Berlin-WoMen: Rainer Maria Rilke (04.12.1875-29.12.1926)

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Leonid Ossipowitsch Pasternak, Rainer Maria Rilke, 1921-24 (Photo: Ashmolean Museum, University of Oxford). Bild: Rainer Maria Rilke, www.en.wikipedia.org
Leonid Ossipowitsch Pasternak, Rainer Maria Rilke, 1921-24 (Photo: Ashmolean Museum, University of Oxford). Bild: Rainer Maria Rilke, www.en.wikipedia.org

„Licht ist sein Loos, ist der Herr nur das Herz und die Hand des Bau’s, mit den Linden im Land wird auch sein Haus schattig und groß“ steht über der Pforte des berühmten Barkenhoffs in Worpswede. Die Worte stammen von Rainer Maria Rilke, einem der bedeutendsten Dichter der deutschen Moderne. Rilke hatte zahlreiche Bewunderer, Mäzene und Liebesaffären, die ihm zu seiner literarischen Karriere verhalfen. Am 04.12. jährt sich sein Geburtstag zum 140. Mal. Hier unser Einblick in sein rastloses Dichterleben.

Rainer Maria Rilke (04.12.1875-29.12.1926) ist Dichter, Kunstschriftsteller, Autor und Übersetzer. In seinen Gedichten sieht er die Einheit von bildender Kunst mit Poesie. In seinem umfangreichen Briefnachlass ist die gesamte Prominenz seiner Zeit vertreten, darunter viele Künstlerinnen. Rilke stammt aus einer österreichisch-ungarisch-böhmischen Beamtenfamilie und wird von seiner alleinerziehenden Mutter Sophie Entz gefördert. Die ihm zugedachte Militärlaufbahn schlägt er aus, besucht die Handelsakademie Linz und macht 1895 Abitur. Verzögert durch eine skandalöse Liebesaffäre mit einem Kindermädchen. Die Liebe zu einflussreichen, älteren Frauen wird sein „Markenzeichen„.

Rilke studiert Literatur, Kunstgeschichte, Philosophie und Rechtswissenschaft in Prag, München und Berlin. Er bereist Italien, Russland, Spanien und Nordafrika. Paris wird seine zweite Heimatstadt. 1897-1900 geht er eine Liaison mit der Intellektuellen und Literatin Lou Andreas-Salomé (1861-1937) ein, mit der er 1897 nach Berlin übersiedelt. Kontakte entstehen zu seinen zukünftigen Mäzenen Mathilde und Karl Gustav Vollmoeller, dem Dichter Stefan George und dem Künstlerpaar Sabine und Reinhold Lepsius. In Russland trifft er Lew Tolstoi und Boris Pasternak, der die Begegnung in „der Schutzbrief“ festhält.

1900 geht es in die Künstlerkolonie Worpswede zu Heinrich Vogler, Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn, Carl Hauptmann und Clara Westhoff. Die Bildhauerin Westhoff wird seine Frau, die Ehe hält mal gerade ein Jahr. Eine Tochter wird geboren, Rilke flüchtet sich 1902 nach Paris. Er kriegt das Familienleben nicht auf die Reihe. In Paris entsteht sein einziger Roman: die Großstadterfahrungen von Malte Laurids Brigge. Rilke setzt sich mit Cézanne und Auguste Rodin auseinander, dessen Sekretär er wird. Er geht eine Freundschaft mit Sidonie Nádherná von Borutín ein, intensiviert seine Verbindung zu Vollmoeller und pendelt zwischen Florenz und Paris. 1911/12 lebt er auf Schloß Duino bei der Fürstin Marie v. Thurn u. Taxis. Eine lange Schaffenskrise stellt sich ein, der Dichter vertreibt sich die Zeit mit klassischer Literatur und Übersetzungen. Erst 1922 wird er seine Duineser Elegien beenden, die er 1912 begonnen hat.

1914-1916 ist er mit der Malerin Lou Albert-Lasard zusammen, dann wird er zum Kriegsdienst eingezogen und bald wieder entlassen. Es folgen unruhige Zeiten in München, auf Gut Böckel von Hertha Koenig und ab 1919 in der Schweiz in Soglio, Locarno und Berg am Irchel. 1921 findet Rilke im Château de Muzot im Wallis seine endgültige Wohnstätte. Er erkrankt an Leukämie. Es gibt einen Rechtsruck, der Dichter bekennt sich zu Benito Mussolini, befürwortet Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung. Er stirbt 1926 und hinterlässt zahlreiche Gedichte und Novellen, darunter die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910), die Duineser Elegien (1923) und das Sonett an Orpheus (1923).

Rilkes Werke im Gutenberg-Projekt

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