Berlin-Women: Regina Jonas, die erste Rabbinerin weltweit (Vortrag von Elisabeth Klapheck, 12.11.2015)

Berlin-Women

Regina Jonas,  Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum," Berlin. www.jwa.org
Regina Jonas, Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum,“ Berlin. www.jwa.org

„Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht“. Regina Jonas war die erste ordinierte Rabbinerin weltweit. Damit setzte sie sich in einem ausschließlichen Männerberuf durch. Sie vertrat das traditionelle Judentum und glaubte fest daran, dass Männer und Frauen gleichwertige aber unterschiedliche Leistungen erbringen könnten.

Regina Jonas (03.08.1902-12.12.1944 im KZ Birkenau) stammte aus einer streng gläubigen jüdischen Kaufmannsfamilie und wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Berliner Scheunenviertel in Berlin-Mitte auf. Bereits mit 11 Jahren verlor sie den Vater. Sie besuchte das Oberlyzeum in Berlin-Weißensee und studierte 1924-1930 an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, mit dem Ziel, Rabbinerin zu werden. Einer ihrer Lehrer war der Talmudprofessor Leo Baeck, eine führende jüdische Persönlichkeit der Zeit. Jonas absolvierte mit der Streitschrift: „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“, was sie natürlich bejahte, und wurde diplomierte Religionslehrerin. Daraufhin unterrichtete sie an verschiedenen jüdischen Schulen, hielt Vorträge, u.a. über ihr eigenes Thema: die Frau und das Judentum.

27.12.1935 erteilte ihr der Offenbacher Rabbiner Max Dienemann die Ordination, was einer Revolution gleichkam. Denn der Beruf des Rabbis wurde NUR von Männern ausgeübt. Deshalb kam erst mal nicht der ersehnte Job als Rabbinerin, sondern 1937 eine Anstellung als Religionslehrerin bei der jüdischen Gemeinde in Berlin sowie als seelsorgerische Betreuerin in verschiedenen städt. Einrichtungen.

Der Handlungsspielraum der einzigen Rabbinerin Deutschlands, ja der Welt beschränkte sich auf die Leitung religiöser Feste wie den Oneg Shabbat – Predigten und Trauungszeremonien wurden ihr vorenthalten. Jonas engagierte sich verstärkt in jüdischen und zionistischen Frauenvereinigungen, darunter der WIZO, der jüdische Frauenbund und die Schwesternschaften in den Logen. Zynischerweise stieg der Betreuungsbedarf der jüdischen Gemeinden in Deutschland nach 1938 an, so dass Jonas nun mit offiziellem Auftrag dorthin reisen, predigen und Seelsorge leisten konnte. Verfolgt von den Nazis waren viele ihrer Kollegen ausgewandert oder deportiert, ein Schicksal, das Jonas 1942 ebenfalls ereilte.

Sie wurden zur Zwangsarbeit in einer Kartonagenfabrik verpflichtet, die Deportation nach Theresienstadt zusammen mit ihrer Mutter folgte im November. Dort beteiligte sich Jonas am „Referat für psychische Hygiene“ von Viktor Frankl und hielt auch Vorträge und Predigten. 1944 wurde sie ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht und wohl am 12.12. ermordet.

Jonas hinterließ kein Tagebuch, es existieren auch keine persönlichen Briefe oder Berichte von Zeitzeugen. Ihr bescheidener Nachlass steht seit der deutschen Wiedervereinigung zu Forschungszwecken zur Verfügung. Die Rabbinerin Elisabeth Klapheck – Tochter des berühmten Malers Konrad Klapheck) gab Jonas´Abschlußarbeit 1999 heraus und verfasste 2000 ihre Biografie.

Do, den 12.11.2015  hält sie einen Vortrag über ihr Vorbild:

Elisabeth Klapheck, Regina Jonas, die erste Rabbinerin, Goldener Saal, Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz 1, 10825 Berlin, 12.11.2015, 19:00 Uhr, Eintritt frei

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