Beckmann ist der Größte! Max Beckmann und Berlin, Ausstellung bis zum 15.02.2016

Beckmann und Berlin

In der Ausstellung "Max Beckmann und Berlin" ©Berlin-Woman
In der Ausstellung „Max Beckmann und Berlin“ ©Berlin-Woman

Berlin! Hier startete der Maler durch, mischte in der Berliner Secession mit, bekämpfte die Expressionisten, zog in den echten Krieg und kehrte zur Machtergreifung der Nationalsozialisten wieder zurück. Um auf der Propagandaschau „entartete Kunst“ an den Pranger gestellt zu werden. Das war 1937. Max Beckmann packte die Koffer und emigrierte in die USA. Deutschland hatte einen seiner großartigsten Künstler verloren. Nun zeigt die Berlinische Galerie eine Ausstellung zu Beckmanns Berliner Jahren.

 

Die Ausstellung ist nicht groß, gerade mal 51 Gemälde und Grafiken aus der Berlinischen Galerie und von internationalen öffentlichen und privaten Leihgebern sind zu sehen. Und trotzdem können wir an der konzentrierten Auswahl an Stadt- und Straßenbildern, Portraits, Figurenbildern und Selbstbildnissen ersehen, was Berlin für Beckmann künstlerisch bedeutet hat.

1904 geht der 20Jährige Max Beckmann in die Hauptstadt. Sein riesiges Aktgemälde „junge Männer am Meer“ (1905) ist ein Volltreffer. Der Künstler kriegt den begehrten Villa-Romana-Preis und wird 1910 zum Vorstandsmitglied in der „Berliner Secession“ ernannt. Seine Straßenansichten, Landschaftsbilder und das Portrait von ihm und Minna Tube (1909) sind spätimpressionistisch angehaucht, aber schon an ihnen zeigt sich sein eigenwillig kraftvoller, zeichnerischer Stil. Eigentlich wäre Beckmann ein Expressionist, wenn er die Expressionisten: die Maler der Brücke und des Blauen Reiters, nicht bekämpfen würde. Sie sind seine besten Kontrahenten.

Alles fluppt, dann kommt der Erste Weltkrieg. Dass sich Max Beckmann freiwillig zum Sanitätsdienst meldet und unter den Erlebnissen zusammenbricht, ist einerseits schrecklich, andererseits führt es ihn zu seiner unverwechselbare Ausdrucksweise. Der Vorbote: sein Selbstbildnis als Sanitäter (1915), auf dem er uns in voller Montur mit rotem Kreuz am Revers und brennenden Augen im gleißenden medizinischen Licht taxiert.

Nun kommen die Bilder: Selbstportraits (mit Sektglas von 1919 oder mit dem roten Vorhang von 1923), die den angespannten Zustand des Malers preisgeben. Beckmann schaut aus wie ein Zirkusdirektor, ein Säufer, ein Irrer, und alles das war er wohl auch ein stückweit. So gnadenlos, wie er sich selbst sieht, sieht er nun auch die Welt. In Grafikzyklen, wie die Berliner Reise (1924) und die Hölle (1919), auf seinen Gemälden Frauenbad (1919), Fastnacht (1930) und der Leiermann (1935) presst er seine Beobachtungen in kubistisch verwinkelte Räume, bevölkert von urigen, schrägen und seltsamen Gestalten. Viele kommen direkt von den Straßen, aus den Spelunken und Dach- und Kellerwohnungen Berlins. Sie töten, unterdrücken, hungern, dealen, prostituieren sich … Beckmann lässt nichts aus. Der junge Leierkastenmann im Hotel-Livree sitzt im Atelier und kurbelt sein gelbes Lied für die finstren und monströsen Figuren um ihn herum. Das Bild entsteht zwei Jahre nach der Machtergreifung durch die Nazis. Max Beckmann ahnt, was sich da in seinem Heimatland zusammenbraut.

Die giftige Farbigkeit seiner großformatigen Bilder kommt nur in den prächtigen Portraits von seinen Freund/innen und natürlich von „Quappi“ seiner zweiten Frau und Muse zur Ruhe. In türkisem Partnerlook posieren Quappi und Papagei auf einem dieser Berliner Bildnisse (1936), in rot lila und pastell ist Beckmanns Berliner Sammlerin und Vertraute Käthe von Porada zu sehen (1924).

Die Ausstellung, die aus Anlass des 40. Geburtstags der Berlinischen Galerie gezeigt wird, schließt auch die Zeitgenossen von Max Beckmann mit ein. Wir sehen herrliche Werke von Liebermann, Munch, Kirchner und Franz Marc und stellen fest …

Beckmann ist doch der Größte!

Bildstrecke bei FAZ.net

Video zur Ausstellung bei tagesspiegel.de

Max Beckmann und Berlin, Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin, Mi-Mo 10:00-18:00 Uhr, 8/5 €,  20.11.2015-15.02.2016

Berlin WoMan: Max Beckmann

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