Kino mit Sabeene: FAMILYBUSINESS – Altwerden im 21. Jahrhundert

Kino mit Sabeene

Family Business auf Berlin-Woman

 

Unsere Expertin für Film und Literatur, Sabeene, war wieder im Kino. Sie hat das FSK am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg, ihre Lieblings-Filmbühne, besucht und sich den Film „FAMILYBUSINESS“ angeschaut:

Beschrieben wird der Film als Doku über eine polnische Pflegekraft. Und das ist es auch. Ich sah die sehr behutsame und intensive Begleitung einer „Pflegebeziehung“ vom Beginn bis zu ihrem Abbruch.

 

Da ist erst einmal die Polin Jowita, ca. 40 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter. Sie muss Geld verdienen, das neue Einfamilienhaus in der Nähe von Breslau ist noch eine halbe Baustelle. Jowita macht einen Altenpflege-Kurs und lässt sich über eine Agentur vermitteln.

So kommt sie nach Bochum zu Anne, einer ca. 90jährigen Dame. Ihre Töchter können die Rundum-Betreuung nicht übernehmen und stellen jetzt Pflegekräfte ein. Die Frauen müssen die neue Situation erst mal lernen und für sich gestalten. Anne ist nicht krank, aber schwach. Tagsüber liegt sie auf dem Sofa und hat noch recht konkrete Vorstellungen, wie alles zu sein hat. Jowita leidet unter Heimweh. Nur begrenzt helfen die Skype-Telefonate,und als nach 2 Monaten die Ablösung kommt, fährt sie erleichtert nach Hause.

Wir erleben den Wechsel der Pflegekräfte, den Fortschritt des Eigenheimbaus in Polen, Differenzen zwischen den beiden Pflegerinnen, vor allem, was die Zeiträume ihrer Einsätze betrifft. Der Film begleitet die Frauen ein Jahr lang, in dem Anne immer hinfälliger wird.

Obwohl die Situationen sehr persönlich sind, wird auch vieles Typische gezeigt: die Spannung zwischen den Generationen, die Pflege als reines Frauenthema (die Männer tauchen nur an Weihnachten auf), und die Inneneinrichtung als Zeitdokument. Für alle, die mit der Thematik zu tun haben, hat der Film so einige Wiedererkennungseffekte parat.

Hut ab vor den Protagonist.innen, die uns einen solchen Einblick in ihr Leben gestatteten. Und vor der Regisseurin (Christiane Büchner), die das prägnant und liebevoll umgesetzt und unseren Blick auf das Wesentliche gelenkt hat. Nah dran mit der Kamera, aber sachlich, nicht voyeuristisch lässt sie uns Zeit zum Beobachten und Anteilnehmen.

FAMILYBUSINESS, ein Dokumentarfilm von Christiane Büchner, 2014, 89 min, deutsch und polnisch mit UT

FAMILYBUSINESS in den Berliner Kinos

FAMILYBUSINESS, Trailer

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