Das fängt ja wirklich gut an: „Don´t call me Son“. Sabeene auf der Berlinale (11.-21.02.2016)

Berlinale: Don´t call me Son

Berlinale 2016 auf Berlin-WomanDie Berlinale ist in Berlin und unsere Filmexpertin Sabeene für uns unterwegs: Mein erster Berlinale Film war am Samstag „Don´t call me Son“ von Anna Muylaert, der in der Panorama-Reihe gezeigt wurde. Im letzten Jahr hat die Regisseurin mit „Ein Sommer mit Mama“ den Publikumspreis bekommen. Zu Recht, auch Berlin-WoMan schwärmt von diesem Film und empfiehlt ihn nach wie vor. Nun ihr zweiter Berlinale-Beitrag:

Folgendes steht im Berlinale Programmheft zu „Don´t call me Son“: „17jährig, mitten in der Pubertät, erfährt Pierre, dass seine … Mutter ihn als Baby gestohlen hat. Seine leiblichen Eltern wollen die verlorenen Jahre schnell …aufholen, aber Pierre will den idealen Sohn nicht spielen.“

Die Frage „Wer bin ich und wer will ich sein, ja wer darf ich sein“ ist schon schwer genug. Getoppt wird sie hier von der plötzlichen Leerstelle „Wo komm ich eigentlich her?“ Jede/r kennt doch diese pubertären Gedanken: vielleicht bin ich gar nicht das Kind meiner Eltern, vielleicht wurde ich auf der Entbindungsstation vertauscht. Hier ist das  bittere Realität.

Grandios, wie der Film die Story erzählt. Pierre muss zum Gentest, die Mutter wird kurz darauf verhaftet, und eine Sozialassistentin bringt ihn mit seinen leiblichen Eltern zusammen. Was dieses Gefühlskarussell in den Beteiligten auslöst, wird zwar nur angedeutet. Aber riesig ist die Hilflosigkeit gerade der Erwachsenen. Pierre hingegen beginnt, diese Leerstelle mit der Suche nach seiner Geschlechtsidentität zu füllen. In der Boutique, wo die Eltern ihn neu (und selbstverständlich schicker als bisher) einkleiden wollen, konfrontiert er sie mit Frauenkleidern. Es kommt zum handgreiflichen Showdown mit dem in seiner Mannesehre gekränkten Papa. Die Auflösung wird nicht verraten, nur so viel: sie ist sehr, sehr berührend.

Die vielen Schichten des Themas werden so dezent und geschickt, so sensibel und liebevoll miteinander verwoben, dass ich mit jeder Person mitfühlen konnte; weil auch jede Person mit ihren Gefühlen ernst genommen wird. Der Film richtet nicht, er breitet eine komplexe Situation vor uns aus. Er ist nicht so lustig wie „Der Sommer mit Mama“, kommt aber noch mal echter herüber.

Noch ein kleiner cineastischer Gag am Rande: die beiden Mütter werden von derselben Schauspielerin dargestellt, wie die Regisseurin nach der Vorstellung erklärte.

Don´t call me Son, weitere Termine auf der Berlinale:

Mi 17.02.2016, 22:30 Colosseum 1 (E)

Fr 19.02.2016, 20:00 CinemaxX 7 (E)

Sa 20.02.2016, 12:30 CinemaxX 7 (E)

Don´t call me Son, Info und Trailer

Der Sommer mit Mama auf Berlin-WoMan

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