Berlin-Women: Lee Krasner

Berlin-Women

Lee Krasner, ca. 1938, Archives of American Art Smithsonian Institution. Bild: http://www.aaa.si.edu/collections/items/detail/lee-krasner-7618
Lee Krasner, ca. 1938, Archives of American Art Smithsonian Institution. Bild: http://www.aaa.si.edu/collections/items/detail/lee-krasner-7618

Lee Krasner (27.10.1908-19.06.1984) ist eine US-amerikanische Malerin und vielen als Ehefrau des berühmten Action-Painters Jackson Pollock bekannt. Dass sie auch eine hervorragende Künstlerin war, kann man sich in der aktuellen Ausstellung „Jackson Pollock´s Mural. Energy Made Visible“ vergegenwärtigen, wo auch Arbeiten von ihr zu sehen sind. Lee gehört neben Helen Frankenthaler, Elaine de Kooning und Joan Mitchell zu den Hauptvertreter.innen des abstrakten Expressionismus der USA. Hier erfahrt ihr mehr:

Lee Krasner stammt aus einer orthodoxen ukrainisch-jüdischen Migrantenfamilie. Sie wuchs mit 4 Geschwistern auf. Bereits auf der Washington Irving High School for Girls entschied sie sich für eine Kunstkarriere. 1926-1932 studierte sie an der Art School of Cooper Union und der National Academy of Design. Sie erlernte die Maltechniken der Alten Meister und Portraitmalen. Auch begeisterte sie sich für den Postimpressionismus den sie im Moma kennengelernt hatte. 1937-40 studierte sie bei Hans Hofmann, befasste sich mit dem Kubismus und beschäftigte sich mit der Kunstheorie von Harold Rosenberg. All das gab ihr entscheidende Impulse zur freien Malerei. Bis 1939 war sie mit dem russischen Maler Igor Pantuhoff zusammen. In dieser Zeit verdiente sie ihr Geld zunächst als Kellnerin, dann als Assistentin von Max Spivak im WPA Federal Art Project. In Kriegszeiten arbeitete sie für den War Service.

Krasner war Mitglied in der Artists Union, die sie für die American Abstract Artists aufgab. Hier traf sie die zukünftigen abstrakten Expressionisten Willem de Kooning, Arshile Gorky, Mark Rothko, Barnett Newman u.a. und stellte 1940 mit ihnen aus. Auch lernte sie den 4 Jahre jüngeren Jackson Pollock kennen. Mit ihm gründete sie eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft. Zusammen lösten sie sich vom Figurativen und gelangten zur abstrakten Malerei, die sie aus Farbflächen und -collagen entstehen ließen. Das Paar heiratete, und spätestens dann ist es schwer, die gegenseitigen künstlerischen Inspirationen auseinanderzuhalten. Der Alkohol kranke und psychisch labile Pollock war kein einfacher Partner, Krasners Rolle bestand darin, ihn persönlich und künstlerisch zu stabilisieren. 1945 bezogen sie ein Künstlerhaus in Springs auf Long Island, das heute zum National Historic Landmarks der USA gehört. Pollock machte eine kometenhafte Karriere, die ihn jedoch zerrieb, ihre Ehe zerstörte und ihn 1956 in den Unfalltod trieb.

Pollocks Tod war für die Künstlerin einschneidend. Auf ihn folgte ihre endgültige künstlerische Befreiung. Sie malte viele einer Farbe gewidmete Serien, oft mit extremen Stilwechseln. Sie setzte Hieroglyphen und Texturen ein und erprobte sich in monochromer gestischer Malerei und Farbfeldmalerei. Obwohl Krasner viele Arbeiten zerstörte, umfasst ihr Oeuvre fast 600 Werke, Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Mosaike. 1951 hatte sie eine große Soloshow in der Betty Parson Gallery, es folgten viele Ausstellungen, so 1965 ihre Retrospektive in der Londoner Whitechapel Art Gallery. Krasners letzter Wille war die Gründung einer Stiftung. Seit 1985 fördert die Pollock-Krasner-Foundation Künstler.innen und Kunstinstitutionen.

In der Ausstellung „Jackson Pollock´s Mural. Energy Made Visible“ ist Krasner mit verschiedenen Arbeiten vertreten. Ihr großformatiges Werk „Another Storm“ hängt dem gefeierten Wandbild „Murals“ von Jackson Pollock gegenüber. Das 1963 entstandene Gemälde Krasners besteht aus roten und weißen Farbstrukturen: aufwärts strebenden Formen, die durch die gestische Malerei entstanden sind. Das Bild lebt sowohl vom Rhythmus der beiden kraftvollen Farben als auch von der Struktur, die Krasner durch dichte Übermalung erzielt hat. Man kann es auf vielfache Weise „lesen“, und mit jedem Blick bieten sich neue Perspektiven. Krasners Arbeiten hängen neben denen von Andy Warhol, Robert Motherwell, Aaron Siskind und Hauptvertreter.innen der USamerikanischen abstrakten Fotografie. Und das ist ganz richtig so!

Jackson Pollock´s Mural, Energy made visible, Deutsche Bank Kunsthalle, Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin, täglich, 10:00-20:00 Uhr, bis 10.04.2016

#Guckstu, Minivorlesung über: Jackson Pollock

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