Berlin-Women: die Schwestern Käthe, Agnes und Susanne Loewenthal, never forget!

Berlin-Women

Käthe, Agnes und Susanne Loewenthal auf Berlin-Woman
Käthe, Agnes und Susanne Loewenthal mit ihrer Familie 1892, Bild bearbeitet nach: https://galeriederpanther.files.wordpress.com/2012/02/familie-loewenthal-1892.jpg

Ihr Elternhaus war jüdisch liberal. Die drei Schwestern Loewenthal und Berlin-Women genossen eine für Frauen der Zeit sehr aufgeschlossene Bildung. Ihr Vater Wilhelm Loewenthal, ein international anerkannter Berliner Augenarzt und Hygieniker, nahm die Mädchen oft mit auf Reisen. Käthe und Susanne wurden Malerinnen, Agnes Fotografin. Die Nazis verfolgten sie, rissen die Familie auseinander und Käthe und Agnes in den Tod. Eines der abertausenden deutsch-jüdischen Schicksale, die wir höchstens vergeben, aber niemals vergessen können. Hier erfahrt ihr mehr über das kreative Trio und seine dramatischen Lebenswege:

Käthe Loewenthal (27. März 1878-1942 Deportation nach Izbica/Polen; für tot erklärt) ist die älteste Tochter. Sie lernte in der Schweiz die Kunst von Ferdiand Hodler kennen und nahm 1895 ein Studium bei ihm auf. Bei ihm fand sie zur Landschaftsmalerei. Sie bildete sich in Berlin und München weiter und stellte in ganz Deutschland aus. 1900 ging es nach Paris, 1902 nach Italien. 1903 besuchte sie das Berliner Malereiatelier von Leo von König, 1905 die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins. 1909/10 zog sie mit ihrer Freundin Erna Raabe nach Stuttgart. Noch einmal studierte sie bis 1914, beim abstrakten Künstler Adolf Hölzel an der Kunstakademie und bezog ein Atelier im städtischen Atelierhaus. Während sich viele Künstler aus dem Hölzel-Kreis für den Krieg und die Revolution begeisterten, vertrat Käthe Loewenthal eine eher konservative Ansicht, setzte sich aber auch für die Gleichberechtigung ein. Sie wurde Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein, im Stuttgarter Künstlerbund und in der Stuttgarter Secession. In der Nazizeit musste sie Wohnung und Atelier aufgeben. Ein Malverbot kappte alle kreativen Möglichkeiten. Käthe Loewenthal pflegte ihre schwerkranke Freundin Erna Raabe, versteckte ihre Bilder und hielt Kontakt zu anderen verfemten Künstlern. 1941 wurde sie deportiert, kam ins Württembergische Lager Weißenstein und 1942 ins Konzentrationslager Izbica, wo sie für tot erklärt wurde.

Agnes Schaefer, geb. Loewenthal (08.04.1882-13.10.1933 vermisst in den Bergen Griechenlands) ist die dritte Tochter der Familie. Sie lernte im Berliner Mädchen-Gymnasium der Frauenrechtlerin Helene Lange und schloss 1900 ab. 1905 reiste sie nach Sydney und hielt sich bis 1907 auf der Südseeinsel Samoa auf, die damals deutsche Kolonie war. Die Mutter zweier Kinder zog es 1909-1919 ins Zentrum der Reformbewegung, Hellerau bei Dresden. Hier begann sie unter dem Einfluss von Erna Lendvai-Dircksen zu fotografieren. Sie beschäftigte sich mit Tanztheater und Rhythmischer Gymnastik. 1918 ließ sie sich von Walter Schaefer scheiden, den sie 1907 geheiratet hatte. 1920-22 studierte Agnes Fotografie an der Letteschule in Berlin. Sie arbeitete für Lendvai-Dircksen und Eduard von Wasow. 1923 wanderte die Fotografin nach Griechenland aus und finanzierte ihre Familie mit Sprachenunterricht. Zehn Jahre lang war sie für das Athener Fotostudio von Nikos Zographos tätig, portraitierte deutsche Gelehrte, Künstler und Touristen. 1933 floh sie vor den Nazis in die griechischen Berge, wo sich ihre Spur verlor.

Susanne Ritscher, geb. Loewenthal (30.01.1886-1975) ist die jüngste Tocher der Familie. Sie folgte zunächst der großen Schwester Käthe, begleitete sie auf ihre Italienreise und studierte wie sie an der Damenakademie in München, das war 1906-09. Sie baute sich eine Existenz als freischaffende Künstlerin auf und kaufte ein Fischerhaus auf Hiddensee. 1914 meldete sie sich freiwillig zum Lazarettdienst im Ersten Weltkrieg, 1915 heiratete sie den Kapitän Alfred Ritscher, mit dem sie in Hamburg wohnte. Das Paar hatte 2 Kinder. 1924 zog Susanne nach Berlin-Schöneiche. 1934 ließ sie sich scheiden. 1944 tauchte sie in der Schwäbischen Alp vor der Naziverfolgung unter, flüchtete weiter nach München und wurde im Febr. 1945 ins Lager Berg am Laim interniert. 1950 nahm sie ihre Malerei wieder auf. Sie starb im Alter von 89 Jahren eines natürlichen Todes, als einzige der drei Schwestern.

Forgive but never forget!

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