#Guckstu Nr. 6: Pablo Picasso, Les Demoiselles d’Avignon 1907

#Guckstu

Pablo Picasso, Les Demoiselles d´Avignon, 1907, Moma NY, Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Les_Demoiselles_d%E2%80%99Avignon
Pablo Picasso, Les Demoiselles d´Avignon, 1907, Moma NY, Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Les_Demoiselles_d%E2%80%99Avignon

Wir sind die einzige tägliche Wochenzeitung Berlins und haben natürlich auch eine Kolumne. Für uns schreibt die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers. Sie scheut sich nicht, hier regelmäßig ihren Bildungs-Wahnsinn auszutoben. Freut euch auf die Minivorlesungen #Guckstu. Denn wir haben keine Tomaten auf den Augen, nehmen kein Blatt vor den Mund und gehen nicht in Sack und Asche. Welcome zu Nr. 6: Les Desmoiselles d´Avignon von Picasso.

Moin, moin hier spricht die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, immer über ein Meisterwerk der Kunst.  Für euch und all die anderen, die die Kunst lieben und sich auch mal in Bilder reinlegen würden, wenn sie ihnen gut gefallen. Heute:

Pablo Picasso, Les Demoiselles d’Avignon, 243,9 x 233,7 cm, Öl/Lw., 1907, Museum of Modern Art New York City

Mönsch, ihr glaubt nicht, was mir heute passiert ist. Ich bin ja gerade unterwegs und hab schrecklichen Hunger gekriegt. Also bin ich in die nächstbeste Location rein, dachte es wäre eine Pommesbude. Ach du Schreck, was seh ich da für Gestalten? Alles Weiber, 4 stehen, eine hockt breitbeinig auf einem zerknüllten Bettlaken. Sie haben nix an als Hemdchen, unter denen man alles sehen kann, und kubistisch ausgebeulte Bhs. Die 2 Tussen in der Mitte, die mit den spitzen Ellbogen, sehen noch halbwegs passabel aus. Aber die Schreckschraube links mit dem finstren Gesicht und den Riesenplattfüße. Mannomann, oder besser Frauohfrau. Die 2 Horrorvögel rechts verbergen sich hinter hölzernen Masken,  die wissen warum. Pommes gibt es hier nicht, ich sehe nur 1 zickige Melonenschnitte, graue Trauben, 1 vergammelten Apfel und 1 ebensolche Birne. Uuh ist das ein abgefucktes Früchtestillleben (mit 3 l). Wenn man davon nascht, sieht man wohl so aus, wie die 5 Schabracken.

Hilfe, ich will hier raus, renne nach hinten, knalle gegen eine blauweiße kubistische Scherbenwand, renne nach links, da ist eine braune Ziegelwand, renne nach vorne und springe raus, raus aus einem der größten Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, den „Desmoiselles d´Avignon“. Das Gemälde stammt vom Welt-allergrößten und -berühmtesten Künstler: Pablo Picasso (1881-1973). Geschnallt?

Picasso hatte als junger Mann ganz nah beim Carrer d´Avinyo in Barcelona gewohnt, einem bekannten Nuttenviertel, und Erfahrungen gesammelt, die mann wohl machen muss. Im Herbst 1906 knöpfte er sich in seinem Pariser Atelier, dem legendären Bateau Lavoir, das Motiv vor und hat es bis März 1907 gezeichnet, gemalt, gezeichnet, gemalt. Insgesamt gibt es über 800 Vorstudien, das ist so ziemlich einzigartig in der Geschichte der Kunst.

Picasso war besessen von der Bordellszene, die er vor seinem inneren Auge sah und zunächst in realistischen Zeichnungen festhielt, um sie mehr und mehr zu verfremden. Im Juli 1907 war das Gemälde endlich fertig, er hielt es unter Verschluss und zeigte es nur ausgesuchten Freunden und Kollegen: Wilhelm von Uhde (Kunsthändler), Guillaume Apollinaire (Kunstschreiberling) und den Künstlern André Derain, Georges Bracques und Henri Matisse. Sie alle reagierten erschreckt, verwirrt, entsetzt, man munkelt, der ein oder andere hätte sich sogar erbrochen. Denn so etwas Abscheuliches hatten sie noch nie gesehen. Der Surrealist André Breton sorgte dafür, dass dieses Chaosdings hinter Schloß und Riegel, nämlich 1939 in den Besitz des Museum of Modern Art in New York ging. Und zum Schlüsselbild der Kunst des 20. Jahrhunderts wurde.

Denn es schmiss alles über den Haufen, was bis dahin als Kunst gegolten hatte: die schönen Frauenakte mit dem schimmernden Inkarnat (Haut), die lebensechten Portraits, die köstlichen Stillleben mit 3 l und frischen, knackigen Früchten, die schmucken Interieurs mit Mobiliar, das sich unsereins nicht leisten konnte und der Traum von einer schönen und besseren Welt. Alles weg, alles dahin, rette sich wer kann.

Picasso hinterließ ein Oeuvre mit 50.000 Exponaten, zu Lebzeiten gab es bereits zwei Museen mit seinen Werken, er beteiligte sich an allen wichtigen Kunstströmungen Anfang des 20. Jahrhunderts, kannte alle Künstlerberühmtheiten der Zeit, malte, zeichnete, bildhauerte, machte Bühnenbilder, Druckgrafik und Lichtmalerei, verschliss zig Frauen, zeugte 4 Kinder und bewohnte Domizile, die er, nachdem er sie total zugemüllt hatte, einfach verließ, um sich das nächste vorzunehmen. Picasso war ein Messi, ein Ungeheuer, ein Monster, ein Albtraum von Mann … und deshalb so genial. Oder war es umgekehrt? Viva Picasso! ©Berlin-Woman

Bildquelle für alle Ab(s)mahner: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/4/4c/Les_Demoiselles_d’Avignon.jpg

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