Kino mit Sabeene: männlicher Tiefgang und frauenfreundliche Happyends. Dezemberauslese

Kino mit Sabeene

carol-cannes-film-festival-2. Courtesy of Cannes Film Festival. Bild: variety.com
carol-cannes-film-festival-2. Courtesy of Cannes Film Festival. Bild: variety.com

Im Dezember habe ich einiges nachholen müssen, da ich 3 lange Monate arbeitstechnisch vom Kinoprogramm abgeschnitten war – mit 2 Ausnahmen: Die Premiere „Der Staat gegen Fritz Bauer“ mit dem tollen Burghart Klaußner zum Thema Umschwung in der deutschen Nachkriegsgeschichte, vom Weggucken zum Hingucken. Ersetzt locker ein halbes Jahr Geschichtsunterricht . Und die andere Ausnahme war der brasilianische Streifen: „Der Sommer mit Mama“, den wir hier ausgiebig besprochen haben. Nun aber zu meiner Dezember-Auslese:

Neben „ James Bond – Spectre“, den wir hier schon besprochen haben, empfehle ich „Das brandNeue Testament“. Der Film ist lustig, durchaus mit Tiefgang, erfreut die Atheistin, hat ein paar schöne Gags und Göttin sei Dank ein frauenfreundliches Happyend. Den Film kann man sich auch gut mit Kindern anschauen, vielleicht ergibt sich sogar ein Gespräch danach.

Noch mehr Tiefgang bietet „Irrational Man“ von Woody Allen. Der Titelheld ist ein Philosophieprofessor, neu an dem US-Bilderbuchcollege. Was macht einen Mann mit Narbe auf der Oberlippe, Flachmann in der Tasche und Wampe so sexy? Das von Selbstzweifeln getränkte philosophische Gequatsche? Er spielt Schicksal und hält sich für den Größten, dadurch bekommt die Geschichte Drive und etwas von einem Krimi. All dies wird sehr überzeugend von Joaquin Phoenix verkörpert. Das ist die eine Seite …immerhin braucht er ja eine Dialogpartnerin und Emma Stone spielt ganz wunderbar eine kluge Studentin, die sie sich von ihm be- und dann auch entzaubern lässt. Normalerweise läuft Woody ja auch einmal durch seine Filme, dieses Mal haben ich ihn nicht gesehen.

Den Film „Ewige Jugend“ wollte ich erst gar nicht anschauen. Zwei alte Männer gucken schönen Körpern hinterher, das wirkte doch sehr klischeehaft auf mich. Ein Freund überredete mich, der Film sei tief philosophisch (noch mehr Tiefgang?) und es geht eben nicht ums Klischee. OK. Auch dies ein eher wortlastiger Film, der nicht nur die beiden Hauptdarsteller (Michael Caine und Harvey Keitel) recht genau beobachtet und bei allen Marotten aber nicht vorführt. Am meisten hat mich Jane Fonda beeindruckt, die einen leider kurzen, aber imposanten Auftritt hat.

Gilt noch die alte Werbung: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino!?

Für den folgenden Film eindeutig: JA! Ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin Carola war der Film „Carol“ nach einer Erzählung von Pat Highsmith mit Cate Blanchett und Rooney Mara…in den Hauptrollen als Carol und Therese. Carol spielt zur Weihnachtszeit, macht gar nix, dass Weihnachten ja schon vorbei ist. Erstens ein Super-Ausstattungsfilm. Klamotten, Autos, Deko und Dekor, alles 1950er Jahre American Middleclass vom Feinsten. Im Film passiert nicht und doch so viel: Carol und Therese lernen sich beim Weihnachtseinkaufsrummel kennen, verlieben sich, was Carols Noch-Ehemann zum Anlass nimmt, ihr das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter aberkennen zu lassen. Dadurch würden alle unglücklich, daher sucht Carol nach einer anderen Lösung. Bereits 1952 veröffentlichte P. Highsmith den gleichnamigen Roman (unter Pseudonym) und beschreibt damit sehr präzise die bigotten Moralvorstellungen jener Zeit.

Mehr will ich nicht erzählen; der Film lebt und erzählt durch unglaublich tolle Bilder und Schnitte, oft unscharf und verwischt hinter Autoscheiben. Ich denke das beschreibt die Suche der beiden und die Zeit, die dabei vergeht: Vieles wird einfach nicht ausgesprochen, bleibt im Ungefähren, in Andeutungen. Dafür sprechen die Gesichter und Gesten der Schauspielerinnen eine dermaßen beredte Sprache, dass die Dialoge fast überflüssig scheinen. Dieser Film zeigt den wunderschönen goldenen Käfig, in dem Frauen vor 70 Jahren gefangen waren. Zumindest, wenn frau in bestimmten Kreisen lebte. Feminismus sei Dank, ist das heute anders möglich.

Nach dem Film ist vor dem Film, Berlinale ist im Februar, deshalb auch für 2016 viel Spaß im Kino und: Film ab!

das brandNeue Testament in den Berliner Kinos

Irrational Man in den Berliner Kinos

Ewige Jugend in den Berliner Kinos

Carol in den Berliner Kinos

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