Berlin-Women: Augusta von Zitzewitz, Malerin (26.12.1880-15.11.1960)

Berlin-Women

Augusta von Zitzewitz, Sonderheft "die Aktion" 1918, Bild: http://www.moma.org/rails4/collection/artists/41156?locale=zh
Augusta von Zitzewitz, Sonderheft „die Aktion“ 1918, Bild: http://www.moma.org/rails4/collection/artists/41156?locale=zh

Augusta von Zitzewitz ist eine waschechte Berlin-Woman. Die bildende Künstlerin machte Karriere in einer Zeit, die es Frauen schwer machte. Davon ließ sich von Zitzewitz nicht irritieren, sie studierte in Paris, stellte auf großen Kunstschauen aus und portraitierte die Berliner Prominenz der 1920er Jahre. Ihr Malstil ist farbig-expressiv. Aktuell sind Werke von ihr in der Liebermann Villa zu sehen. Hier mehr zum Leben und Werk der spannenden Secessionistin:

 

Augusta von Zitzewitz (26.12.1880-15.11.1960) stammt aus einer preußisch-monarchistischen Familie, ihr Vater ist kaiserlicher Flügeladjudant, ihre Mutter kommt aus England. Mit ihren 8 Geschwistern wächst sie zweisprachig auf. Sie will Malerin werden und besucht 1907-1911 die Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Hier lernt sie u.a. beim Secessionisten Georges Mosson und eröffnet ein eigenes Atelier. In diesem Umfeld trifft sie Käthe Kollwitz, die ihr rät, zum Weiterstudium nach Paris zu gehen. In Deutschland ist es immer noch sehr schwierig, als Frau an einer Kunstakademie aufgenommen zu werden.

1912-14 setzt Augusta von Zitzewitz die Idee in die Tat um und studiert an der Pariser Académie Julian. In Paris kommt sie in Kontakt mit dem avantgardistischen Künstlerkreis um Henri Matisse im Café du Dome und den Kubisten. Zurück in Berlin heiratet die Malerin den jüdischen Kunsthistoriker Erich Römer, 1915 wird die gemeinsame Tochter geboren. Neben Sabine Lepsius wird sie DIE Portraitistin der Berliner Prominenz, es entstehen Bildnisse von Alfred Kerr, Max Herrmann-Neiße, Claire Waldorff und Renée Sintenis. Augusta von Zitzewitz malt zudem Landschaften, Interieurs, Stillleben und Akte. Auch macht sie seit 1917 Holzschnitte und erstellt u.a. Illustrationen für die Zeitschrift die Aktion.

Die Künstlerin bereist Italien, Holland, Skandinavien, England und Südfrankreich. Sie pflegt Freundschaften mut Rainer Maria Rilke, Albert Einstein, Gottfried Benn, Franz Mehring und Hedwig Dohm. Als Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen, der Berliner Secession, der Freien Secession, im Deutschen Künstlerbund und Hiddenseer Künstlerinnenverein beteiligt sie sich an deren großen Kunstschauen. Renommierte Galerien wie Flechtheim, Cassirer, Ferdinand Möller und I.B. Neumann vertreten sie.

1933 bricht der Erfolg ab, die Nazis erteilen ihr Berufsverbot. Dank enger Kontakte zu Sammler.innen und Auftraggeber.innen in den USA übersteht Augusta von Zitzewitz die repressiven Jahre im nationalsozialistischen Deutschland. Nach 1945 hat sie wieder Ausstellungen in ganz Deutschland, u.a. eine Retrospektive im Kunstamt Berlin-Charlottenburg. Ihre Werke befinden sich im Privatbesitz, in der Stiftung Pommern in Kiel, in der SMPK Berlin, der Albertina in Wien und im MoMa in New York. An ihrem Haus in der Reichsstr. 96-97 in Berlin-Westend erinnert eine Gedenkplakette an die Künstlerin, zu der es noch viel zu erforschen und zu würdigen gibt!

Augusta von Zitzewitz, aktuell in der Ausstellung: Frauen der Secession II. Julie Wolfthorn, Charlotte Berend-Corinth, Maria Slavona, Augusta von Zitzewitz, Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, 14109 Berlin, 6/4 €, täglich außer dienstags 11:00 – 17:00 Uhr, bis 29.02.2016

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