#Guckstu Nr. 8: Jan Vermeer, Herr und Dame beim Wein, 1658-1660

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Jan Vermeer, Herr und Dame beim Wein, ÖL/Lw, 66,3×76,5 cm, 1658-1660, Gemäldegalerie Berlin. Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Herr_und_Dame_beim_Wein

Wir sind die einzige tägliche Wochenzeitung Berlins. Was das ist, wissen wir selbst nicht so genau, aber das Netz macht´s möglich. Unsere Kolumne schreibt die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers! Sie scheut sich nicht, hier unregelmäßig ihren Bilder-Unsinn auszubreiten. Freut euch auf die satirischen Minivorlesungen #Guckstu. Denn wir haben keine Tomaten auf den Augen, keine Stöpsel im Ohr und gehen nicht zum Lachen in den Keller. Welcome zu Nr. 8: Herr und Dame beim Wein von Jan Vermeer. #Guckstu, übernehmen Sie!

Goedemorgen! Das ist Holländisch und heisst so viel wie „guten Morgen“. Habt ihr euch fast gedacht? Ihr seid ja auch die Schlauen und Guten. Heute gucken wir mal hinter die Kulissen und zwar bei:

Jan Vermeer, Herr und Dame beim Wein, ÖL/Lw., 66,3×76,5 cm, 1658-1660, Gemäldegalerie Berlin SMPK

Was die Kunstgeschichte auch immer hat, bzw. nicht hat! z.B. mit diesem schönen Bild von Jan Vermeer, das alle Berliner/innen täglich in der Gemäldegalerie angucken können. Ich zitiere aus dem dazugehörigen Wikipedia-Artikel: „Die Personenkonstellation gibt einen Hinweis auf eine sich anbahnende Liebschaft zweifelhaften Charakters. Trotzdem transportiert das Gemälde keine vordergründige Erotik, sondern eine Mahnung für ein tugendhaftes Leben. Das Motiv der Temperantia wird in der Wappenscheibe mit dem Attribut der Zügel aufgegriffen“. So eine Moralapostelei und immer noch nix gesagt! Das ändern wir gleich mal. Denn der Herr, der mit Umhang und Schlapphut wie ein französischer Kavalier ausschaut, und die Dame im roten Sonntagskleid mit Goldbordüren und sittsamer Haube, haben sich doch ein wenig mehr zu sagen. Hören wir zu:

Er führt sie in den Raum: Kommen Sie herein, werte Dame. Ein schöner Raum, nicht. Feinste Kacheln und feinstes Glas aus Delft. Gucken Sie sich nur um. Einen Schluck Wein gefällig?
Er senkt den Kopf, sein Hut verschattet das Gesicht, damit man seine Gedanken nicht lesen kann: Geiles Weib, dich mach ich blau. Und dann mach ich mit dir, was immer ich will.
Sie nimmt das Weinglas: Oh, vielen Dank. Der Wein ist köstlich. Was für ein schönes Wappen.
Sie senkt ihr Gesicht, das die Haube bedeckt, damit man ihre Gedanken nicht lesen kann: Schicker Lackaffe, dich trink ich untern Tisch und dann mach ich mit dir, was ich will.
Er schenkt ihr nach: Noch etwas Wein? Und gucken Sie das schöne Wappen von Jannetje Vogel. Lieben Sie Vögel?
Und gedankenvoll: n.
Sie sagt: Das Wappen ist wundervoll. Ja ich liebe Vögel.
Und tief in ihr Glas: n.

Dann kommt die Laute ins Spiel, es fließt noch mehr Wein und … der Ausgang der Geschichte liegt im dritten Auge des Betrachters, das ist unsere Fantasie, der bekanntlich keine Grenzen gesetzt sind.

Von Jan Vermeer (1632-1675) – neben Rembrandt der bekannteste Maler des holländischen Barock – wissen wir nicht viel. Nur 37 seiner Gemälde sind erhalten, darunter das berühmte Mädchen mit dem Perlenohrring, die Briefleserin und die Malkunst. Im goldenen Zeitalter, der wirtschaftlichen und politischen Blütezeit in den Niederlanden, galt die Malerei als Handwerk, allerdings als ein bedeutungsvolles, edles. Ein Genrebild von Vermeer war wie ein wertvolles Schmuckstück, mit dem man tüchtig angeben konnte. Der Maler verwendete teure Farbpigmente und man munkelt, dass er mit der Camera Obscura, dem Vorläufer des Fotoapparates, herumexperimentiert hat.

Vermeer muss gut verdient haben, denn er brachte 15 Gören über die Runden. Offenbar führte er eine Kneipe in Mechelen am Delfter Markt, wo auch unser Bild entstanden ist. Logisch, den Herrn und die Dame beim Wein sah der malende Wirt jeden Tag. In der Kneipe unterhielt er auch seinen Kunsthandel, da konnte man dann gleich das Bild seiner Schandtaten kaufen. Als Ablass sozusagen.

Vermeers Bilderwert steigert sich zunehmend. Adolf Hitler erwarb 1940 die Malkunst für 1.650.000 Reichsmark. Mittlerweile erreicht ein Vermeer-Gemälde die zweistellige Mio-Marke. Also, guckt mal bei Oma auf dem Speicher oder im Keller, vielleicht findet ihr das 38. Bild. Und sagt Bescheid, damit wir ein Gläschen darauf trinken können. Proost ©Berlin-Woman.

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Herr_und_Dame_beim_Wein

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