er vor, dort gar nichts mehr zu bauen.

Nichts wäre bestimmt gut geworden! ©Berlin-Woman

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