Denk ich an Frankreich in der Nacht … ein paar Bedenken zum IS-Terroranschlag auf Paris

Solidarität, aber nicht bedenkenlos!

Heinrich Heine (1797-1856) Bild: www.  neumann-orient-okzident.de
Heinrich Heine (1797-1856) Bild: www. neumann-orient-okzident.de

8 Terroristen, darunter 1 Franzose, 6 Pariser Angriffsziele, 129 Tote, 353 Verletzte. Der Terroranschlag am 13.11.2015 durch die bekennende IS-Miliz erschüttert weite Teile der westlichen Welt und Europas. Denn wahllos haben hier blutjunge Dschihadisten auf alle geschossen, die sie erwischen konnten. Auf Juden, Christen, Moslems, Buddhisten, blutjung wie sie, aber scheißegal. Das Drama spielte sich an Orten ab, die der IS-Doktrin widersprechen. Orte des Entertainements und des Konsums im westlichen Stil mit westlichen Akteuren. Orte mit symbolischen Namen …

Die 6 Pariser Adressen sind:

  • das Stade de France: Frankreichs Arena mit dem Freundschaftsspiel Deutschland gegen Frankreich
  • Bataclan: die Konzerthalle mit jüdischen und proisraelischen Veranstaltungen und der an dem Abend auftretenden US-amerikanischen Band „Eagles of Death Metal
  • das Restaurant „Le Petit Cambodge“: Kambodscha das asiatische Reich mit dem historischen Terrorregime „die Roten Khmer
  • die Pizzeria „La Casa Nostra“: unser Haus
  • die Kneipe „Comptoir Voltaire“: Theke Voltaire
  • das Restaurant „La Belle Equipe“: die schöne Mannschaft

Unverkennbar spielen die Namen auf das Feindbild des IS (Islamischer Staat) an, dem die Attentäter angehörten und auf die Überzeugungen dieser kleinen IS-Terroreinheit. Womöglich dienten sie als symbolische Orientierungspunkte für die „heiligen Krieger“. Denn genau hier amüsiert sich die westliche Welt, trinkt Alkohol, raucht und hört gemeinsam Popmusik. Unverheiratete Männer flirten mit unverheirateten Frauen, die ihre Haarpracht und ihre schönen Körper ungeniert zeigen und alles tun, was das islamistische Glaubensgesetz, die Sharia, verbietet.

Der IS, der sich zum Pariser Terrorangriff bekennt, handelt nach der Sharia. Seit Sommer 2014 droht er, über die Grenzen des Iraks und der nahöstlichen Staaten hinauszugehen. Seine dschihadtischen Staatsbildungen könnten überall erfolgen, der Islamische Staat könnte überall ausgerufen werden. Das sind Utopien, die kampfbereiten jungen Männern in den militärischen Ausbildungslagern der IS eingeimpft werden. Und es sind Utopien, die vielen Europäer/innen Angst machen. Denn „gleich bei mir um die Ecke ist eine Moschee…“ Die Verbreitung von Furcht und Schrecken ist immer  Methode gewesen, Menschen um ihren Verstand zu bringen, möglichst auf beiden verfeindeten Seiten. Das wusste schon der liebe Gott im Alten Testament und hetzte die Völker gegeneinander auf. Neben den Ungläubigen verpönt die IS-Sharia auch Moslems anderer Glaubensrichtungen. Was die Kaltblütigkeit der blutjungen Attentäter erklärt, mit der sie alle abknallten, die sich an den 6 Orten der „Ungläubigkeit“ aufhielten.

Das Ganze spielte sich in einer Stadt ab, von der aus im September der Militäreinsatz in Syrien befohlen wurde. Frankreichs Streitkräfte zählen zu den schlagkräftigsten der Welt. Ihr Auftrag ist die Sicherung der nationalen Unabhängigkeit im französischen Mutterland und den Übersee-Départments sowie der Krieg gegen den Terrorismus. Folge solcher Angriffe sind die Flüchtlingsströme, darunter fast 4 Mio Syrer/innen, von denen bis heute ca. 30.000 in Deutschland gelandet sind. Willkommen im Karussell des Terrors und der Gewalt.

Aktuell hat Frankreich zusammen mit den USA die syrische IS-Hochburg Rakka bombardiert, 10 Jagdbomber namens „Rafale“=Windstoß und „Mirage“=Trugbild sowie der Landraumaufklärer „Atlantique 2“ sind unterwegs. Ja, auch der Westen hat seine symbolischen Namen und strickt nun in Antalya und Wien an einer „Lösung des politischen Konflikts“.  Militäreinsatz durch deutsche Truppen?

Ich hab die Trikolore von meinem Facebook-Profil wieder gelöscht. Und lese Heinrich Heines Nachtgedanken, die der Dichter vor 172 Jahren im Pariser Exil schrieb.

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