Berlin-Women: Charlotte Berend-Corinth

Berlin-Women

Charlotte Berend-Corinth 1924, Bild: publishing.cdlib.org
Charlotte Berend-Corinth 1924, Bild: publishing.cdlib.org

„Lieber Gott. Führe mich heraus aus dieser Familie, laß mich nicht schwatzhaft werden. Nicht alltäglich. Führe mein Leben woanders hin, laß mich eine Künstlerin werden…“ schrieb die junge Charlotte Berend. Ihr Wunsch wurde erhört. Doch Charlotte Berend-Corinth  musste sich ihren Werdegang hart erkämpfen, nicht zuletzt an der Seite ihres genialen wie despotischen Ehemanns, Lovis Corinth. Hier erfahrt ihr mehr von der bekannten Künstlerin und Secessionistin, sowie von Szenen einer intensiven Künstlerehe.

Charlotte Berend-Corinth (27.05.1880-10.01.1967) entstammt einer jüdischen Unternehmersfamilie. Schon mit 4 Jahren zeigte sich ihr künstlerisches Talent. Stets hatte sie ihren Zeichenblock dabei, auch besuchte sie häufig die Berliner Gemäldegalerie. Charlotte wollte Malerin werden! Nach dem Besuch eines Mädchenlyzeums erstritt sich Charlotte Berend-Corinth 1898 eine Ausbildung an der Staatlichen Kunstschule in der Klosterstraße in Berlin-Mitte und 1899 an der renommierten Schule am Kunstgewerbemuseum Berlin. Sie nahm am Aktunterricht in der Herrenklasse teil, ein Privileg, denn Frauen waren zu diesem Fach in der Regel nicht zugelassen.

1901 kam die Künstlerin in die frisch gegründete „Malschule für Weiber“ des Secessionisten Lovis Corinth. Ihm stand sie als Modell und ab 1904 als Ehefrau und als Mutter ihres Sohnes (*1904) zur Seite. Das Paar bekam 1909 noch eine Tochter. Der 22 Jahre ältere Corinth führte Charlotte in die Berliner Gesellschaft ein, unterband jedoch ihre künstlerische Entfaltung. Wenn Charlotte Berend-Corinth malte, waren es Motive zum Thema Mutterdasein, u.a. das Bild einer Frau in den Geburtswehen, das sie 1906 in der Berliner Secession ausstellte.

1911 erlitt Corinth einen Schlaganfall, die Künstlerin pflegte ihn und sorgte ab 1918 für den Hausbau in Urfeld am Walchensee. Hier produzierte Corinth nach seiner Genesung die berühmten Walchensee-Bilder, Porträts und Stillleben. Kaum zu glauben, aber der Maler verbot Charlotte Berend-Corinth, selbst Landschaftsbilder von der Umgebung zu malen. Ab 1917 hatte sie ihre Arbeit wieder aufgenommen, malte und fertigte Lithographien an, darunter hervorragende Mappenwerke und Portraits von Persönlichkeiten aus der Theaterbranche, wie Anita Berber, Max Pallenberg, Fritzi Massary und Valeska Gert. Diese „Verkaufsschlager“ machten Charlotte Berend-Corinth deutschlandweit bekannt.

In den 1920er Jahren kam Charlotte Berend-Corinth vollends zu sich und ihrer Kunst. 1924 wurde sie in den Vorstand der Berliner Secession gewählt. Sie machte eine Studienreise nach Spanien und Paris. Nach dem Tod von Corinth 1925, für den sie die Nachlaßverwaltung übernahm, eröffnete sie eine eigene Malschule, bereiste Italien, die Türkei, Ägypten und Skandinavien. In der Nazizeit wurde sie aus der Secession ausgeschlossen. Sie zog sich nach Alassio in Italien zurück, spezialisierte sich auf die Landschaftsmalerei und baute Kontakte in den USA auf.

Dort hatte sie 1936 ihre erste Ausstellung, gefolgt von Gruppen- und Soloshows in Pittsburgh und New York. 1939 wanderte sie aus und lebte bis 1945 in Santa Barbara in Kalifornien. Dann zog sie zu ihrer Familie nach New York, malte Landschaften, Stillleben und Portraits und hatte zahlreiche Einzelausstellungen in Galerien und Museen. 1948 erschien ihre Autobiographie: Mein Leben mit Lovis Corinth, 1950 Als ich ein Kind war, 1958 das Werkverzeichnis der Gemälde von Lovis Corinth und 1960 ein weiteres Erinnerungsbuch unter dem Titel: Lovis.

In den 1950er Jahren nahm sie wieder Kontakt zu Deutschland auf, reiste durch Europa und stellte in Berlin und München aus. In den 1960er lag ihr Fokus auf den USA und auf Deutschland. 1967, in ihrem Todesjahr, richtete die Neuen Nationalgalerie Berlin ihre Retrospektive aus. Aktuell sind in der Liebermann-Villa Werke von Charlotte Berend-Corinth und ihrer Secessionskolleginnen zu sehen.

Frauen der Secession II, Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, 14109 Berlin, bis 29.02.2016

 

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