Berlin-Women: Nell Walden

Berlin-Women

Ein Leben im STURM: Nell Walden 1926, Bild: Nell Roslund www.schirn.de
Ein Leben im STURM: Nell Walden 1926, Bild: Nell Roslund www.schirn.de

Nell Walden studierte Musik, machte das Organistendiplom und war mit dem schwedischen Architekten Folke Bensow verlobt. Dann traf die 24-Jährige Herwarth Walden und alles wurde anders! Hier erfahrt ihr mehr über ein aufregendes Frauenleben am Anfang des 20. Jahrhunderts, von dem wir uns echt mal ein Stück abschneiden sollten:

Nell Walden, geb. Ana Charlotta Roslund (29.12.1887-21.10.1975) ist eine schwedisch-schweizerische Avantgardistin. Sie malte, musizierte, schrieb und sammelte als allererste die Kunst der Expressionsten. 1912-1924 war sie mit dem Verleger und Galeristen Herwarth Walden verheiratet. Maßgeblich trug sie zu seinen Berliner Sturm-Projekten bei. Und gewiss auch zu der Tatsache, dass sehr viele Künstlerinnen in der Galerie und der Zeitschrift des „Sturm“ bekannt gemacht wurden.

Die schwedische Pfarrerstochter machte ihr Abitur in Trellborg und studierte Musik in Lund, das sie 1908 mit dem Organistendiplom abschloss. Im Haus ihrer Schwester traf sie Herwarth Walden, löste die Verlobung mit ihrem Freund, dem schwedischen Architekten Folke Bensow auf und ging nach Berlin. Dort hatte Walden 1910 die Zeitschrift „der Sturm“ gegründet. 1912 wurde in London geheiratet, die Sturm-Galerie in Berlin gegründet und die Expressionistengruppe „der Blaue Reiter“ ausgestellt.

1913 folgte die legendäre Schau „Erster Deutscher Herbstsalon“, an dessen Durchführung Nell intensiv beteiligt war. Die Schau präsentierte DIE internationale avantgardistische Kunst, 360 Arbeiten von 80 Künstler.innen: Marc Chagall, die Expressionist.innen, die russischen Avantgardist.innen, die Dadaist.innen, die Futurist.innen und die Künstler.innen der Neuen Sachlichkeit.

Ab 1914 arbeitete Nell Walden als Journalistin und Übersetzerin. Das „Nachrichtenbüro der Sturm“ war im Dienst der nordischen Länder tätig und bildete die finanzielle Grundlage für die Kunstprojekte. Nell begann Kunst zu sammeln und erwarb Werke von Klee, Kandinsky, Chagall, Marc, Macke, Kokoschka, Archipenko u.a. Ihr ist es zu verdanken, dass wir heute diese Juwelen der Avantgardekunst kennen, denn sie rettete 1933 ihre Sammlung vor den nationalsozialistischen Kunsthäschern in die Schweiz.

Bis dahin sollte aber noch einiges geschehen. Nell kaufte auch afrikanische, ozeanische und asiatische Kunst und begann 1915 selbst zu malen, wobei sie sich von der Hinterglaskunst  und Volkskunst inspirieren ließ. In der neu gegründeten Sturm-Kunstschule nahm sie Unterricht bei den besten Avantgardekünstlern Rudolf Bauer, Heinrich Campendonk, Georg Muche und Lothar Schreyer. 1917 stellte sie erstmals ihre eigenen, abstrakten Bilder aus, dann zeigte sie regelmäßig ihre fantastischen abstrakten Arbeiten. Nell machte alle Aktionen, Aktivitäten und Anwandlungen ihres kreativen Ehemannes mit. Nicht aber seine Begeisterung für den Kommunismus, der Anlass wurde, dass sich die Künstlerin 1924 scheiden ließ.

Zwei Jahre später heiratete sie den jüdischen Arzt Hans Hermann Heimann. Zu dessem Schutz ließ sie sich 1933 formal scheiden und siedelte nach Ascona (Schweiz) über, wo sie mit ihrem Partner zusammenleben wollte. Doch Heimann wurde von den Nazis in Haft genommen, deportiert und getötet. Nell Walden, die auch Gedichte schrieb und veröffentlichte, übergab ihre Kunstsammlung an die Schweizer Museen, 1954 wurde ein Großteil versteigert. 1940 ging die Künstlerin eine Ehe mit dem Schweizer Lehrer Hannes Urech ein. Walden, die u.a. 1968 das Bundesverdienstkreuz der BRD erhielt, starb 1975 in Bern. Ihr künstlerisches Ouevre befindet sich u.a. im Moderna Museet in Stockholm und im Kunstmuseum Bern.

Aktuell sind Arbeiten von ihr in der Ausstellung „Sturm-Frauen. Künstlerinnen in Berlin 1910-1932“ in der Frankfurter Schirn zu sehen. Nichts wie hin!

Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932, Kunsthalle Schirn, Frankfurt/M., bis 07.01.2016

Herwarth Walden auf Berlin-Woman

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