#Guckstu Nr. 5: Nikolas Poussin, Bacchus und Midas, 1629/30

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Nikolas Poussin, Bacchus und Midas, um 1629/30, Alte Pinakothek München http://www.wga.hu/support/viewer_m/z.html

Jede echte Zeitung hat ihren Kolumnisten. Und da wir das einzige tägliche Wochenmagazin Berlins sind, haben wir nun auch einen, bzw. eine. Wir freuen uns, dass die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers hier regelmäßig ihren Bildungswahn für uns austobt. Freut euch auf die Minivorlesungen #Guckstu. Denn wir haben keine Tomaten auf den Augen, nehmen kein Blatt vor den Mund und gehen nicht in Sack und Asche. Welcome zu Nr. 5: Bacchus und Midas von Nikolas Poussin.

Hallo, hallöle hier spricht die Rächerin und Sprecherin der Kunst, Dr. Carola Muysers. Die einzig wahre Kunsthistorikerin, die für ein Minihonorar alles gibt (die können nicht mehr zahlen, aber pssst, nicht laut sagen)! Damit es euch gut geht und ihr was zu Gucken, Lesen und Lachen habt. Wer #Guckstu studieren will, kann das bei mir auf Facebook tun (bitte dem Link unten folgen). Ich sag euch aber gleich, ich laß nix durchgehen! Da verstehe ich nämlich überhaupt keinen Spaß, auch wenn ich mit dem Meisterwerk, das ich hier jeweils vorstelle, ziemlichen Blödsinn anstelle. Ih wißt ja: aus Spaß wurde Ernst …  und heute behandeln wir so eine ähnliche Geschichte mit:

Nikolas Poussin, Bacchus und Midas, Öl/Lw., 98,5 x 153 cm,  1629/30, Alte Pinakothek München

Oh, oh. Da steht doch glatt – spiegelglatt gemalt – der schöne junge Bacchus in seiner nackten  Pracht vor uns. „Was willst du“?  hakt er ungläubig bei Midas, dem phrygischen König, nach, der rechts von ihm kniet und beteuernd seine Hand aufs Herz legt. Links von Bacchus hängt sein Saufkumpane Silenus in den Seilen. Hat der etwa die schöne Nymphe mitgebracht, die sich halb von Sinnen ganz vorne herumräkelt? Die besoffenen Putten und die anderen Typen (Satyre) im Hintergrund sind auch schon ziemlich im Eimer.

Das ist aber auch kein Wunder, denn alle auf dem Bild haben 10 Tage lang bei Midas Party gemacht. Als Dank hat Bacchus dem Midas dann einen Wunsch freigegeben, den der sogleich verbockt. Wie bekloppt ist der denn? Er wünscht sich, dass alles was er berührt, zu Gold würde. Was will er dann essen und trinken? Das Bild ist ein tolles Beispiel für die Habgier, eine der 7 Todsünden.

Gemalt hat es Nicolas Poussin (1594-1665), der bedeutendste Künstler der französischen Barockzeit. Poussins große Lehrmeisterin war die Stadt Rom. 1624 ging er dorthin, um die Antike und die Renaissancekunst zu studieren. Die Stadt war voller Altertümer aus diesen Epochen, die halb verschüttet, halb ausgebuddelt einfach so herumlagen. In Rom lernte der Maler die High Society, darunter Geistliche, deren Sekretäre, Bankiers, Diplomaten und die päpstliche Sippschaft kennen. Das wurden seine Auftraggeber, allen voran Cassiano dal Pozzo, der ihm Tür und Tor öffnete.

Sie alle wussten, dass die antike Mythologie voller wilder, ungezügelter und versauter Geschichten war. Viel besser als von den Dichtern und Literaten der eigenen Zeit. Poussin malte und malte. Vor allem seine kleinen handlichen Formate machten ihn reich und berühmt. Nix wie her damit, das da kommt über mein Sofa, und das da über mein Bett! Das Bild Bacchus und Midas wanderte 1787 in die großartige kurfürstliche Kunstsammlung von Bayern. Zum Ergötzen des Fürsten, seiner zahlreichen Mätressen, seiner Gattin und ihrer zahlreichen Liebhaber. Das Karussell machte die nächste Runde. Na denn, auf das Leben und die Kunst! ©Berlin-Woman

Bildquelle für alle Abmahner: http://www.wga.hu/support/viewer_m/z.html

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